#ShowMEyourdesk mit Thomas Spitzenpfeil

Die Carl ZEISS AG befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs. „Und zwar auf einen ertragreichen Wachstumskurs“, präzisiert CFO Thomas Spitzenpfeil. Wie das geht? Indem man auch neue Wege geht, neue Märkte und Kunden erschließt und vor allem eines nicht vergisst: Dass der Feind eines erfolgreichen Unternehmens der Erfolg ist.

1. Mit welchen zwei Sätzen würde man Sie bei Anne Will vorstellen?

Thomas Spitzenpfeil ist ein CFO mit einem sehr breiten Funktionsspektrum.
Neben den klassischen CFO-Themen wie Buchhaltung, Finanzwesen, Treasury, Controlling sowie Revision und Compliance liegt nämlich auch noch die IT, einige Vertriebsgesellschaften (Nordeuropa, Osteuropa und Russland) sowie das ZEISS-Produktionswerk mit der Kerngesellschaft Carl ZEISS Jena GmbH in meinem Aufgabenbereich.

2. Welche morgendlichen Rituale haben Sie?

Keine besonderen: beim raschen Kaffee überfliege ich meist die FAZ und die SZ online und werfe einen Blick in die Lokalzeitung. Ich versuche immer frühzeitig los zu kommen, sodass ich möglichst gegen halb neun im Büro bin.

3. Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsinstrument und warum?

Ich hoffe, mal mein klarer Kopf – also zunächst einmal etwas Biologisches. Wichtig sind dann Laptop, Smartphone und Tablet, die es einem erlauben Informationen rasch aufzunehmen, zu verarbeiten und in Kontakt zu bleiben. Meine To-dos hingegen stehen in einem klassischen Notizbuch. Ich mag es einfach meine Aufgaben physisch in die Hand nehmen, überblicken und abhaken zu können.

4. Auf welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?

Privat gibt es vor allem drei Entscheidungen, auf die ich besonders stolz bin: meine drei Kinder! Die besten Entscheidungen überhaupt. Beruflich war es z.B. in jungen Jahren wichtig und richtig, bereits getrampelte Pfade zu verlassen und sich bewusst auf gewisses Neuland zu wagen: Mitte der 1990er wechselte ich so nach vielen Jahren vom Controlling ins Rechnungswesen. Da haben andere gesagt: Das ist ja total langweilig, was übrigens überhaupt nicht stimmt. Allerdings hat dieser Gang meinen Horizont erweitert und mich – rückblickend – erst zu allen weiteren Karriereschritten befähigt. Ein hilfreicher Schlüsselmoment sozusagen.

5. Was würde der Welt fehlen, gäbe es Ihr Unternehmen nicht?

Einiges! Ohne ZEISS gäbe es zum Beispiel die heutige Generation von Mikrochips nicht und, wer weiß, vielleicht auch keine kompakten Elektronikgeräte. Im Bereich der Miniaturisierung und Leistungssteigerung sind wir bis heute federführend, im High End-Bereich weltweit konkurrenzlos. Und so ermöglichen wir technischen Fortschritt, auf dem andere Industrien aufbauen können. Dieser Erfolg basiert auf jahrzehntelanger Erfahrung und einem Wissen, das in diesem Maße nur hier in Oberkochen zu finden ist.

Aber auch in anderen Bereichen versucht ZEISS, immer einen Schritt voraus zu sein. Nehmen Sie die Medizintechnik: Unser letztes Produkt, ein roboterisiertes Operationsmikroskop, hilft bei sehr komplizierten Operationen, etwa an Gehirn oder Rückenmark. Das gibt es sonst nirgends! Oder denken Sie an den ZEISS MultiSEM, ein Elektronenmikroskop, das nicht nur mit einem Elektronenstrahl, sondern mit vielen Elektronenstrahlen arbeitet. Dies gibt Forschern die Möglichkeit, sehr schnell viele Bildaufnahmen von z.B. Mäusegehirnen zu machen, um so vielleicht in Zukunft noch besser zu verstehen, wie das Gehirn wirklich funktioniert.

