#ShowMEyourdesk mit Mario Trunzer

Hightech für den Weltmarkt: In Ehingen fertigt Liebherr leistungsstarke Mobil- und Raupenkrane und seit der Jahrtausendwende auch Großschirme. Gelenkt wird der Standort von Mario Trunzer und drei weiteren Kollegen, der sich gerne als Fan seiner Produkte outet: „Das sind geniale technische Wunderwerke“.

1. Herr Trunzer, mit welchen zwei Sätzen würde man Sie bei Anne Will vorstellen?

Mario Trunzer ist gebürtiger Allgäuer und seit 27 Jahren bei Liebherr. Für ihn steht als Geschäftsführer vor allem eines im Vordergrund: ein funktionierendes Team. Dafür relevant sind seiner Meinung nach vor allem klare Ziele, selbstbestimmtes Arbeiten und eine Kultur der offenen Tür…

2. Welche morgendlichen Rituale haben Sie?

Unter der Woche ein schlankes Frühstück mit Obst und Kaffee hier im Büro, dazu das Handelsblatt. Anschließend werden E-Mails und Terminlisten geprüft. Am Wochenende sieht das Morgenritual dann natürlich etwas anders aus: Da hole ich die Brezeln und mache ein ausgiebiges Frühstück mit meiner Frau und wir teilen uns schön brav die Lokalzeitung.

3. Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsinstrument und warum?

Wie wahrscheinlich für viele: der Laptop oder das Tablet, plus Smartphone.

4. Auf welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?

Privat: Dass ich vor 34 Jahren die richtige Frau geheiratet habe. Beruflich: Tja, da gibt es wohl nicht die eine Entscheidung, die alle anderen in den Schatten stellt. Wenn ich aber etwas benennen soll, auf das ich stolz bin, dann wohl, dass ich vor keiner Herausforderung zurück schrecke. Ich bin in meinem Berufsleben immer wieder ins kalte Wasser geworfen worden. Ich habe mich oft umgewöhnen und neuen Aufgaben stellen müssen; neu auch in dem Sinne, dass man keine Vergleichswerte hat und wortwörtlich bei null anfangen musste.

5. Was würde der Welt fehlen, gäbe es Ihr Unternehmen nicht?

Ich kann es jetzt nicht für die Liebherr-Gruppe insgesamt sprechen, da sie mit ihren Produkten sehr breit gefächert ist, aber für den Bereich der Mobilkräne. Und ich denke: Der Welt würden geniale technische Wunderwerke fehlen, die von uns mit einem wirklich einzigartigen Service an unsere mittelständischen, treuen und nachhaltigen Kunden geliefert werden. Unser Kundenservice ist übrigens auch ein wesentlicher Teil unseres Geschäftsmodells – und, neben der Technik, sicher ein wichtiger Baustein für unsere Marktführerschaft.

6. Welche sind die Top 2 Bedrohungen Ihres Geschäftsmodells und warum?

Da wir weltweit, in rund hundert Länder, exportieren, macht mir das Thema politische Abschottung die größte Sorge. So würden uns beispielsweise daraus resultierende Handelssanktionen unmittelbar treffen. Mit allen anderen Themen können wir klar kommen. Aber bei den Stichworten politische Abschottung und Handelssanktionen wird es schwierig.

7. Wer ist Ihr unternehmerisches Vorbild und was haben Sie von ihm gelernt?

Konkrete Vorbilder habe ich eigentlich keine, wenngleich es sicher Personen gibt, an denen man gewisse Züge oder Eigenschaften bewundernswert findet. Einer, der mich ziemlich beeindruckt hat, war unser Firmengründer Hans Liebherr. Er hat 1949 nach dem Krieg das Unternehmen aufgebaut und bereits Ende der 1950er Jahre Produktionsstätten im Ausland gegründet, zum Beispiel in Südafrika und Irland, als die meisten noch nicht einmal an diese Möglichkeit gedacht haben. Und das alles ohne Telefax, E-Mail oder gar Handy. Eine gewaltige Leistung. Außerdem hat er das Unternehmen sehr pragmatisch geführt, ohne Sekretariat, ohne Assistenz und er ist selber in seinem Mercedes rumgefahren – ohne Fahrer. Diese Art hat natürlich das Unternehmen geprägt und in 27 Jahren auch mich.

