Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e.V.

SÜDWESTMETALL‐Umfrage: Einfache Produktionsjobs gehen verloren – immer mehr Produktion und Gewinne im Ausland

Dr. Wolf: „Tarifliche Entgeltpolitik ist aus dem Ruder gelaufen – Politik muss mehr tun, um den Industriestandort zu erhalten“

Erstellt am: 10/14/2015

STUTTGART – Trotz guter Konjunktur gehen in der baden‐württembergischen Metall‐ und Elektroindustrie (M+E) Produktionsarbeitsplätze verloren. Betroffen sind vor allem einfache Tätigkeiten. Dagegen wächst der Anteil der Auslandsproduktion. Dort wird auch immer mehr investiert und ein wachsender Anteil der Gewinne erzielt, wie eine Umfrage des Arbeitgeberverbands SÜDWESTMETALL ergeben hat.

„Als Hauptgründe nennen unsere Unternehmen die zuletzt wieder stark gestiegenen Arbeitskosten und Belastungen durch falsche politische Weichenstellungen“, sagte der Verbandsvorsitzende Dr. Stefan Wolf am Mittwoch bei der Vorstellung der Ergebnisse: „Wir fordern daher die IG Metall dazu auf, zu einer Entgeltentwicklung zurückzukehren, die sich am Machbaren orientiert. Auch die Politik im Land muss ihre Möglichkeiten nutzen, den Industriestandort Baden‐Württemberg zu erhalten und zu stärken, und sie muss von weiteren Belastungen der Betriebe absehen.“

Gemeinsam mit der IW Consult GmbH (Köln) hat SÜDWESTMETALL die aktuelle Entwicklung in der Produktion im Land untersucht. Dabei zeigt sich, dass zwischen 1996 und 2011 im gesamten Verarbeitenden Gewerbe rund 134.000 Jobs in den sogenannten „einfachen Tätigkeiten“ verlorengegangen sind, allein in der M+E‐Industrie 32.000 Jobs zwischen 2004 und 2011. Bis 2020 rechnen die Betriebe mit einem weiteren Rückgang des Anteils solcher Tätigkeiten um mehr als ein Viertel. „Die Produktion ist das Kernstück unserer industriellen Wertschöpfung im Land. Sie ist in Baden‐Württemberg weit überdurchschnittlich hoch und sichert uns auch einen überdurchschnittlichen Wohlstand", sagte Wolf: „Wenn die baden‐württembergischen Standorte selbst bei relativ guter Konjunktur, bei billigem Öl und günstigem Euro‐Kurs davon nicht mehr profitieren, zeigt das die Dimension unserer strukturellen Herausforderungen.“

Ein immer geringerer Anteil der Investitionen der heimischen Betriebe würde in die hiesigen Standorte fließen, schon gar nicht in eine Ausweitung der Kapazitäten. Immer mehr würde hingegen in die Produktion im Ausland investiert, von dort komme auch ein stetig wachsender Anteil der Gewinne. Besonders groß sei dabei die Dynamik bei kleineren Mittelständlern (ab 100 Mitarbeitern). „Sie folgen nun den großen Unternehmen und stehen offenbar vor einem verstärkten Sprung ins Ausland mit eigener Produktion, ggf. vor einer Verlagerungswelle. Indizien, dass dies bereits im vollen Gange ist, haben wir genügend“, warnte Wolf: „Würde uns heute eine Krise treffen, hätte dies weit gravierendere Auswirkungen auf die Beschäftigung in unserem Land als noch 2008/09.“

Der SÜDWESTMETALL‐Vorsitzende macht dafür vor allem die zuletzt wieder stark gestiegenen Arbeitskosten in der Industrie verantwortlich. Seit der letzten Krise hätten sich die Tarifentgelte in der M+E‐Industrie um knapp 20 Prozent erhöht, allein die letzten Tarifrunden seit 2012 bedeuteten ein Plus von 14 Prozent. Gleichzeitig war die Inflation niedrig, der Produktivitätszuwachs sehr gering. „Dadurch hat sich die Wettbewerbsfähigkeit unserer hiesigen Standorte deutlich verschlechtert – während die Konkurrenz in puncto Qualität, Produktivität und Standortbedingungen massiv aufgeholt hat“, sagte Wolf: „Hinzu kommt, dass die Politik zuletzt für mehr Belastungen der Betriebe gesorgt hat, statt die Standortbedingungen zu verbessern.“

Wolf forderte die IG Metall zu einer Kurskorrektur in der Entgeltentwicklung auf, die zuletzt aus dem Ruder gelaufen sei: „Tarifabschlüsse müssen wieder Mindeststandards festlegen, statt Höchststandard zu formulieren, die viele Betriebe überfordern. Wir brauchen auch dringend mehr
Differenzierungsmöglichkeiten in den Abschlüssen – über die Regelungen von Pforzheim hinaus.“ Die Tarifpolitik müsse auch adäquate Antworten auf Veränderungen wie Digitalisierung und demografischen Wandel finden. Mit tariflichen Regelungen aus den 70er Jahren sei dies nicht
machbar, so Wolf: „Ich habe auch kein Verständnis dafür, dass die IG Metall immer zum Gesetzgeber rennt, wenn sie bei uns nichts erreicht, z.B. bei Zeitarbeit und Werkverträgen.“

Von der Landesregierung erwartet SÜDWESTMETALL mehr Einsatz für den Industriestandort Baden‐Württemberg – auch auf Bundesebene. Gerade dort müssten weitere Belastungen der Betriebe abgewehrt werden, so Wolf: „Die Umfrage zeigt, wie sehr diese Belastungen unsere Unternehmen drücken.“ Denkbar wäre eine sogenannte One‐In‐One‐Out‐Regel auf Landesebene, also für jede Belastung eine angemessene Entlastung: „Besser wäre noch Zero‐In‐Two‐Out.“ Zentral sei für die Unternehmen auch der Erhalt von Flexibilität: „Deshalb Hände weg von der Zeitarbeit und von Werkverträgen.“ Weiter fordern die Metallarbeitgeber im Land mehr Unterstützung bei Investitionen, schnellere Genehmigungsverfahren, eine breitere Innovationsförderung, einen Ausbau der Infrastruktur (Energie, digitale Netze, Verkehr), eine verlässliche Bildungspolitik sowie die bessere Nutzung von Fachkräftepotenzialen.

Südwestmetall
Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e. V.

Löffelstraße 22–24
70597 Stuttgart
Postfach 70 05 01
70574 Stuttgart
Tel. +49 (0)711 7682-0
Fax +49 (0)711 7651675
E-Mail: info(at)suedwestmetall.de

URL: http://www.suedwestmetall.de/swm/web.nsf/id/li_sweba3afxe.html
Datum: 28.9.2016

VOILA_REP_ID=C1257761:004A5185