#ShowMEyourdesk mit Sascha Menges

Geschäftsführer Sascha Menges über ein Unternehmen und seine Produkte, die er als „einfach, verlässlich und oftmals revolutionär gut“ beschreibt.

1. Mit welchen zwei Sätzen würde man Sie bei Anne Will vorstellen?

Jetzt begrüßen wir Sascha Menges, den Gardena-Chef, der die Marke im Grün-Bereich ausweiten will und den Einzug der Technologie in den Garten fördert.

2. Welche morgendlichen Rituale haben Sie?

Ich versuche zwei- bis dreimal in der Woche laufen zu gehen, da ich einmal im Jahr Marathon laufe. Das klappt allerdings auf Geschäftsreisen wesentlich besser als zu Hause, denn dann stehen die Kinder auf dem Programm. Außerdem gehört zu einem typischen Morgen eine Tasse Kaffee – naja, leider mehrere – und die Südwestpresse. Dabei lese ich am liebsten den Ulm-Teil, um zu sehen was lokal läuft.

3. Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsinstrument und warum?

Das ist das Smartphone. Es hat einfach nach und nach alles ersetzt. Ich habe kürzlich das Werbeplakat eines großen, amerikanischen Elektronikhändlers gesehen. Darauf zu sehen waren Produkte, die noch vor fünfzehn Jahren beworben wurden: ein Diktiergerät, ein Telefon, ein PC und vieles mehr. Darunter stand sinngemäß: All das kannst du heute mit deinem Smartphone machen. Das fasst es ganz gut zusammen.

4. Auf welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?

Privat: Dass ich meine Frau geheiratet habe. Beruflich bin ich sehr stolz auf unsere Unternehmensentscheidung, die Geschäftsbereiche in eine größere Eigenständigkeit zu entlassen. Dass man diese Veränderungen auf sich nahm, war mutig – und sie war rückblickend die beste, die der Gruppe und den Mitarbeitern passieren konnte. Wir können uns besser auf die wesentlichen Themen fokussieren und die Entscheidungswege sind kürzer. Die Gruppe hat nun vier Divisionen, die ihr jeweiliges Geschäftsfeld maßgeschneidert bearbeiten und schnell agieren kann.

5. Was würde der Welt fehlen, gäbe es Ihr Unternehmen nicht?

Die Freude am Garten. Das klingt werblich, aber genau so ist es. Denn ohne uns gäbe es Produkte wie den Mähroboter nicht, oder – etwas aktueller – den Rollsammler für Äpfel nicht, dank dem man sich nicht mehr bücken muss bei der Apfelernte. Gardena entwickelt Produkte, die einfach, verlässlich und oftmals revolutionär gut ihren Job erledigen.

6. Welche sind die Top 2 Bedrohungen Ihres Geschäftsmodells und warum?

Es ist natürlich unsinnig zu sagen, es gibt keine Bedrohungen. Aber die Veränderungen, die vor uns liegen oder in denen wir uns auch schon befinden, interpretiere ich nicht aus Naivität, sondern aus tiefster Überzeugung als Chancen – wenn wir unsere Karten richtig legen.

Zum einen wäre hier der Klimawandel zu nennen, eine Verantwortung, der wir uns alle stellen müssen und die speziell für Gardena bedeutet: Die Art der Bewässerung muss effizienter werden! Denn den Schlauch aufdrehen kann jeder. Den Garten intelligent bewässern, dazu braucht es Gardena. So haben wir in den letzten 20 Jahren an einer smarten Bewässerung gearbeitet, die heute nicht nur pflanzenspezifisch, sondern auch demnächst auch wetterabhängig ihr Programm abspielt.

Eine zweite große Herausforderung ist die Urbanisierung. Studien zeigen, dass 2050 rund 75 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben wird. Da drängt sich die Frage auf: Für welche Gärten produziert Gardena dann noch? Garten spielt sich aber ja nicht nur in der traditionellen Vorstellung des Gartens ab – also Zaun, Rasen, Beet –, sondern auch auf dem Balkon, der Terrasse, als Impulsgarten wie es beim „Guerilla Gardening“ heißt. Und Menschen in der Stadt haben oft ein viel größeres Bedürfnis nach Grün als diejenigen, die ständig davon umgeben sind. Gleichzeitig gibt es für kleinere Flächen neue Anforderungen an Verstaubarkeit, Ästhetik und Größe der Geräte.

7. Wer ist Ihr unternehmerisches Vorbild und was haben Sie von ihm gelernt?

Ich habe nicht das eine große Vorbild, denn man kann sich an vielen Stellen und von vielen Persönlichkeiten etwas abschauen. Aber wenn ich in Funktionen denke, dann ist ein Fußballcoach für mich ein unternehmerisches Vorbild. Einer, der nicht in jeder Einzeldisziplin selbst der Beste ist, es aber schafft ein Team mit Taktik und Begeisterungsfähigkeit zum Erfolg zu führen.

