Industrie 4.0: Jobkiller oder Chance?

Internet of Things, Cyber-Physical Systems, Big Data oder Augmented Reality: Industrie 4.0 vereint all diese Technologien und ermöglicht deren Interaktion und Vernetzung. Neben vielen Chancen bescheren neue Technologien auch Veränderungen. Und dies in nahezu allen Bereichen. Vor unserer Arbeit und den dafür nötigen persönlichen Fähig- und Fertigkeiten wird die vierte industrielle Revolution ebenso wenig Halt machen, wie die voran gegangenen Revolutionsstufen.

Immer wieder geistern Schreckensszenarien durch die Medien, in denen von der fortschreitenden Substituierung menschlicher Arbeitskraft durch künstliche Intelligenz gewarnt wird. Ein Phänomen unserer Zeit?

Mit Nichten! Bereits in den 70er Jahren titelte u.a. Der Spiegel: „Die Computer-Revolution: Fortschritt macht arbeitslos“ und warnte damit vor der befürchteten tausendfachen Arbeitslosigkeit durch die Einführung der Personal Computer.

Heute, rund 40 Jahre später wissen wir, dass sich diese Schreckensszenarien nicht bewahrheitet haben. Stattdessen sprechen wir von Vollbeschäftigung und einem immer größer werdenden Fachkräftemangel – gerade im damals so gefürchteten IT-Sektor. Allein die Angst vor dem Phantom der Massenarbeitslosigkeit durch technischen Fortschritt scheint geblieben.

In unserer Serie #GesternoderHeute-Quiz vergleichen wir Medienzitate aus Zeiten der dritten und vierten industriellen Revolution: Gelingt es Ihnen, alle Zitate ihrer jeweiligen Zeit zuzuordnen?

 

Als Arbeitgebervertreter sind wir an einer ernsthaften und rationalen Debatte interessiert. Denn auch uns ist bewusst: Der digitale Wandel wirkt disruptiv: auf Arbeitsplätze, auf Qualifikationen, auf Aus- und Weiterbildung, auf das Arbeitsrecht, die Tarifpolitik und auch auf den Arbeitsmarkt.

Gerade Letzteres sehen Experten aber durchaus differenziert: Skeptiker drohen einen Verlust von fünf Millionen Arbeitsplätzen bis 2020 an und sehen dies durch diverse Studien belegt. Chancenjäger halten dagegen und argumentieren mit den Erfahrungen aus den vorangegangenen Stufen der industriellen Revolution. Denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass der technologische Fortschritt, z.B. der Einzug von NC-Maschinen, zwar in einigen Bereichen zum Jobabbau geführt hat. Zeitgleich entstanden jedoch neue Arbeitsplätze und veränderte Qualifikationsprofile. 1982 kam das IAB im Rahmen eines Gutachtens zum Ergebnis, dass sich die Beschäftigungswirkungen durch den Einsatz von NC-Maschinen eher verändert hatten: quantitative Effekte gab es kaum, stärker ausgeprägt waren die Effekte bei den Beschäftigten im qualitativen Bereich.

Und so erging es Deutschland in allen industriellen Phasen: Es kam zu Verschiebungen bei der Arbeitskräftenachfrage und neue Anforderungen an Qualifikation wurden notwendig. Und dennoch hat Deutschland die bisherigen Stufen der Revolution erfolgreich gemeistert. Heute verzeichnet der deutsche Arbeitsmarkt Höchstwerte bei Beschäftigung, das Qualifikationsniveau hierzulande ist sehr hoch. Und die Nachbarstaaten beneiden Deutschland um die aktuelle Lage.

Im Zeitalter von Industrie 4.0 wird es darauf ankommen, die Prozesse und Prozessketten zu gestalten und neue Geschäftsmodelle richtig zu bewerten und erfolgreich zu realisieren. Die technische Machbarkeit alleine entscheidet nicht darüber, ob diese auch tatsächlich angewendet wird. Drohungen und Schreckensszenarien, werden Deutschland nicht an die Spitze führen können.

Vielmehr gilt es, die Chancen zu ergreifen und diese zu nutzen. Denn vom digitalen Zeitalter können Beschäftigte und Arbeitgeber gleichermaßen profitieren, z.B. durch flexibles Arbeiten oder besseren Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Südwestmetall
Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e. V.

Löffelstraße 22–24
70597 Stuttgart
Postfach 70 05 01
70574 Stuttgart
Tel. +49 (0)711 7682-0
Fax +49 (0)711 7651675
E-Mail: info(at)suedwestmetall.de

URL: https://www.suedwestmetall.local/SWM/web.nsf/id/pa_industrielle_revolution.html
Datum: 23.5.2019

VOILA_REP_ID=C1257761:004A5185