[ Konjunkturbericht Spätwinter 2011/12 ]

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In regelmäßigen Abständen veröffentlichen die Metallarbeitgeber einen Konjunkturbericht zur wirtschaftlichen Lage der Metall- und Elektroindustrie. Diesen finden Sie auf dieser Seite.

Zwar deuten die Konjunkturindikatoren in der M+E-Industrie auf eine konjunkturelle Abkühlung in 2012 hin, aber eine Rezession ist im größten Industriesektor wenig wahrscheinlich. Das zeigt sich z.B. im Geschäftsklima, das im Januar zugelegt hat: die Geschäftslage wird weiter sehr gut beurteilt. Die Geschäftserwartungen lagen zwar per Saldo zum sechsten Mal in Folge im negativen Bereich, konnten sich zuletzt aber deutlich verbessern.

Der Auftragseingang ging im 4. Quartal zwar zum zweiten Mal in Folge zurück, hat sich aber im Dezember wieder stabilisiert. Die M+E-Produktion stieg im Jahresdurchschnitt 2011 um 13,4 Prozent, ging im 4. Quartal jedoch etwas zurück. Die Unternehmen stocken ihre Stammbelegschaften derweil weiter kräftig auf: bis November waren 191.000 Stammarbeitsplätze von verlorenen 216.000 zurückgewonnen. Auch die Erträge verbesserten sich 2011 spürbar, haben das Vorkrisenniveau aber noch nicht erreicht. Dennoch: das Klima insgesamt ist von großer Unsicherheit bei den Unternehmen geprägt.

Dazu trägt die weiterhin ungelöste Staatsschuldenkrise in der Eurozone einen guten Teil bei. In der Eurozone ist deshalb für 2012 kaum mit Wachstum zu rechnen. Ob China und die übrigen BRIC-Staaten die Rolle der Konjunkturlokomotive weiter ausfüllen können, ist offen, ebenso das Tempo der konjunkturellen Erholung in den USA, wo sich zuletzt allerdings eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt eingestellt hat. Insgesamt ist 2012 mit einer leichten Abkühlung der Weltkonjunktur zu rechnen. Das alles bremst die Investitionsentscheidungen der Unternehmen und damit das Geschäft der M+E-Industrie.

Auftragseingang. Im 4. Quartal gingen die Auftragseingänge zum zweiten Mal in Folge zurück, stabilisierten sich zuletzt aber wieder. Der Rückgang war im 4. Quartal mit -1,9 Prozent deshalb deutlich geringer als im 3. Quartal (-4,7 Prozent). Im 4. Quartal gingen die Aufträge aus dem Inland (-3,4 Prozent) stärker zurück als die Auslandsaufträge (-0,7 Prozent). Nach Branchen differenziert sank der Auftragseingang wegen ausbleibender Großaufträge vor allem im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik und Optik (-6,4 Prozent). Auch im Maschinenbau und der Metallverarbeitung fielen die Aufträge leicht (-2,1 bzw. -1,5 Prozent). Im Fahrzeugbau nahmen sie gegenüber dem 3. Quartal um 0,8 Prozent zu.

Produktion. Die M+E-Produktion fiel im 4. Quartal gegenüber dem 3. Quartal um -2,9 Prozent. Damit liegt die Produktion auch wieder leicht unter dem Vorkrisenniveau (1. Hj. 2008), das im 3. Quartal zunächst überschritten wurde. Lediglich der Bereich Metallverarbeitung konnte im Quartalsvergleich weiter zulegen (+1,3%). Im Maschinenbau (-3,6%), im Fahrzeugbau (-4,7%) und besonders im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik (-5,8%) sank die Produktion. Als Folge der schwächeren Produktion und gleichzeitig gestiegener Kapazitäten ist die Kapazitätsauslastung im Januar 2012 leicht auf 86,4 Prozent zurückgegangen (Juli: 88,3%).

Beschäftigung. Der Beschäftigungsaufbau der Stammbelegschaften kommt weiter zügig voran. Von März 2010 bis November 2011 zählte die M+E-Industrie per Saldo schon 191.000 Neueinstellungen. Im Osten begann der Wiederaufbau bereits im Dezember 2009. Seitdem sind hier rund 42.300 zusätzliche Stellen entstanden. Die Zuwächse dürften zum Teil auch auf die Festeinstellung von Zeitarbeitnehmern zurückzuführen sein. Durch die Krise hatte die M+E-Industrie 216.000 Arbeitsplätze verloren, was wenig war in Relation zu der gewaltigen Tiefe des Produktionseinbruchs. Im Vorjahresvergleich lag die Beschäftigtenzahl zuletzt mit 4,3 Prozent im Plus, im Osten sogar mit 7,1 Prozent.