8. Haben Sie ein Lieblingszitat?

Ich weiß gar nicht von wem dieser Satz stammt, aber ich zitiere ihn gerne: Jede Revolution startet mit einem unfertigen Gedanken. Ich meine damit nicht, dass wir ständig Revolutionen auslösen müssen, aber man muss guten Ideen den Raum geben zu wachsen. Genannt wird hier natürlich gerne Apple, und in diesem Kontext vor allem Steve Jobs. Denn Smartphone und iPad wurden nicht entwickelt, weil irgendwelche Marktforschungen belegt haben, dass der Kunde sich solche Produkte wünscht. Und diese Produkte wiederum zu kombinieren mit einem App-Store und etwas wie iTunes, was heute einen Großteil der Erträge bringt, das war pure Vision gepaart mit „mal sehen wo uns das hinbringt“. Und das dies nachhaltig die Welt revolutioniert hat, steht außer Frage.

9. Was schätzen Sie als Unternehmer am Standort Baden-Württemberg?

Das zu Grunde liegende Wertegerüst, das man dem Schwabenland nachsagt: Der Fleiß, der Erfindergeist, die Passion, sich einzubringen – das ist schon toll. Es ist ja schließlich kein Zufall, dass man in jedem zweiten Ort einen Weltmarktführer findet. Die gleichen Eigenschaften spricht man übrigens auch der schwedischen Husqvarna-Heimat Småland zu. Deswegen war es eine tolle Symbiose, dass da zwei Unternehmen mit komplementären Fähigkeiten zusammen gekommen sind.

10. Bitte vervollständigen Sie! Digitalisierung ist für mich…...

...eine riesige Chance. Den kurzfristig größeren Fokus haben wir dabei auf den Kunden gesetzt. Das heißt zum einen: Online ist heute ein wichtiger Kanal, in dem wir komplexe Systeme viel besser erklären können als durch eine klassische Broschüre. Digitalisierung – und das ist für mich der wesentlich spannendere Teil – bedeutet aber auch, dass wir seit letztem Jahr mit unserem „Gardena smart system“ unseren Kunden die Möglichkeit geben, Geräte miteinander zu vernetzen. Natürlich ist es eine riesige Herausforderung für ein Unternehmen von einer Hardware- in eine Software-Welt zu wechseln. Aber die DNA von Gardena ist im Grunde die Systemwelt, weshalb wir eine spannende Basis haben, um das Thema Digitalisierung im Garten für den Endkunden wertvoll und verständlich zu gestalten.

Beim Blick nach innen hat die Digitalisierung uns von einem klassischen sequentiellen hin zu einem agilen Entwicklungsprozess gebracht. Wir können also in engeren Schleifen und sehr viel flexibler Produkte entwickeln als über bisherige starre Zwei-Jahres-Pläne. Aber auch bei der Logistik und Produktion tun wir einiges. Sei es nun der 3-D-Druck in der Entwicklung, um schneller an Prototypen zu kommen oder das Tracking unserer Logistik um nur zwei Beispiele zu nennen.

Zur Person:

Nach acht Jahren bei der Unternehmensberatung McKinsey kam Sascha Menges 2004 zu Gardena. Als er damals mit seiner Frau von Berlin nach Ulm zog, musste er sich erst einmal an die neuen Gegebenheiten gewöhnen: „Wir haben uns überlegt mitten rein, ins Fischerviertel, zu ziehen. Und um gut Parkplätze zu finden, haben wir einen Smart gekauft. Wer das Fischerviertel kennt, weiß: Das hat sich relativ schnell als unsinnige Investition heraus gestellt.“ Zwölf Jahre und zwei Kinder später kennt er seine Wahlheimat ziemlich gut, und schätzt privat als auch beruflich die hiesige Mentalität: „Der Fleiß, der Erfindergeist, die Passion, sich einzubringen – das ist schon toll.“ In der Ausbildungs- und Studienzeit beschäftigte sich Menges mit Zauberei – vor allem ehrenamtlich. Die Häschen aus dem Hut lässt er heute nur für seine Kinder hüpfen.

Südwestmetall
Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e. V.

Löffelstraße 22–24
70597 Stuttgart
Postfach 70 05 01
70574 Stuttgart
Tel. +49 (0)711 7682-0
Fax +49 (0)711 7651675
E-Mail: info(at)suedwestmetall.de

URL: https://www.suedwestmetall.local/SWM/web.nsf/id/li_arbeitgeber_gardena.html
Datum: 19.9.2019

VOILA_REP_ID=C1257761:004A5185