6. Welche sind die zwei größten Bedrohungen Ihres Geschäftsmodells und warum?

Ich denke es gibt immer genügend Herausforderungen, aber akut kein Thema, das ZEISS morgen grundlegend erschüttern könnte. Aber eines muss man sich immer vor Augen halten: Der Feind eines erfolgreichen Unternehmens ist der Erfolg selbst. Will sagen: Man darf sich nicht auf dem aktuellen Erfolg ausruhen, muss eine gewisse notwendige Paranoia behalten und klar vor Augen haben, dass Erfolg endlich ist. Erfolg ist im Grunde immer nur die Zahl von gestern. Also muss man immer am neuen Erfolg arbeiten und darf sich nicht darauf ausruhen.
Ein aktuelles und konkretes Thema, mit dem wir uns auseinandersetzen, ist die Digitalisierung. Etwa: Wie kann Digitalisierung die Produktionsprozesse verbessern und wie können wir Digitalisierung positiv für unsere Kunden mit unseren Lösungen wirksam machen?

Eine andere Baustelle im Kontext der Digitalisierung ist: Die Kundenansprache muss viel gezielter, viel systematischer werden. Heute weiß der Kunde durch das Internet meist schon enorm viel über uns und unsere Produkte, oftmals noch bevor er mit uns in Kontakt kommt – es müssen also auf einem ganz neuen Niveau individualisierte Informationen bereitgestellt und später Vertriebsgespräche geführt werden. Und schließlich brauchen wir für unsere Kunden neue digitale Interaktionsplattformen, da die physische Interaktion immer mehr von der digitalen ersetzt oder ergänzt wird.

7. Wer ist Ihr unternehmerisches Vorbild und was haben Sie von ihm gelernt?

Ich hatte die Möglichkeit mehrere Jahre mit einem Vorstand der damaligen VAW aluminium AG eng zusammen zu arbeiten: Dr. Karl-Heinz Dörner, mittlerweile 80 Jahre alt, hat mir gezeigt, dass ein Unternehmer auch Mut zum Risiko besitzen muss. Er hat dies sehr eindrücklich bewiesen als er Anfang der 1990er eine Milliarden-Investition vorangetrieben hat. Das war damals ein wahrlich großes finanzielles Risiko. Bis die neue Fabrik angelaufen ist, wurden zunächst erhebliche Verluste eingefahren. Heute sichert diese mutige Investition u.a. die herausragende Marktstellung des Unternehmens. Vor allem als junger Controller habe ich also bei ihm gelernt: Man kann sich viel ausrechnen, aber am Ende des Tages braucht man vor allem eines – ein Gefühl für den Markt und den Mut, diesem Gefühl zu vertrauen und die richtige Mannschaft.

8. Haben Sie ein Lieblingszitat?

Passend zur närrischen Zeit aus den kölschen Grundgesetz: Nix bliev wie et is. Aber et hätt noch emmer joot jejange. Das heißt im Kern: Man darf seinen Optimismus nicht verlieren!

9. Was schätzen Sie als Unternehmer am Standort Baden-Württemberg?

Wir haben unglaublich gut ausgebildete Menschen, die zudem einen hohen Arbeitsethos besitzen. Die Menschen haben einfach Freude am Schaffen. Und mir persönlich macht es auch Spaß, mit Menschen zu arbeiten, die, wenn etwas nicht gleich funktioniert, sagen: Wir bekommen das hin! Das ist eine große Stärke unserer Region.

10. Bitte vervollständigen Sie: Digitalisierung ist für mich…

...eine anspruchsvolle Herausforderung, die völlig neue Optionen auf den Tisch bringt und über die es nachzudenken gilt. Zumindest beruflich. Privat soll die Digitalisierung vor allem das Leben einfacher machen - ansonsten brauche ich sie nicht. Für Spielereien habe ich keine Zeit.

Zur Person:

Thomas Spitzenpfeil ist seit 2010 CFO bei der ZEISS Gruppe. Zusammen mit der Geschäftsführung gelang es ihm in den letzten zwei Jahren auch die Carl ZEISS Jena GmbH wieder auf einen profitablen Wachstumskurs zurück zu führen. In seiner knapp bemessenen freien Zeit geht er gerne auf Reisen – wegen des Lebensgefühls liegen ihm vor allem Italien und Südfrankreich am Herzen. Er beschäftigt sich gerne mit Kunst. Dabei ist er ähnlich breit aufgestellt wie im Job: Ob zeitgenössisch, Bauhaus, expressionistisch oder impressionistisch – Abwechslung macht das Leben erst interessant!

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Datum: 19.9.2019

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