#ShowMEyourdesk mit Markwart von Pentz

Was ist groß, grün-gelb lackiert, im Gelände zuhause und trägt einen Hirsch auf der Stirn? Richtig: Die Maschinen von John Deere. Egal ob Mähdrescher, Traktor oder Rasenmäher – wohl Jeder hat schon Erfahrungen mit einem unserer wohl bekanntesten Mitgliedsunternehmen gemacht. Grund genug nach Mannheim zu fahren und John Deere´s Präsident der Landmaschinendivision, Markwart von Pentz, zu treffen.

1.    Mit welchen zwei Sätzen würde man Sie bei Anne Will vorstellen?

Markwart von Pentz ist Landtechniker, der hilft, die Welternährung zu sichern.

2.    Welche morgendlichen Rituale haben Sie?

Ich versuche regelmäßig Sport zu treiben. Ich liebe es an der frischen Luft zu joggen. Je nach Wetterlage weiche ich aber auch auf den Crosstrainer oder das Laufband aus.
Darüber hinaus schätze ich es sehr, wenn ich morgens ausschlafen kann. Jedoch bin ich in der Regel drei von vier Wochen im Monat unterwegs. Daher gelingt ausschlafen zu selten, um es ein Ritual nennen zu können.

3.    Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsinstrument und warum?

Das ist mein iPad. Neben der beruflichen Kommunikation finde ich dort auch meine privaten E-Mails, Fotos, Bücher und Apps. Das ist für mich ein Stück Zuhause, das ich immer bei mir trage.

Zur Entspannung liebe ich die App "X-Plane", ein mobiler Flugsimulator. Für mich als Hobbypilot klasse, um mal eben eine virtuelle Flugstunde einzulegen.

4.    Auf welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?

Da gibt es nicht die eine Entscheidung. Ich bin aber sehr stolz auf das gute Arbeitsverhältnis, welches wir mit unserem Betriebsrat und der IG Metall haben. Solch ein Verhältnis bauen sie sich nicht mit einer einzelnen Entscheidung auf, sondern es beruht auf Vertrauen, gegenseitiger Berechenbarkeit und erfordert somit eine ganze Reihe guter Entscheidungen.
Natürlich gibt es auch bei uns Konflikte. Aber durch dieses partnerschaftliche Verhältnis auf Augenhöhe können wir auch schwierige Themen wie zum Beispiel jüngst einen Personalabbau miteinander verhandeln und konstruktiv lösen.

5.    Was würde der Welt fehlen, gäbe es John Deere nicht?

Als führender Hersteller von Landmaschinen helfen wir täglich, die Welt zu ernähren. Neben aller Begeisterung für die technische Raffinesse unserer Maschinen ist dies in meinen Augen eine sehr motivierende Mission.

6.    Welche sind die Top 2 Bedrohungen Ihres Geschäftsmodells und warum?

Eine ernste Bedrohung sehe ich im weltweit zunehmenden Protektionismus. Wir werden zum Beispiel in Brasilien durch politische Auflagen dazu gezwungen, Traktoren und Mähdrescher mit einem Eigenfertigungsanteil von 65 Prozent herzustellen. Teile, welche wir normalerweise viel preiswerter aus anderen Märkten importieren würden, müssen wir teuer vor Ort produzieren. Das erhöht unsere Aufwände, verteuert die Produkte und geht letztlich zu Lasten der Kunden.
Sorgen bereitet mir auch die Lohnentwicklung in Deutschland. Der Arbeitsmarkt hat sich nach einer langen Durststrecke gerade wieder erholt und wir steuern nun auf Vollbeschäftigung zu. Dies sollten wir aber nicht durch überproportionale Lohnerhöhungen aufs Spiel setzen. Sonst rutschen wir schnell wieder in eine Phase wie in den 70er und 80er Jahren, in der Arbeit hierzulande so teuer wurde, dass massiv Arbeitsplätze abgebaut werden mussten. Aus damaligen Fehlern sollten wir lernen und maßvoll daran arbeiten, die derzeit gute Lage langfristig zu bewahren.

7.    Wer ist Ihr unternehmerisches Vorbild und was haben Sie von ihm gelernt?

Mein Großvater hatte eine Stuhlfabrik mit rund 300 Mitarbeitern, zu denen er ein sehr persönliches Verhältnis hatte. Er interessierte sich für die Hintergründe der Menschen, engagierte sich für sie und vergab auch mal Kredite, wenn Häuser finanziert werden mussten. Dieser Umgang mit den eigenen Mitarbeitern hat mich sehr geprägt.

