Donnerstag, 2. Juli 2009

Südwestmetall weist Vorstoß der IG Metall zurück

Dr. Roell: „Verkürzungen der Arbeitszeit wird es mit uns nicht geben“

STUTTGART/ULM – Die baden-württembergischen Metallarbeitgeber haben mit „großem Unverständnis“ auf die Forderung der IG Metall Baden-Württemberg reagiert, die 35-Stunden-Woche neu zu diskutieren. „Verkürzungen der Wochenarbeitszeit wird es mit uns nicht geben“, sagte der Vorsitzende von Südwestmetall, Dr. Jan Stefan Roell, am Donnerstag in Ulm.

Ohnehin arbeiteten die deutschen Arbeitnehmer mit einer tariflichen Arbeitszeit von 1651 Stunden im Jahr (Stand: 2007) weniger als die meisten ihrer Kollegen in den Wettbewerbsländern. Roell betonte, dass die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg nicht wegen, sondern trotz der Arbeitszeitverkürzung viele tausend neue Mitarbeiter eingestellt hätten.

Roell erinnerte daran, dass die Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich gekürzt worden sei und daher die Lohnstückkosten erhöht habe. „Nur mit einer Flexibilisierung der Arbeitszeit konnten die schlimmsten Folgen der Arbeitszeitverkürzung mit Entgeltausgleich abgefedert werden“, betonte Roell. Nach wie vor stelle sich indes die Frage, ob die M+E-Industrie und ihre Beschäftigten ohne eine verkürzte Wochenarbeitszeit nicht generell besser gefahren wären.

Die Forderung der IG Metall, auch die Lebensarbeitszeit neu zu diskutieren, gehe „an den Realitäten des demografischen Wandels vollkommen vorbei“, sagte Roell. Zur Rente mit 67 gäbe es keine Alternative: „Nur ein fleißiges Volk gewinnt den Wettbewerb.“ Vorschläge zur Verkürzung der Lebensarbeitszeit seien daher „weltfremd“. „Eine schrumpfende Gesellschaft, die ihren Lebensstandard halten will, muss mehr und nicht weniger arbeiten“, sagte Roell. Diese Einsicht liege im Übrigen auch dem neuen Tarifvertrag zum flexiblen Übergang in die Rente zugrunde, den Arbeitgeber und Gewerkschaft erst im September vergangenen Jahres unterzeichnet hätten. Daher verwundere ihn dieser Vorstoß der Gewerkschaft zum jetzigen Zeitpunkt zusätzlich.
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