#ShowMEyourdesk mit Marcus A. Wassenberg

Marcus A. Wassenberg ist Vorstandsmitglied bei Rolls-Royce Power Systems und verantwortet verschiedene Bereiche: angefangen beim Personal über Finanzen bis hin zur IT. Kein Wunder, denn seine Erfahrungen sind enorm und seine Vita ist vielseitig.

Die heutige Rolls-Royce Power Systems in Friedrichshafen wurde vor mehr als 100 Jahren unter anderem von Ferdinand Graf von Zeppelin sowie von Wilhelm Maybach und dessen Sohn Karl Maybach gegründet, die damals in der Lage waren, für den Graf von Zeppelin leichte und vor allem zuverlässige Motoren für die großen Luftschiffe zu bauen. Große und mächtige Motoren sind auch heute noch das Kernprodukt des Unternehmens. Weitere Sparten sind Notstromaggregate sowie Kraftstoffeinspritzsysteme. Der Umsatz beträgt weltweit 3,2 Milliarden Euro. Er wird von über 10.000 Mitarbeitern erwirtschaftet. Eine der größten Bedrohungen, aber auch Chancen für das Unternehmen sieht Wassenberg in der digitalen Transformation. Er weiß, dass diese bei Rolls-Royce Power Systems anders gestaltet werden muss, als bei einem Startup. Warum, das verraten wir im Interview.

1. Mit welchem Satz würde man Sie bei Anne Will vorstellen?

Marcus A. Wassenberg ist ein politisch und kulturell interessierter Unternehmenslenker.

2. Welche morgendlichen Rituale haben Sie?

Absolute Pflicht für mich ist der Espresso am Morgen. Ein regelmäßiges Ritual, dreimal wöchentlich um genau zu sein, ist das Training im unternehmenseigenen Fitnessstudio. Anschließend frühstücke ich zu Hause Müsli und ziehe mich berufstauglich an. Mein Arbeitstag beginnt in der Regel um 7:30 Uhr auch das ist ein Ritual.

3. Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsinstrument und warum?

Mittlerweile ist es mein iPad, weil wir bei uns zunehmend digital arbeiten. Ich bin inzwischen sogar bereit, mich von meinem Montblanc zu trennen, denn heute kann ich auch digital schreiben. Die Tagesmappen mit den wichtigsten Unterlagen für den Tag habe ich heute digital auf SharePoint.

4. Auf welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?

Ich bin stolz auf die Einführung der Beschäftigungssicherung am Standort Friedrichshafen, die wir gemeinsam mit der Gewerkschaft erarbeitet haben. Wir wollten zum einen unseren Beschäftigten Sicherheit und Stabilität geben. Zum anderen aber auch das Unternehmen nach vorne bringen, es digitaler machen und attraktive Modelle wie mobiles und lebensphasenorientiertes Arbeiten einführen. Ich bin überzeugt, dass wir damit als Arbeitgeber noch attraktiver geworden sind.

Privat bin ich stolz auf den Entschluss, eine Familie zu gründen. Ich habe mich erst spät dafür entschieden (Anm. d. Redaktion: Wassenberg ist 50 Jahre alt und hat einen 7-jährigen Sohn). Lange Zeit konnte ich mir nur schwer vorstellen, wie sich mein Job mit einer Familie vereinbaren lassen könnte. Heute weiß ich, dass es eine Frage von zeitlicher Qualität ist und nicht von Quantität. Die Wärme und Geborgenheit möchte ich nicht missen, ebenso wenig wie die Erfahrungen, die bis in meinen Job hineinreichen: Ich bin heute viel sensibler für das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf und weiß, dass es leider nicht selbstverständlich ist.

5. Was würde der Welt fehlen, gäbe es Rolls-Royce Power Systems nicht?

Der Welt würde Antrieb für oft lebenswichtige Anwendungen wie Notstromaggregate für Krankenhäuser, Rechenzentren, Yachten, Lebensrettungsboote, Fähren, U-Boote, Landmaschinen oder Öl-Bohrer fehlen.

6. Welche sind die Top 2 Bedrohungen Ihres Geschäftsmodells und warum?

Eine Bedrohung für uns ist, dass wir im Zuge der Digitalisierung den direkten Kundenzugang verlieren. Bis dato kommen wir über unseren Service nicht nur mit dem Produzenten, sondern auch mit dem Endkunden, z.B. einem Bootsbesitzer, in Kontakt. Unsere Sorge ist, dass sich neutrale Plattformbetreiber zwischen uns und den Endkunden stellen, indem sie Daten von allen Herstellern sammeln und ein eigenes Servicegeschäft aufbauen.