Natürlich kann ich in einem solch großen Unternehmen wie John Deere nicht jeden persönlich kennen. Aber ich versuche mir bewusst Zeit für meine Mitarbeiter zu nehmen und die vielen kleinen Dinge zu tun: zum Beispiel Mitarbeiter für gute Leistungen auszeichnen, Hintergründe erfragen, Reflektionen geben oder nur mal einen Plausch halten. Das ist für mich gut investierte Zeit, weil sich die Mitarbeiter wertgeschätzt fühlen und dadurch auch gerne hier arbeiten.
Aus unternehmerischer Sicht hat mich mein Großvater insbesondere durch seine Kostendisziplin geprägt. Er achtete stets darauf, dass ihm die Kosten nicht aus dem Ruder liefen und das ist auch für mich heute das A und O. Sind die Kosten nämlich erst einmal explodiert, geht es gerade in großen Unternehmen schnell um die Existenz.

8.    Haben Sie ein Lieblingszitat?

„Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, jemand zu werden.“ Dieses Zitat von Sokrates drückt ganz gut meinen Anspruch an die eigene Persönlichkeit aus. Ich bin der festen Überzeugung, dass man immer an sich arbeiten muss, egal wie weit man gekommen ist. Dazu gehört auch ein gewisser Anteil an Selbstzweifeln. Nur weil ich in einem großen Unternehmen aufgestiegen bin und heute die Verantwortung für 15 Mrd. Dollar Umsatz trage, heißt das nicht, dass immer alles richtig läuft. Das führe ich mir immer wieder bewusst vor Augen, um nicht stehen zu bleiben.

9.    Was schätzen Sie als Unternehmer am Standort Baden-Württemberg?

Die Infrastruktur ist exzellent. Viele Zulieferbetriebe sitzen nur ein bis zwei Autostunden entfernt von uns, was für das Lieferkettenmanagement ein großer Vorteil ist. Zudem ist das Bildungsniveau der Menschen hier sehr gut, sodass wir ein gutes Angebot an qualifizierten Mitarbeitern vorfinden.
Und auch der Freizeitwert hier in Mannheim ist mit der Lage zwischen Pfalz und Kurpfalz sehr hoch.

10.    Bitte vervollständigen Sie! Digitalisierung ist für mich…...

...…durch die intelligente Verknüpfung und Optimierung von Arbeitsprozessen der Einstieg in die nächste Phase der Produktivitätssteigerung. Wir beschäftigen uns derzeit sehr intensiv mit dem Wandel weg von einem reinen Landmaschinenhersteller hin zu einem Anbieter von komplexen Landwirtschaftslösungen. Wir nennen das Präzisionslandwirtschaft oder auch Farming 4.0. Es geht darum, Daten über die Nutzung unserer Maschinen systematisch zu erfassen, daraus Informationen zu gewinnen und diese für bessere Entscheidungen zu nutzen.

Dadurch entstehen natürlich neue, aber auch andersartige Jobs. Überwachungs- und Steuerfähigkeiten werden wichtiger, der Bedarf an Muskelkraft nimmt ab. Dieses gesamte „Ecosystem“ und die damit verbundenen Entwicklungen erfolgreich darzustellen, sehe ich als große und sehr positive Herausforderung für John Deere.

Zur Person:

Markwart von Pentz führt seit 2006 als Präsident die Landmaschinendivision von John Deere. Das 1837 gegründete Unternehmen gilt als größter Hersteller für Landmaschinen weltweit, hat daneben aber auch Bau-, Forst und Gartenmaschinen sowie eine eigene Finanzsparte im Portfolio. Aus einem landwirtschaftlichen Betrieb kommend studierte von Pentz Betriebswirtschaftslehre in Kombination mit Grundlagenfächern des Maschinenbaus und begann 1988 seine Karriere bei John Deere als Werkstudent. Danach durchlief er mehrere Stationen im In- und Ausland, bei denen er vorwiegend im Bereich Fabrikationsallianzen, Marketing- und Vertrieb tätig war.

Südwestmetall
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Datum: 19.9.2019

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