#ShowMEyourdesk mit Ulrich Klose

Ulrich Klose ist 52 Jahre alt, verheiratet und Vater von einem Sohn. Der „gelernte“ Diplom-Kaufmann leitet seit 2015 beim Automobilzulieferer Progress Werk Oberkirch (PWO) die Abteilung Human Resources.

1.    Mit welchen zwei Sätzen würde man Sie bei Anne Will vorstellen?

Ulrich Klose ist ein Personaler mit Leidenschaft und reichhaltigem Erfahrungsschatz. Er sucht und ergreift gerne Chancen, legt großen Wert auf eine gesunde Einstellung zum Scheitern und nimmt bewusst in Kauf, damit hin und wieder auch mal anzuecken.

2.    Welche morgendlichen Rituale haben Sie?

Mein Morgen beginnt mit dem Radio. Künstler mit besonderer Stimme, wie zum Beispiel Alicia Keys gefallen mir unheimlich und lassen mich gut in den Tag starten. Dazu gibt es ein gesundes, frisches Frühstück, wobei mich meine Frau erst von der Sinnhaftigkeit dieser Mahlzeit überzeugen musste.

3.    Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsinstrument und warum?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Management by Email nicht wirklich gut funktioniert. Der direkte Kontakt, das Gespräch, das Meeting- das bringt mich weiter. Daher hole ich die Kollegen wenn möglich an den Tisch, spreche mit ihnen und löse Probleme im Dialog. Das finde ich sehr viel effizienter als unzählige Text-Ketten und Email Ping-Pong.

4.    Auf welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?

Ich bin stolz darauf, meine Frau geheiratet zu haben – und das trotz sehr kurzer „Probezeit“ von nur einem knappen Jahr. Mittlerweile sind wir 27 Jahre verheiratet und sehr glücklich miteinander.
Beruflich war 2016 die Entscheidung für das Teil- und Nachqualifizierungsprojekt „Eine TQ besser!“ wichtig für mich.

Angesichts des demografischen Wandels und der weiter rasanten technologischen Entwicklung stehen wir alle vor der Frage, wo wir unsere morgen benötigten Fachkräfte finden sollen. Daher bin ich überzeugt, dass wir jede sich uns bietende Chance zur Qualifizierung potenzieller Fachkräfte nutzen müssen.
Hier im Haus war die Entscheidung für dieses Projekt kein Selbstläufer. Aber ich habe mich vom Gegenwind nicht bremsen lassen, sondern beharrlich mit meinem Team dafür gekämpft. Heute kann ich mit Stolz behaupten, dass sich der Kampf gelohnt hat und wir auf einem sehr guten Weg sind.

5.    Was würde der Welt fehlen, gäbe es PWO nicht?

Tiefgezogenes Metall für die Automobilindustrie können andere Wettbewerber auch herstellen. Wir decken jedoch die komplette Wertschöpfungskette von der Entwicklung, über den Werkzeugbau bis zur Serienproduktion ab. Ein schönes Beispiel sind unsere Airbagkomponenten. Unsere Produkte stellen sicher, dass sich der Airbag im Falle des Falles zuverlässig und blitzschnell öffnet und so Menschenleben retten kann.

Bei PWO sind wir zudem sehr stolz auf unsere hohe Lösungskompetenz. Wir finden auch da Lösungen, wo es kompliziert wird und andere die Segel streichen.
Das spiegeln uns auch unsere Mitarbeiter. Diese schätzen die hier gebotenen Freiheiten und nutzen diese immer wieder für neue, unkonventionelle Lösungen. Davon profitieren wir als Unternehmen aber vor allem auch unsere Kunden.

6.    Welche sind die Top 2 Bedrohungen Ihres Geschäftsmodells und warum?

Die Entgeltentwicklung hierzulande bereitet mir wirklich Sorge. Wir brauchen dringend eine bescheidenere und vor allem realitätsnähere Lohnpolitik. Sonst wird der Verlagerungsprozess von Produktionsarbeit ins Ausland irgendwann nicht mehr aufzuhalten sein.