Arbeitsmarkt. Die Bundesagentur für Arbeit stellt ihre Arbeitsmarktdaten ab Januar 2012 nach der neuen „Klassifikation der Berufe 2010“ zur Verfügung. Nach dieser neuen Abgrenzung gab es im Januar 2012 in den M+E-Berufen saisonbereinigt noch 150.200 Arbeitslose, 39.800 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 121.100 ungeförderte Offene Stellen gemeldet, 31.900 mehr als im Vorjahresmonat. Die Kurzarbeit ist weitgehend abgebaut: Im Oktober 2011 gab es in der M+E-Industrie nach vorläufigen BA-Zahlen noch rund 32.000 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt lag im Mai 2009 bei 974.500 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit lagen im Januar bei rund 11.000.

Verdienste. 2011 stiegen im Durchschnitt der ersten drei Quartale die Bruttomonatsverdienste (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 4,9 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 2,1 Prozent. Wie bereits im Vorjahr lässt sich die unterschiedliche Verdienstentwicklung durch den Rückgang der Kurzarbeit und den Aufbau von Überstunden begründen. 2010 waren die Monatsverdienste im Jahresdurchschnitt um 6,3 Prozent, die Stundenverdienste um 2,3 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Im Zeitraum Januar-November 2011 lagen die Arbeitskosten je Stunde um 2,9 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Bei der Produktivität machte sich der Aufholprozess aus der Krise heraus mit einem Anstieg 7,2 Prozent bemerkbar, entsprechend sanken die Lohnstückkosten um 4,0 Prozent. Ungemach kommt weiter von der Material- und Energieseite. Die Preise wichtiger Stahlsorten lagen im Jahresdurchschnitt 2011 um 5 bis 18 Prozent über dem Niveau von 2010. Allerdings zeichnet sich aufgrund der nachlassenden Konjunktur zuletzt im vierten Quartal 2011 eine Entspannung bei den Stahlpreisen ab. Ungebremst hingegen steigen die Energiepreise: Heizöl war im vierten Quartal um 28 Prozent teurer als vor einem Jahr, Erdgas um knapp 18 Prozent und Strom um knapp 8 Prozent.

Preise. Die Preise für M+E-Erzeugnisse stiegen 2011 um 1,9 Prozent, jedoch mit stetig nachlassender Dynamik. Zuletzt stiegen sie im 4. Quartal nur noch um 1,2 Prozent. Die Exportpreise stiegen 2011 um 1,5 Prozent, im 4. Quartal aber nur noch um 1 Prozent. Die rückläufige Tendenz zeigt sich auch bei den Importpreisen, die 2011 um 1,1 Prozent höher lagen, im vierten Quartal aber nur noch um 0,2 Prozent. Die Verbraucherpreise stiegen 2011 um 2,3 Prozent – vor allem aufgrund höherer Heizöl- und Benzinpreise. Allerdings ist die Inflationsrate rückläufig und betrug im Dezember nur noch 2,1 Prozent.

Erträge. Nach der Ifo-Umfrage von September 2011 rechnen die M+E-Unternehmen für 2011 mit einem Gewinn nach Steuern in von Höhe von 4,2 Prozent des Umsatzes, nach 3,8 Prozent im Jahr 2010. Die Erträge liegen damit noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (5 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen ging im M+E-Gewerbe (Industrie +Handwerk) im 1. Halbjahr 2011 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 24% zurück.

Geschäftsklima. Der Ifo-Klimaindex stieg im Januar. Der Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage stieg von +39 auf +42. Die Erwartungen legten sogar noch deutlicher zu, von -14 auf -4, liegen aber nach wie vor im negativen Bereich.

Aussichten 2012. Die M+E-Produktion wuchs 2011 um 13,4 Prozent. Allerdings fiel das 4. Quartal um 2,9 Prozent schwächer aus als 3. Quartal. Für 2012 erwarten wir, dass sich das Wachstum der Produktion deutlich abschwächt und höchstens bis zu 4 Prozent betragen wird. Die Beschäftigung wird bis Jahresende 2011 auf rund 3.640.000 weiter steigen. Für 2012 ist nur noch mit einem leichten Anstieg der Beschäftigung zu rechnen.

(Stand: 8. Februar 2012; Quelle: Gesamtmetall)

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Datum: 23.2.2012

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