#ShowMEyourdesk mit Ulrich Harm

Blanco ist mit seinen rund 1500 Mitarbeitern ein klassischer Hidden Champion aus dem Ländle. Was den Spülenspezialisten und Weltmarktführer bei Granitspülen ausmacht, verrät uns Ulrich Harm, Mitglied der Geschäftsleitung und Personaldirektor. Soviel vorab: Das Unternehmen in Familienhand lebt eine werteorientierte Unternehmenskultur und wurde als Arbeitgeber bereits mehrfach ausgezeichnet.

1. Mit welchen zwei Sätzen würde man Sie bei Anne Will vorstellen?

Begrüßen Sie mit mir Ulrich Harm, einen äußerst versierten, mittelständisch geprägten Manager mit einem klaren Wertekanon. Herr Harm ist in der Geschäftsleitung der Blanco-Gruppe zuständig für den Bereich Human Ressources.

Mein Beitrag besteht darin das Unternehmen durch eine erfolgreiche Personalarbeit wertvoller, profitabler zu machen. Denn qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, die sich im Unternehmen wohl fühlen, wollen in der Regel auch einen größeren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Personalarbeit dient also nicht zum Selbstzweck, sondern immer dazu, das Unternehmen voran zu bringen.

 

2. Welche morgendlichen Rituale haben Sie?

Das läuft jeden Morgen recht zügig ab: Um 6:20 Uhr stehe ich auf, um 7 Uhr sitze ich mit Tee und Apfel im Auto. Manchmal klappt es, dass ich meine Tochter zur Bahn fahre – das dauert zwar nur fünf Minuten, trotzdem ist es ein kleines Highlight für mich sie kurz für mich zu haben. In die einstündige Fahrt von Stuttgart hierher (Oberderdingen) lege ich gerne Telefonate, was so früh am Tag nicht von allen begeistert aufgenommen wird. Manchmal schalte ich aber auch einfach ein Hörbuch ein. Aktuell läuft, auch wenn es mir phasenweise etwas schwer fällt: Boris Palmer, zum Thema Flüchtlinge und Einwanderung. Das sind gesellschaftlich relevante Themen. Und aus Unternehmenssicht muss man diesbezüglich unterschiedliche Sichtweisen kennen.

 

3. Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsinstrument und warum?

Das Smartphone. Es begleitet mich von morgens bis abends: Vor meiner Fahrt ins Büro checke ich meine E-Mails, werfe einen Blick auf meinen Terminkalender und führe die ersten Telefonate. Am Schreibtisch arbeite ich dann meist mit dem Laptop, auf Reisen begleitet mich das iPad. Da alle Geräte miteinander synchronisiert sind, ist das problemlos möglich. Außerdem kann ich mich auch auf allen Geräten über Nachrichten und aktuelle Trends im Personalwesen informieren – die gängigen Tageszeitungen lese ich via App, zudem bin ich regelmäßig in Online-Personalgruppen und auf Xing unterwegs. Aktuell steige ich in das Thema Podcast ein – mit Unterstützung einer Kollegin, die darin schon sehr versiert ist.

 

4. Auf welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?

Auf die Entscheidung Kinder haben zu wollen, meine zwei süßen Mädels. Eine andere Entscheidung, die mich stark geprägt hat: Vom 18. Lebensjahr und parallel zum Studium war ich als Reiseleiter von Jugend- und Erwachsenengruppen unterwegs. Ich habe von jeder Reise, jeder Gruppe, jeder Gruppendynamik etwas mitgenommen – und damit auch den Grundstein für meine Freude an der Personalarbeit gelegt. Die schönste Reise war für mich die nach Australien. Wir haben so viele Highlights in die Reise gepackt, dass die 40 Teilnehmer gar nicht mehr wussten wohin mit ihrer Begeisterung. In Erinnerung habe ich aber auch eine Reise ins schweizerische Verbier. Wir hatten unser Quartier auf der Mittelstation als ein gewaltiger Sturm aufkam. Weil wir fürchteten, dass die Fenster kaputt gehen könnten, haben wir alle aus ihren Zimmern geholt und im Aufenthaltsraum ein Nachtlager eingerichtet. Eine gute Entscheidung: Kurz darauf wurde ein großer Teil der Fensterfront im oberen Stock durch einen Unterdruck nach außen gedrückt.

 

5. Was würde der Welt fehlen, gäbe es Ihre Produkte und Ihr Unternehmen nicht?

Zum einen würde ihr ein attraktiver Arbeitgeber fehlen, bei dem viele Menschen eine berufliche Heimat gefunden haben. Und das ist keine Floskel: Unsere Fluktuationsrate liegt bei etwa einem Prozent, wir sind bereits mehrmals vom Focus-Magazin als Toparbeitgeber ausgezeichnet worden und haben vom Top-Employers Institut den Titel „Top Employer“ erhalten. Auf den Focus-Award bin ich besonders stolz, da er im Grunde allein auf den guten Bewertungen und Weiterempfehlungen unserer Mitarbeiter beruht.
Bezogen auf unseree Produkte würde der Welt ein wichtiger Werkstoff mit herausragenden Gebrauchs- und Pflegeeigenschaften fehlen: Silgranit. Er wurde von uns entwickelt. Das Besondere an diesem Material ist, dass es in vielen Farben erhältlich ist, im Gegensatz zu Edelstahl absolut unempfindlich gegen Kratzer etc. ist und sich unwahrscheinlich leicht reinigen lässt.