Bei uns intern haben wir zum Beispiel erst kürzlich einen Entgelttarifvertrag abgeschlossen, bei dem die Mitarbeiter unsere Nöte nachvollziehen konnten. Daher haben sie einer um zweieinhalb Wochenstunden verlängerten Arbeitszeit ohne Entgeltausgleich zugestimmt, was ich sehr lobenswert finde. Sie waren bereit, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und unsere Argumente ernsthaft anzuhören. Im Gegenzug konnten wir dann betriebsbedingte Kündigungen am Standort Oberkirch für die nächsten Jahre ausschließen und haben Investitionszusagen gemacht. Das wünsche ich mir von der Tarifpolitik insgesamt.

Die zweite Bedrohung sehe ich im Fachkräfteengpass. Zwar investieren wir schon sehr viel in Aus- und Weiterbildung von Personal. Dennoch ist es fraglich, ob wir in fünf bis zehn Jahren noch ausreichend qualifiziertes Personal in der benötigten Anzahl finden werden.

7.    Wer ist Ihr unternehmerisches Vorbild und was haben Sie von ihm gelernt?

Das ist für mich Dave Ulrich. Er ist unter uns Personalern so etwas wie der Papst, auch wenn man heute seine Ansätze sicher weiterentwickeln muss. Sein Kernthema ist die Gestaltung von Transformationsprozessen. Seine Impulse treiben mich an, konsequent an der Optimierung und Neuausrichtung unserer HR-Strukturen zu arbeiten. Denn eines ist klar: Wir leben in einer Welt ständige  Weiterentwicklung und dabei wird entscheidend sein, dass wir unsere Mitarbeiter gut mitnehmen.

Wir alle müssen lernen, mit permanenten Veränderungen, mit Unsicherheiten umzugehen. Es wird wichtiger werden, Dinge einfach mal auszuprobieren - auch auf die Gefahr hin, dass man einmal scheitert. Ich glaube fest daran, dass auch ein Scheitern positiv sein kann, wenn man daraus die richtigen Schlüsse zieht.

8.    Haben Sie ein Lieblingszitat?

„…dass die Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist“ von Georg Wilhelm Friedrich Hegel gefällt mir.
Ich habe aber noch ein zweites Zitat, welches ich gut finde: „Probleme kann man niemals mit der Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“ von Albert Einstein. Gerade bei komplexen Problemen nehme ich dieses Zitat gerne als geistigen Spiegel.

9.    Was schätzen Sie am Standort Baden-Württemberg?

Mich begeistert die Power hier im „Ländle“: Auf der einen Seite haben wir die großen globalen Konzerne, auf der anderen Seite einen breit aufgestellten, kraftvollen Mittelstand und zahlreiche Hidden Champions. Bei aller Konkurrenz beobachte ich dabei viele fruchtbare Kooperationen. All das hat Baden-Württemberg weltweit eine enorme Reputation eingebracht.

Zudem imponiert mir die Mentalität der Baden-Württemberger: Sie arbeiten sehr hart und ehrgeizig an ihren Zielen, verstehen es aber auch die schönen Seiten des Lebens zu genießen.

10.     Bitte vervollständigen Sie! Digitalisierung ist für mich…...

...…die Chance, sich zukünftig besser auf die wesentlichen Dinge konzentrieren zu können. Gerade im Bereich der Administration werden uns digitale Technologien viel lästiges Geschäft abnehmen. Dies wird Arbeitsplätze verändern, aber vor allem auch neue Arbeitsplätze schaffen. Die Frage muss sein, wie wir den digitalen  Wandel gestalten und nicht, wie wir ihn aufhalten.

Digitale Technik schätze ich auch privat. Meine Verwandtschaft ist quer über Deutschland verteilt. Dank moderner Technologie sind wir dennoch vernetzt und teilen so ein ganz neues Familienerlebnis miteinander.

Südwestmetall
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Datum: 19.9.2019

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