#ShowMEyourdesk mit Martin Schomaker

Martin Schomaker leitet als Vorstandsvorsitzender seit 2002 das operative Geschäft der R. STAHL AG. Das Unternehmen im nord-württembergischen Waldenburg stellt explosionsgeschützte Schaltprodukte und -systeme her. Typische Kunden sind die Chemie- und Pharmaindustrie aber auch Öl- und Gasraffinerien.

1.    Mit welchen zwei Sätzen würde man Sie bei Anne Will vorstellen?

Martin Schomaker führt die R. STAHL AG seit 15 Jahren. Er beschreibt sich selbst als einen angestellten Manager, der denkt und handelt wie ein Unternehmer.

2.    Welche morgendlichen Rituale haben Sie?

Mein Tag beginnt auf dem Hometrainer. In meinem Keller stehen ein Fahrradergometer und ein Crosstrainer, auf denen ich jeden Morgen rund 30 Minuten trainiere. Nebenbei hole ich mir die ersten Informationen des Tages aus dem Fernsehen.

3.    Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsinstrument und warum?

Ich glaube, dass ich Menschen ganz gut motivieren kann, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Ich rede mit meinen Mitarbeitern auf Augenhöhe und arbeite im Dialog und einer offenen Diskussion die wesentlichen Punkte heraus. Gelingt es mir, diese Ergebnisse für Alle nachvollziehbar zu transportieren, habe ich gute Chancen, meine Mitarbeiter in der Breite zu gewinnen. Daher sehe ich das motivierende Gespräch als mein wichtigstes Arbeitsinstrument.

4.    Auf welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?

Da gibt es zwei Entscheidungen:

Zum einen unser Einstieg in das Systemgeschäft für elektrischen Explosionsschutz. Ich hatte erkannt, dass dieser Markt ein hohes Wachstumspotenzial besitzt. Unsere Kunden reduzierten zum damaligen Zeitpunkt das für die Planung und Betreuung solcher Elemente notwendige interne Fachwissen immer stärker, was für uns eine große Chance bedeutete. Heute sind wir Weltmarktführer im Lösungsgeschäft für elektrischen Explosionsschutz. Erfolge wie solche sind es, die mich bei meinem unternehmerischen Handeln ganz besonders motivieren.

Zweitens bin ich stolz darauf, dass ich während der Zeit der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 keinen einzigen Mitarbeiter entlassen habe, sondern meine Mannschaft zum gemeinsamen Kampf gegen die weltwirtschaftliche Schieflage motivieren konnte. Die Mitarbeiter reagierten darauf sehr positiv, der Kapitalmarkt leider nicht - unser Aktienkurs ist mit dem Markt um 50 Prozent abgestürzt. Es im Management eben oft so, dass ein Personalabbau die einfachere Option ist. Die Suche nach den vielen kleinen Stellschrauben,  über die man in der Summe vielleicht ähnliche Kosteneffekte erwirken könnte, ist dagegen ein steiniger, harter Weg.

Aber wir hatten hierfür die volle Rückendeckung unserer Gründerfamilie und einen enormen Zusammenhalt in der Belegschaft. Im Endeffekt haben wir in diesen zwei Jahren sogar Geld verdient und konnten sofort wieder Gas geben, als sich ein Ende der Krise abzeichnete – diesen Vorteil hatten Wettbewerber, die Mitarbeiter und Kompetenz abgebaut hatten, nicht.

5.    Was würde der Welt fehlen, gäbe es die R Stahl AG nicht?

Die Welt wäre weniger sicher. Ohne absolut zuverlässigen Explosionsschutz kann man Chemie- oder Pharmaanlagen nicht sicher betreiben. Unsere Produkte minimieren die Gefahr, dass Zündfunken an elektrischen Schnittstellen in Berührung mit brennbaren Gasen oder Stäuben geraten. Ist dies nicht vermeidbar und kommt es doch mal zum Kontakt zwischen Funken und zündfähiger Atmosphäre, halten unsere Geräte die Explosion im Schaltgehäuse sicher fest und verhindern so den massiven Schaden, der durch eine offene Explosion entstehen würde. In diesem Bereich gelten wir als Qualitätsführer.

