#ShowMEyourdesk mit Bernd Klingel

Bernd Klingel führt seit 2013 den Automatisierungsspezialisten Lanco Integrated in Winterbach.

Bernd Klingel ist 48 Jahre alt und Geschäftsführer der Firma Lanco Integrated. Das Unternehmen im schwäbischen Winterbach stellt Sondermaschinen im Bereich der Montageautomatisierung her. Diese Hochgeschwindigkeit­smontageautomaten produzieren zwischen 20 und 300 Teilen pro Minute und werden hauptsächlich in der Kunststoffverarbeitung eingesetzt.

Klingel übernahm 2013 die Geschäftsleitung des Unternehmens, welches damals noch unter dem Namen OKU firmierte und gerade ein Insolvenzverfahren durchlaufen hatte. Seine erste große Aufgabe war die Integration des Betriebes in die Strukturen der amerikanischen Lanco Unternehmensgruppe, welche OKU gekauft hatte.

1. Mit welchen zwei Sätzen würde man Sie bei Anne Will vorstellen?

Bernd Klingel ist ein schwäbischer Unternehmer, der nach seinem Informatikstudium in vielen Branchen zu Hause war, dabei immer dem Mittelstand treu geblieben ist und heute den Sondermaschinenhersteller Lanco Integrated führt.

2. Welche morgendlichen Rituale haben Sie?

Mein Tag beginnt in der Regel mit einem kleinen Frühstück und einem Spaziergang mit meinem Hund.
Im Büro angekommen steht das Morningbriefing mit meinen Abteilungsleitern an. Dabei gibt es eine festgelegte Reihenfolge. Zunächst sehe ich mit meinem Fertigungsleiter auf der Montagefläche nach dem Rechten. Danach treffe ich mich mit den anderen Abteilungsleitern für jeweils 15 Minuten in meinem Büro. Wir sprechen über die Dinge, die am Vortag in den Abteilungen passiert sind und was für den aktuellen bzw. in den kommenden Tagen ansteht.

3. Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsinstrument und warum?

Ich muss in meinem Alltag sehr viel kommunizieren, sei es mit Geschäftspartnern in Hong Kong oder den Kollegen an der Ostküste der USA. Insofern ist mein Smartphone – ausgestattet mit Facetime und Skype - für mich unverzichtbar. Darüber hinaus bündelt es für mich alle wichtigen Informationen und ich nutze es, um Musik zu hören. Es ist also ohne Frage mein wichtigstes Arbeitsinstrument.

4. Auf welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?

Das ist eine sehr schwierige Frage, weil ich mit der Gesamtheit aller meiner Entscheidungen sehr zufrieden bin. Ich bin stolz darauf, wo ich hingekommen bin.
Ich bin stolz auf meine Familie und freue mich über meine Entscheidung, zu Lanco Integrated gekommen zu sein.

Ich habe die Firma damals nach einer dreijährigen Insolvenz übernommen und war gezwungen mit der Mannschaft vor Ort Grundlegendes zu verändern. Wir mussten viele Dinge optimieren und das Unternehmen in eine größere Unternehmensgruppe integrieren. Solche Herausforderungen entsprechen meinem Naturell und machen mir sehr viel Spaß, weil ich mich selbst gerne fordere und jeden Tag verbessern will. Das ist manchmal anstrengend, aber wenn man am Ende des Tages sieht, dass man mit seiner Arbeit etwas bewegt, dann ist das das beste Gefühl, das einem der Job geben kann.

5. Was würde der Welt fehlen, gäbe es Lanco Integrated nicht?

Wir stellen Maschinen für die Montageautomatisierung her, welche in vielen Bereichen wie der Medizintechnik, der  Automobil- oder Consumerindustrie zur Herstellung alltäglicher Produkte verwendet werden. Ein Beispiel sind Playmobilfiguren, die es ohne unsere Maschinen nicht gäbe. Auch Kleben wäre nicht mehr problemlos möglich, denn unsere Maschinen stellen unter anderem Prittstifte her. Die Liste lässt sich schier endlos fortsetzen und unterm Strich wäre die Welt ohne unsere Maschinen wohl ein bisschen langweiliger.

6. Welche sind die Top 2 Bedrohungen Ihres Geschäftsmodells und warum?

Bedingt durch die Insolvenz des Unternehmens und den damit verbundenen Sanierungsmaßnahmen mussten wir uns damals von vielen jüngeren Arbeitnehmern trennen. Daher haben wir heute einen relativ hohen Altersdurchschnitt in unserer Belegschaft. Problematisch ist das deshalb, weil wir viele unserer Mitarbeiter in absehbarer Zeit durch die Rente oder Altersteilzeit verlieren werden. Auf den damit verbundenen Verlust von Arbeitskraft und Wissen müssen wir uns vorbereiten und wiedereine gesunde Altersstruktur im Personalbereich herstellen.

Hinsichtlich unserer Produkte glaube ich darüber hinaus, dass es immer einen Bedarf an Montageautomatisierung geben wird.
Allerdings müssen wir im Zusammenhang mit Industrie 4.0 unsere Hausaufgaben machen. Die zunehmende Vernetzung der Industrie verlangt es, dass wir unsere Produkte konsequent optimieren und mit neuen Schnittstellen ausstatten. Die Preise und Zeitrahmen sollen dabei natürlich auch stimmen.

Gelingt uns dies,  verfügen wir mit unseren Produkten und den etablierten Marktzugängen in Asien, NAFTA und Europa über beste Voraussetzungen, auch weiterhin erfolgreich zu sein.

7. Wer ist Ihr unternehmerisches Vorbild und was haben Sie von ihm gelernt?

Ich habe privat einen Unternehmer kennen gelernt, der mir sehr imponiert hat. Mit ruhiger Hand, sehr bodenständig und bescheiden hat er mehrere Unternehmen erfolgreich aufgebaut und geführt. Mich beeindruckt es sehr, wenn Menschen ihren Erfolg nicht an die große Glocke hängen und solche Personen nehme ich mir gerne zum Vorbild.

8. Haben Sie ein Lieblingszitat?

Ein klassisches Lieblingszitat habe ich nicht. Jedoch habe ich vor einigen Tagen ein Zitat von Einstein gelesen, welches ganz gut zu uns als Unternehmen im Umbau passt: „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

9. Was schätzen Sie am Standort Baden-Württemberg?

Ich finde es fantastisch, wie viele Unternehmen es in unserer Region gibt, die Dinge in bester Präzision und mit höchster Innovation produzieren können. Ein solches Silicon Valley des Maschinenbaus gibt es wohl kein zweites Mal auf dieser Welt.

Letztes Jahr haben beispielsweise unsere asiatischen Kollegen eine spezielle Präzisionswage für eine Maschine benötigt, die sie nirgendwo finden konnten. Sie haben mich dann informiert, ich habe mein Netzwerk genutzt und schließlich einen Lieferanten ausfindig machen können. Und wo kam er her? Natürlich aus Baden-Württemberg.

 10. Bitte vervollständigen Sie! Digitalisierung ist für mich…...

…...eine Herausforderung, die mir persönlich sehr viel Spaß bereitet. Ich bezeichne mich selbst als Early Adopter digitaler Medien. Zum Beispiel habe ich erst kürzlich die Amazon Dash Buttons zu Hause installiert und mich für Amazon Echo beworben. Ich finde es toll, was die Technik heutzutage alles ermöglicht und es ist ein großer Spaß für mich in einer Zeit zu leben, in der man diesen digitalen Wandel mitgestalten kann.

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Datum: 19.9.2019

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