Transformation in der Metall- und Elektrobranche: Was kommt, was bleibt, was geht?

Die Auswirkungen des technologischen Wandels auf die Metall- und Elektroindustrie (M+E) sind enorm. Für viele Unternehmen stellt er eine große Herausforderung dar, denn: Der Wettbewerbsdruck wächst – stetig!

Für die M+E-Branche gilt: Viele Unternehmen gestalten die Transformation bereits heute aktiv mit. Wie? Das zeigen unsere Best Practices. Doch zuerst gehen wir darauf ein, welche Herausforderungen damit verbunden sind und was die Unternehmen für die Transformation benötigen.

Transformation = Investition

Die Grundlage, um das eigene Unternehmen zu transformieren, sind Investitionen. Investitionen setzen ausreichend finanzielle Rücklagen voraus. Die Unternehmen müssen in Forschung und Entwicklung, neue Geschäftsmodelle, neue Technologien oder in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren.

Und das gleich doppelt. Das heißt: Sie müssen sowohl in das bestehende Business als auch in neue Geschäftsmodelle investieren. Bisher haben die M+E-Unternehmen in Baden-Württemberg jährlich rund 18 Milliarden Euro – nur in Forschung und Entwicklung – investiert. Das war möglich, da die Metall- und Elektroindustrie auf zehn erfolgreiche Jahre blicken konnte. Die aktuelle wirtschaftliche Lage ist jedoch deutlich beschwerter.

Und dennoch plant die Wirtschaft zukünftig beachtliche Summen in Innovationen, wie das autonome Fahren oder die Elektromobilität, zu investieren: 

Transformation = Neue Partner und Wettbewerber

Transformation ist kein individuelles Business. Im Gegenteil: Unternehmen suchen sich in Zeiten der Transformation neue Partner. Das ist unabdingbar, denn sie brauchen zusätzliches, neues Wissen, das sie so schnell intern nicht aufgebaut bekommen. Gemeinsam mit anderen Partnern, wie zum Beispiel Start-Ups, brechen sie die bisherige „einstudierte Denke“ auf und es entstehen neue innovative Geschäftsmodelle. Beeindruckend dabei ist, dass diese neuen Partner auch Unternehmen sein können, die bisher als Konkurrenz galten. Ganz nach dem Motto: „Gemeinsam sind wir stark.“

Transformation: Best Practices der M+E-Unternehmen

Der VW-Chef Herbert Diess sieht die Autozuliefererindustrie massiv im Umbruch: In Zukunft würden nicht mehr Bosch und Co. die größten Zulieferer sein, sondern Unternehmen wie Microsoft oder Sony. Denn diese verfügten über eine höhere Softwarekompetenz.

Bosch: Software ist Zukunft

Dieser neuen Konkurrenz begegnet Bosch umfassend, denn das Unternehmen hat schon heute eine signifikante Software-Expertise! Bereits vor 15 Jahren hat der Automobilzulieferer erkannt, dass er sich der technologischen und digitalen Transformation stellen muss. Wie das Unternehmen sicher in die Zukunft steuert, erklärt der Bosch-Vorstand und Forschungschef Michael Bolle ausführlich im Podcast:

Stihl: Vollgas bei Akku

Wegweisend seit über 90 Jahren ist auch Stihl. Der Motorsägen- und Gerätehersteller macht eines von Beginn an richtig: Er orientiert sich stets an den Bedürfnissen der Kunden. Mittlerweile ist Stihl auch Spezialist für Akku-Produkte. Doch das war nicht immer so: Die Expertise lag viele Jahre in der Produktion von Profi-Benzin-Geräten. Die starke Position auf dem Markt ließ sich nicht automatisch auf das Akku-Geschäft übertragen – dafür hat Stihl hart gearbeitet. Und sich gegen andere und neue Wettbewerber bewiesen. Darüber hinaus denkt Stihl den Service neu: Mit STIHL Direct schöpft das Unternehmen zukünftig das gesamte Marktpotenzial aus und bietet seinen Kunden einen Internetvertrieb unter Beteiligung des Fachhandels an.

Zeiss: mehr Realität mit Smart Glasses

Ein weiteres Beispiel liefert Zeiss. Gemeinsam mit der Telekom entwickelt Zeiss Datenbrillen für die Bereiche Optik und Konnektivität. Das mittelfristige Ziel: notwendige Bausteine für die Zukunftstechnologie – die Datenbrille – marktreif machen. Um die Bedürfnisse der Kunden zu verstehen, haben sich Zeiss und Telekom mit mehr als 40 Partnern aus Industrie, Handel und Wissenschaft zusammengetan. Eine Datenbrille kommt immer dann zum Einsatz, wenn ein Mitarbeiter die Hände für seine Arbeit benötigt, zeitgleich aber auf Bilder, Daten oder Informationen zugreifen muss – ein klassisches Beispiel ist dafür: die Logistik!

Heidelberger Druck: Beziehungen sind Trumpf

Auch das Unternehmen Heidelberger Druck hat sich in den letzten Jahren gewandelt: Es hat sich von einem Hersteller für Druckmaschinen zu einem Dienstleistungsunternehmen für die Druckbranche entwickelt. Die Verantwortlichen haben erkannt, dass die Transformation den Fokus von einem einmaligen Geschäft zu einem Beziehungsmanagement verlagert. Dieser Wandel ging mit der Veränderung interner Prozesse einher: Die Angestellten verfügen über weitaus mehr Freiraum als vorher, können Ideen stärker einbringen. Teams wurden neu zusammengesetzt und es gibt keine festen Arbeitsplätze mehr. Das Ergebnis: ein funktionierendes Geschäftsmodell und eigenverantwortliche, motivierte Mitarbeiter.

Zeppelin: mieten statt kaufen

Zu guter Letzt: Zeppelin. Das Traditionsunternehmen handelt mit neuen und gebrauchten Baumaschinen und hat mit Online-Riesen wie Sharemac neue Konkurrenten. Deshalb ist Zeppelin in die industrielle Sharing Economy eingestiegen und hat eine eigene Plattform namens "klickrent" geschaffen, auf der die Maschinen geliehen werden können. Und davon besitzt Zeppelin keine einzige selbst. Außerdem bemerkenswert: Die Plattform ist auch für Wettbewerber offen. Aus einem risikoreichen Besitzgeschäft hat Zeppelin ein Service- und Dienstleistungsnagebot geschaffen und sich so konkurrenzfähig aufgestellt.

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Fazit

Die Unternehmen der M+E-Industrie müssen transformieren. Aber das muss ihnen auch möglich sein – finanziell und strukturell. Transformation bedeutet nämlich Investition. Für die Metall- und Elektroindustrie sogar in zweierlei Hinsicht: Denn sie muss alte Geschäftsfelder am Laufen halten und zusätzlich in neue Geschäftsmodelle, in Forschung und Entwicklung sowie in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren. Meistern lässt sich diese Herausforderung, wenn ALLE an einem Strang ziehen – der Gesetzgeber ebenso wie die Belegschaft und die Wirtschaft.

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