Unser Wissen behalten wir aber nicht für uns. Wir tragen unsere Erfahrungen in alle wichtigen Normengremien und tragen so dazu bei, dass der Anspruch an Qualität in diesem sehr sensiblen Bereich erhalten bleibt und die Normen nicht aufgeweicht werden.

6.    Welche sind die Top 2 Bedrohungen Ihres Geschäftsmodells und warum?

Preissensitivität unserer Kunden ist ein permanentes Risiko. Vor allem im asiatischen Raum gibt es Anbieter, die ihre Produkte deutlich günstiger anbieten, doch geht dies in aller Regel auch mit deutlich verminderter Qualität einher. Würden unsere Kunden diesen Qualitätsverlust zu Gunsten der geringeren Kosten akzeptieren, wäre das ein Problem für uns. Hier kommt uns entgegen, dass unsere Produkte und Lösungen nur einen vergleichsweise kleinen Anteil an den gesamten Projektkosten z. B. für den Bau einer neuen Chemieanlage ausmachen. Eine geringe Produktqualität beim Explosionsschutz kann aber zu gewaltigen Schäden führen.

Dem Nachteil einer kleinen Einsparung steht also das potenzielle Risiko wesentlich höherer Folgekosten entgegen. Dass unsere Kunden dieses Risiko scheuen, ist mehr als verständlich.
Eine zweite Bedrohung für unser Geschäft sehe ich im weltweit zunehmenden Protektionismus. Unser Unternehmen hat eine Exportquote von 78 Prozent. Das zeigt, wie stark wir auf frei zugängliche Märkte angewiesen sind.

7.    Wer ist Ihr unternehmerisches Vorbild und was haben Sie von ihm gelernt?

Das ist mein Großvater. Unsere Familie besaß eine große Zellstofffabrik im badischen Kehl, die er vor dem Krieg leitete. Dabei hatte er zwei einfache Prinzipien: Er legte zum einen großen Wert darauf, technologisch immer auf dem aktuellsten Stand zu sein. Dementsprechend investierter er viel Geld in die Weiterentwicklung seiner Fabrik.

Zweitens wollte er seine Mitarbeiter bei seinen Entscheidungen immer mitnehmen. Er war überzeugt, dass man ein Unternehmen nur mit einer motivierten Mannschaft langfristig erfolgreich führen kann. Ein Mitarbeiter, der sich wie ein Zahnrad fühlt, weil er Zusammenhänge und das große Ganze nicht erklärt bekommt, ist auf Dauer kein motivierter Mitarbeiter. Diese zwei Prinzipien habe ich mir zu Eigen gemacht.

8.    Haben Sie ein Lieblingszitat?

Nein, ich habe kein Lieblingszitat.

9.    Was schätzen Sie als Unternehmer am Standort Baden-Württemberg?

Zum einen glaube ich, dass die Baden-Württembergische Landesregierung ein ganz gutes Verständnis für die Bedürfnisse und Anforderungen der Industrie hat. Das erleichtert Vieles. Darüber hinaus haben wir im Land Menschen, die sehr bodenständig und willensstark sind. Das macht es nicht immer einfach, sie von Ideen zu überzeugen. Aber hat man das einmal geschafft, arbeiten sie mit Nachdruck an der gemeinsamen Sache und sind dabei nur schwer aufzuhalten. Diese Nachhaltigkeit schätze ich persönlich sehr.

10.    Bitte vervollständigen Sie! Digitalisierung ist für mich…...

…...eine tägliche Herausforderung, weil ich eher ein Papiermensch bin. Für das Unternehmen ist es eine riesige Chance, weil wir in der Automatisierung tätig sind und unsere Nachfrage von der rasant fortschreitenden Digitalisierung profitiert.

Südwestmetall
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Datum: 19.9.2019

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