Eine zweite Bedrohung sehe ich ebenfalls im Kontext der Digitalisierung: Wenn wir es nicht schaffen, unsere Mitarbeiter mitzunehmen und sie zu qualifizieren, dann werden wir von der globalen Konkurrenz abgehängt werden. Die Führungsmannschaft muss analoges Führen mit digitalem Führen verbinden können. Denn im Gegensatz zu einem Startup mit 20 Mann haben wir eine DNA, die über 100 Jahre alt ist. Für sie tragen wir die Verantwortung und müssen sie bewahren. Wir spielen nicht mit der Existenz von mehr als 10.000 Menschen! Gleichzeitig müssen wir die Mitarbeiter dafür sensibilisieren, dass wir uns verändern müssen. Das heißt unter Umständen auch, dass Denkweisen und Prozesse, die heute noch als unabdingbar gelten, morgen nicht mehr so relevant sein könnten. Diese Geschwindigkeit empfinden die Mitarbeiter als Bedrohung. Unsere Aufgabe ist es, ihnen die Chancen aufzuzeigen.

7. Wer ist Ihr unternehmerisches Vorbild und was haben Sie von ihm gelernt?

Mein Vorbild ist Alfred Herrhausen, der von der RAF ermordete Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank. Mich beeindruckt, dass er sowohl unternehmerische als auch gesellschaftliche Verantwortung übernommen hatte. Sein Werdegang hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, glaubwürdig zu bleiben. Die Themen, für die er sich ausgesprochen hatte, vertrat er auch wenn nötig auch gegen den Wind und über den Tag hinaus. Diese Eigenschaften versuche ich selbst zu leben. Soziale Verantwortung lebe ich beispielsweise, indem ich Projekte vorantreibe und initiiere, die Menschen helfen. Ein aktuelles Beispiel ist die Flüchtlingsintegration in den Arbeitsmarkt. Wir haben zehn Flüchtlingen Sprachtests angeboten und sie durch ein Berufspraktikum geführt. Zwei davon sind jetzt bei uns in der Ausbildung. Die anderen acht Flüchtlinge haben wir an befreundete Unternehmen in der Region vermittelt.

8. Haben Sie ein Lieblingszitat?

Wir müssen das, was wir denken, auch sagen. Wir müssen das, was wir sagen, auch tun. Und wir müssen das, was wir tun, dann auch sein, natürlich von Alfred Herrhausen.

9. Was schätzen Sie als Unternehmer am Standort Baden-Württemberg?

Wir haben in Friedrichshafen circa 6.000 Mitarbeiter. Ich schätze ihre hohe Ausbildung, ihre Identifikation, ihre Flexibilität und die praktische Vernunft. Mit letzterem meine ich, dass wir auch mit den Arbeitnehmervertretern diskutieren können, wie wir unsere Flexibilität sichern.

Die Kultur hierzulande ist familiär, wenngleich ich mich als Rheinländer manchmal wie ein Englishman in New York (Song des britischen Sängers Sting) fühle (lacht). Ein Erlebnis, das mir lange in Erinnerung bleiben wird, möchte ich gerne erzählen: Zu Beginn meiner Zeit bei Rolls-Royce Power Systems hatte ich circa 20 Termine im firmeneigenen Fitnessstudio ausgemacht und sie alle aus Zeitgründen verstreichen lassen. Eines Tages standen der HR-Abteilungsleiter und die Trainerin vor meinem Büro und fragten mich: Was müssen wir tun, damit Sie endlich zum Training kommen? Ich sagte, sie müssten morgens früher öffnen. Seitdem öffnet das Studio um sechs Uhr und ich bin aktiver Kunde. Das ist ein Stück Baden-Württemberg-Kultur.

10. Bitte vervollständigen Sie! Digitalisierung ist für mich...

...eine riesige Inspiration zum neuen Denken und zum anderen unternehmerischen Führen. Wichtig ist, dass man bereit ist, sich auf den Wandel einzulassen.

Zur Person:

Marcus A. Wassenberg verantwortet seit zweieinhalb Jahren die Bereiche Controlling, Finanzen, IT, Recht und Außenwirtschaftskontrolle, Personal und Facility Management, Compliance sowie den Einkauf und mittlerweile auch die Unternehmenskommunikation (siehe Vita). Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Bochum lernte er verschiedene Unternehmen und Branchen kennen: angefangen bei der Treuhand, über die Kreativbranche (PR Agentur) und Fitnessgerätehersteller bis hin zu Windkraftanlagen- und der Luftfahrtindustrie. Mit der Metall- und Elektroindustrie verbindet Wassenberg Stabilität für Gesellschaft und Wirtschaft. Seine Lebenseinstellung beschreibt er mit den Worten: Nimm Dich selbst nicht so wichtig, übe Humor! Wassenberg zieht Hardcover-Bücher sowie Tageszeitungen einem E-Book vor, weil er die Haptik und das Blättern liebt. Er joggt und schwimmt gerne, trainiert im Fitnessstudio und ist Jazzer, wenn auch inzwischen passiv (spielt noch ein bisschen Gitarre).

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Datum: 19.9.2019

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