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Montag, 21. Dezember 2009
Bachelor und Master
Von wegen Ingenieure zweiter Klasse
KÖLN/STUTTGART – Hochschulen und Studenten sind noch misstrauisch, Unternehmen dagegen schon überzeugt: Bachelor- und Master-Ingenieure werden von der Wirtschaft akzeptiert und haben ähnliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt wie ihre Kollegen mit Diplom. Vor allem große Unternehmen sowie forschende und innovative Firmen setzen auf die neuen Abschlüsse. Dies zeigt eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in Zusammenarbeit mit dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI).
Bachelor und Master – im Jahr 2010 sollen diese Abschlüsse an allen Hochschulen Deutschlands Standard sein. Bisher sind bereits 79 Prozent aller Studienangebote auf die international vergleichbaren Titel umgestellt, in den Ingenieurwissenschaften sogar 93 Prozent. Die entsprechenden Absolventenzahlen sind dagegen noch überschaubar:
Zwischen 2000 und 2008 vergaben die Hochschulen 340.000 Ingenieurabschlüsse, darunter gerade einmal 3,5 Prozent Bachelor und 5,2 Prozent Master. Während manche Professoren und Studenten den neuen Abschlüssen noch misstrauisch gegenüberstehen, scheinen Bachelor und Master in der Praxis bereits angekommen zu sein. So zeigt eine repräsentative Untersuchung der Universität Kassel, dass Bachelor-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt ebenso gut gestellt sind wie ihre diplomierten Kommilitonen. Zum gleichen Ergebnis kommen das IW Köln und der VDI für die Ingenieure: Um Einstellungsmuster, betriebliche Einsatzfelder sowie Karriere- und Gehaltsperspektiven in Unternehmen zu beleuchten, haben IW und VDI insgesamt 1.753 Betriebe aus dem Verarbeitenden Gewerbe, den unternehmensnahen Dienstleistungen und der Bauwirtschaft befragt, die Ingenieure beschäftigen. Darunter waren 362 Firmen, in denen Bachelor- und Master-Ingenieure tätig sind. Die Ergebnisse im Einzelnen: Ingenieure mit Bachelor- beziehungsweise Master-Grad sind in jeder dritten Firma mit 250 und mehr Mitarbeitern zu finden. Die Befragung widerlegt darüber hinaus das Vorurteil, Bachelor-Ingenieure seien für wissens- und forschungsintensive Unternehmen generell unattraktiv: Der Anteil der Bachelor-Ingenieure in Unternehmen, die selbst forschen und entwickeln, ist mit rund 14 Prozent nahezu doppelt so hoch wie in nicht forschenden Unternehmen. Gleiches gilt für Betriebe mit erfolgreichen eigenen Neukreationen. Von ihnen haben sich 15 Prozent für Kandidaten mit den neuen Bachelorabschlüssen entschieden, in Firmen ohne Produktinnovationen sind es lediglich 7 Prozent. Bachelor-Ingenieure sind sogar in mehr forschenden und innovativen Unternehmen vertreten als Master. Einige Unternehmen wollen für ihre Forschung allerdings weder Bachelor- noch Master-Ingenieure einstellen – hier ist offenbar erst die Promotion der Türöffner. Auch in der Montage und in den fertigungsnahen Diensten müssen Bachelors und Master nach Aussage einiger Personaler anderen den Vortritt lassen – Absolventen einer beruflichen Ausbildung dürften hier bessere Karten haben, die Stellen zu bekommen. Karrierechancen. Was den Aufstieg innerhalb der Firma betrifft, gibt es in den Unternehmen offensichtlich unterschiedliche Konzepte: Knapp die Hälfte der Befragten ist der Auffassung, dass Bachelor- und Master-Absolventen grundsätzlich die gleichen Chancen haben, Führungspositionen zu erreichen; die andere Hälfte der Unternehmen teilt diese Meinung nicht. Uneinig sind sich die Befragten auch, wenn es darum geht, ob Bachelor-Absolventen noch ihren Master machen müssen, um ihrer Karriere auf die Sprünge zu helfen. Ein längeres Studium bringt mehr Wissen, argumentieren die Befürworter der Master. Umgekehrt jedoch attestiert knapp die Hälfte der Unternehmen den Bachelor-Absolventen Karrierevorteile, weil sie deutlich früher in den Job einsteigen. Letztlich ist es jedoch für die meisten Betriebe entscheidend, dass sich der Neuling – egal ob Bachelor oder Master – im Unternehmen bewährt; nur dann sind die Aufstiegschancen günstig. Am Anfang ihrer Karriere verdienen 80 Prozent der Fachhochschul-Bachelors genauso viel wie die FH-Diplom-Kollegen. Nur jedes fünfte Unternehmen bezahlt die Bachelors schlechter. Auch die Master-Absolventen der Fachhochschulen beziehen in den meisten Fällen das gleiche Gehalt wie die Inhaber der FH-Diplome. Ein Großteil der Unternehmen differenziert folglich beim Einstiegsgehalt der Fachhochschulabgänger nicht zwischen Diplom, Master und Bachelor. Wer seinen Bachelor dagegen an einer Universität erworben hat, muss zu Beginn mit weniger Geld auskommen als ein Uni-Master oder Diplom-Ingenieur. Nur in knapp der Hälfte der Unternehmen erhält ein Uni-Bachelor das gleiche Einstiegsgehalt wie ein Diplom-Absolvent. In der Regel betrachten Personaler eher Master und Diplom als ebenbürtig und zahlen dementsprechend beiden oft das gleiche Gehalt. Nach drei bis fünf Jahren Berufserfahrung sieht es schon anders aus: Die Uni-Bachelors haben aufgeholt – in gut 81 Prozent der Unternehmen bekommen sie das gleiche Gehalt wie die DiplomIngenieure. Und in rund 10 Prozent der Unternehmen verdienen FH-Bachelors sogar besser als die FH-Diplomierten. Diese Ergebnisse der IW-Umfrage werden von einer VDI-Auswertung noch gestützt. Dafür wurden die Gehälter von rund 5.600 Berufsanfängern mit Ingenieurabschluss sowie rund 25.000 berufserfahrenen Ingenieuren betrachtet: Im Jahr 2008 lagen die Einstiegsgehälter von Diplom-Ingenieuren lediglich 8 Prozent über denen der Bachelor-Ingenieure. Bei berufserfahrenen Fachkräften schrumpfte die Lücke auf 6 Prozent. So unterschiedlich die Karrierekonzepte auch sind, die Unternehmen honorieren in erster Linie die berufliche Leistung – und nicht das bloße Hochschulzertifikat. Die anhaltende Kritik an den neuen Abschlüssen sollte die Bachelors nicht irritieren: Vor einigen Jahren mussten sich die Absolventen der neu eingerichteten Berufsakademien mit ähnlichen Problemen auseinandersetzen – heute behaupten sie sich erfolgreich am Arbeitsmarkt. Die Betriebswirte baden-württembergischer Berufsakademien beispielsweise haben fünf Jahre nach Studienende ebenso häufig Führungspositionen erreicht wie ihre Mitstreiter von den Universitäten und Fachhochschulen. Vgl. Christiane Konegen-Grenier, Oliver Koppel: Akzeptanz und Karrierechancen von Ingenieuren mit Bachelor- oder Masterabschluss, in: IW-Trends 4/2009 (Text und Grafiken aus: iwd Nr. 51/52 vom 17. Dezember 2009 – © IW Köln) |
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