Montag, 11. Januar 2010

Konjunkturumfrage der Südwestmetall-Bezirksgruppe Rems-Murr

Vorsitzender Davids: Für Euphorie ist es zu früh

WAIBLINGEN – Die Metall- und Elektroindustrie (M+E) im Rems-Murr-Kreis startet mit äußerst gemischten Gefühlen ins neue Jahr. Zwar gingen 42 Prozent der Betriebe für 2010 von einer besseren Geschäftsentwicklung aus als im Vorjahr. „Aber 58 Prozent der Unternehmer sind skeptisch und rechnen allenfalls mit einer gleichbleibenden oder aber schlechteren Entwicklung“, sagte der Vorsitzende der Südwestmetall-Bezirksgruppe Rems-Murr, Manfred Davids, am Montag bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturumfrage in Waiblingen.

„Das zeigt die große Unsicherheit in unserer Branche. Sicher ist nur, dass 2010 nicht leichter wird als 2009.“

Die große Mehrheit (90 Prozent) der befragten Betriebe bezeichne ihren derzeitigen Auftragsbestand lediglich als befriedigend oder gar als schlecht. Vor allem die Maschinenbauer in der Region litten noch stark unter den Folgen der Wirtschaftskrise: In dieser Branche beurteilten zwei Drittel der Betriebe ihre Auftragslage als schlecht. Die Maschinenbauer, erläuterte Davids, hatten noch zahlreiche Aufträge aus der Boomphase abzuarbeiten und seien später als Automobilbauer und Zulieferer von der Krise erreicht worden.

In der Summe deuteten die Umfrageergebnisse darauf hin, dass die M+E-Industrie weitestgehend die Talsohle durchschritten habe; der Weg zurück werde jedoch „lang und steinig“. So sei im Oktober 2009 die Zahl der Aufträge in der deutschen M+E-Branche erstmals seit einem halben Jahr wieder zurückgegangen. „Mancher, der aufgrund des zarten Aufschwungs der Vormonate euphorisch wurde, muss wieder realistischer werden“, sagte Davids. Außerdem habe die baden-württembergische M+E-Industrie noch mehr als 30 Prozent aufzuholen, um die Auftragslage der Vor-Krisen-Zeit wieder zu erreichen. „Dieses Ziel“, so der Vorsitzende, „ist noch in weiter Ferne.“

Gemessen an den massiven Umsatzeinbrüchen um ein Drittel sei die Zahl der Beschäftigten im vergangenen Jahr vergleichsweise moderat gesunken (minus 5,9 Prozent in der baden-württembergischen M+E-Industrie von November 2008 bis November 2009). Im Rems-Murr-Kreis sei bei der Hälfte der M+E-Betriebe die Beschäftigtenzahl in den vergangenen sechs Monaten zurückgegangen, bei 47 Prozent sei sie stabil geblieben oder gestiegen. „Vor allem die Kurzarbeit hat dazu beigetragen, dass die Unternehmen ihre Stammbelegschaften weitgehend halten konnten“, sagte Davids. „Das ist eine fantastische Leistung der Betriebe und zeigt großes Verantwortungsbewusstsein.“

In diesem Jahr rechneten 47 Prozent der Unternehmen mit einer gleichbleibenden Mitarbeiterzahl, 11 Prozent mit mehr und 32 Prozent mit weniger Beschäftigten. Auch wenn die Sicherung der Arbeitsplätze nach wie vor hohe Priorität genieße, könnten Personalanpassungen als Reaktion auf die Krise in einzelnen Betrieben nicht ausgeschlossen werden. „Wenn es nicht mehr anders geht“, so Davids, „muss ein Unternehmen seine Strukturen an die Situation anpassen können.“

Dies sei umso wichtiger, da nahezu 60 Prozent der M+E-Betriebe in der Region ihre Ertragslage als schlecht bezeichneten. Dies sei auf das schwierige konjunkturelle Umfeld und die Kosten für die Beschäftigungssicherung zurückzuführen. Die enormen Investitionen in die Sicherung der Arbeitsplätze hätten die Erträge stark belastet und oftmals auch Eigenkapital verzehrt, so Davids. Bundesweit rechneten die M+E-Unternehmen für 2009 mit einer negativen Rendite von durchschnittlich minus 0,2 Prozent. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg würde die deutsche M+E-Industrie damit ein Jahr mit einem Verlust abschließen. „In dieser nach wie vor äußerst angespannten Situation muss es 2010 vor allem darum gehen, die Betriebe zu stärken und ihre Zukunftsfähigkeit zu gewährleisten“, betonte Davids. Nur dann könne ihnen der Weg aus der Krise gelingen.

Info: Die Bezirksgruppe Rems-Murr ist eine von 13 Bezirksgruppen von Südwestmetall in Baden-Württemberg und betreut rund 60 Unternehmen mit 16.000 Beschäftigten.

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Foliensatz zur Pressekonferenz (PDF)
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