8. Haben Sie ein Lieblingszitat?

Eigentlich nicht, aber es gibt eine Art Leitlinie aus der Zeit meiner Offiziersausbildung: „Weniger ist mehr“. Und das gilt heute auch noch. Statt einer Überflutung gilt es Informationen auf das Wesentliche zu verdichten. Nicht zu viele Berichte sind der Schlüssel, sondern eine Themenessenz. Wichtig ist aber auch, nicht zu viele Projekte zu starten, sondern wenige in einem überschaubaren Rahmen durchzuziehen. Diese Grundsätze gebe ich auch an meine Mitarbeiter weiter. Und so muss ich bei E-Mails nicht zu jedem Käse in cc gesetzt werden.

9. Was schätzen Sie als Unternehmer am Standort Baden-Württemberg?

Ich muss sagen, ich schätze Deutschland generell als Standort. Im internationalen Vergleich haben wir ein gutes, verlässliches Rechtssystem. Das ist bei Weitem nicht Gott gegeben, sondern dafür muss man kämpfen und ich hoffe sehr, dass das so bleibt und dass wir die deutsche Demokratie so erhalten. Das ist wichtig. Speziell in Baden-Württemberg haben wir eine leistungsfähige öffentliche Verwaltung und Mitarbeiter, die wissen, wie man schafft. Darum ist auch Herr Liebherr damals hierher gegangen.

10. Bitte vervollständigen Sie! Digitalisierung ist für mich…...

…...überhaupt nichts Besonderes oder gar Erschreckendes. Es ist im Grunde ein Schritt, der auf die Mechanisierung und die Automatisierung folgt. Da gibt es unsinnige Dinge, die sich nicht durchsetzen werden und sehr hilfreiche Dinge, die Unternehmen und ihren Kunden Vorteile bringen können. Allerdings sehe ich keine menschenleeren Fabrikhallen. Das mag in der Serienfertigung immer gleicher Teile ein Thema sein, aber das läuft auch heute schon robotisiert und viele dieser Arbeitsplätze haben sich – ganz unabhängig vom Thema Digitalisierung – bereits verlagert. Speziell bei uns im Haus ist aber auch das kein Thema, weil unsere Serien zu klein sind. Wo immer ich Kleinserien oder spezialisierte Werkstätten habe, greifen Automatisierung oder Digitalisierung keine Arbeitsplätze an. Digitalisierung ist vielmehr ein Hilfsmittel, ein Werkzeug und wir werden weiterhin Köpfe brauchen, die Produkte entwickeln oder unsere Kräne ordentlich zusammen bauen.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Wenn ein Unternehmen ein Digitalisierungskonzept fährt, ist man natürlich gut beraten, wenn man programmieren oder eine Software integrieren kann. Da aber nicht alle Menschen auf diesem hohen Niveau arbeiten, gibt es natürlich eine Diskussion über die Arbeitsplätze, die etwas einfacher sind. Da sage ich jedoch: Es gibt nicht nur die Industrie! Im Handwerk fehlen an allen Ecken und Enden Arbeitskräfte. Der Bäcker wird zum Beispiel nicht digitalisiert, auch auf dem Bau ist die Digitalisierung sehr begrenzt. Im ganzen Bereich des Gebäudemanagements ist die Digitalisierung zwar präsent, aber um Heizungen und Lüftungskonzepte einzubauen, zu unterhalten, zu warten und zu reparieren braucht es Leute. Es existieren genug Felder, die man sich aber auch anschauen muss. Das „Schreckgespenst Digitalisierung“ existiert daher in meinen Augen nicht.

Zur Person:

Nach 12 Jahren Bundeswehr wechselte Mario Trunzer 1990 zu Liebherr und wurde 2002 kaufmännischer Geschäftsführer des Ehinger Werks. Seit 2014 ist er zudem Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Südwestmetall im Bezirk Ulm. Seine beachtliche Karriere im Südwesten verdankt Trunzer unter anderem seiner Unerschrockenheit („Ich habe mich beruflich nie davor gescheut, ins kalte Wasser zu springen“), vielleicht aber auch der Tatsache, dass er gebürtiger Allgäuer ist: „Ich kann mich hier ganz gut verständigen“.

Südwestmetall
Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e. V.

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E-Mail: info(at)suedwestmetall.de

URL: https://www.suedwestmetall.local/SWM/web.nsf/id/li_arbeitgeber_liebherr_ehingen.html
Datum: 19.9.2019

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