 

6. Welche sind die zwei größten Bedrohungen Ihres Geschäftsmodells und warum?

Da wir das Marktgeschehen sehr intensiv und konsequent analysieren und ein professionelles Risikomanagement etabliert haben, sind wir prinzipiell gut aufgestellt für die Zukunft. Aber natürlich schläft die Konkurrenz nicht! Es ist ein harter Verdrängungswettbewerb im Gange, entsprechend muss man sich ständig und überall weiterentwickeln. Sei es in Form innovativer Produkte, einer optimalen Nähe zum Kunden oder der Internationalisierung des Geschäftsmodells.

 

7. Wer ist Ihr unternehmerisches Vorbild und was haben Sie von ihm gelernt?

Ein direktes Vorbild habe ich nicht. Ich habe aber immer von meinen Vorgesetzten gelernt, vor allem von meinem letzten Chef, der mir gezeigt hat, dass eine menschliche Unternehmensführung und unternehmerischer Erfolg Hand in Hand gehen können. Dabei ist es wichtig, sich in die Situation des anderen zu versetzen und sich zu fragen: Was brauchen Mitarbeiter, um motiviert zu bleiben, was braucht ein Bewerber, um in das Unternehmen zu finden, was braucht aber auch die Geschäftsführung, um erfolgreich führen zu können... Dabei geht es nicht darum immer die neuesten HR-Trends, sondern nach Augenmaß abzuschätzen, das Gesamtbild im Blick zu haben.
Dann finde ich natürlich auch bekannte Unternehmerpersönlichkeiten interessant wie Steve Jobs, Richard Branson oder Uli Hoeneß. Allerdings finde ich nicht alles gut, deswegen sind es für mich auch keine Vorbilder im klassischen Sinne. Aber was sie eint, ist die Fähigkeit „out of the box“ zu denken, nicht Mainstream zu sein, anzuecken, und damit letztendlich erfolgreich zu sein.

 

8. Haben Sie ein Lieblingszitat?

Auch hier gilt: Es gibt nicht das EINE Lieblingszitat. Ich finde die Vorliebe für ein Zitat unterliegt auch dem Zeitwandel. Aktuell kann ich diesem einiges abgewinnen: „Stolz ist die Kraft des Geistes, Demut die Kraft der Seele.“ Es beschreibt eine grundlegende Einstellung, die mir wichtig ist. Dass man nicht sich, sondern die Sache an erste Stelle setzt. Wenn man also im tiefsten Inneren jemand ist, der einer Sache, einer Gemeinschaft dienen kann.

 

9. Was schätzen Sie als Unternehmer am Standort Baden-Württemberg?

Das Unternehmertum ist quasi die DNA von Baden-Württemberg. Die Menschen sind neugierig, wollen etwas bewegen. Ihre Einstellung und ihr Fleiß machen das Ländle erfolgreich. Denken Sie nur an all den hervorragenden Mittelstand. Und ich liebe mittelständische Unternehmen. Ich habe ausschließlich in größeren mittelständischen Unternehmen gearbeitet – nur ein Praktikum habe ich bei einem Großkonzern gemacht und schnell gemerkt: Das ist nicht meine Welt.

 

10. Bitte vervollständigen Sie! Digitalisierung ist für mich...

... faszinierend und unabdingbar. wobei sie natürlich auch Risiken birgt- z.B. die Cyber-Kriminalität . Aber unbestreitbar ist, dass sie viele Chancen bietet, die es zu nutzen gilt. Im unternehmerischen Kontext fällt mir da sofort die Kommunikation mit Kunden und Lieferanten ein oder der Themenkomplex Industrie 4.0. Gleichzeitig darf man das Thema nicht nur von der technischen Seite aus betrachten. Viele Mitarbeiter müssen für das Thema sensibilisiert, auf diese Reise und die damit verbundenen Veränderungen vorbereitet werden. Dazu bedarf es einer guten HR-Arbeit und einer guten Unternehmenspolitik.
Was aktuell alle Bereiche eint, ist die Tatsache, dass immer mehr Vorgänge online stattfinden. Sei es allein die Kommunikation mit den Kunden, mit Partnern, mit Kollegen. Dabei ist es wichtig, dass man als Unternehmen Plattformen und Tools anbietet, die von allen genutzt werden – und die im besten Fall auch schon die Zukunftsversion eines Unternehmens berücksichtigen. Stichwort Internationalisierung.

 

Zur Person:

Ulrich Harm entdeckte als Reiseleiter die ganze Welt. Doch seine Wurzeln liegen hier: Als Stuttgarter Kind fiebert er seit Kindesbeinen mit den Kickers, vierte Liga hin oder her. Zudem amüsiert sich der zweifache Vater und studierte Wirtschaftswissenschaftler gerne mal bei Christoph Sonntag – wenngleich das Abendprogramm-Spektrum heute von Theater über Klassik bis hin zu Rihanna reicht. Und mit Blanco ist er auch beruflich wieder in seiner geschätzten Heimat angekommen: „Denken Sie nur an all den hervorragenden Mittelstand. Und ich liebe mittelständische Unternehmen.“

Südwestmetall
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Datum: 19.9.2019

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