#ShowMEyourdesk mit Cay Nasner

Von Liechtenstein nach Lichtenstein: Die berufliche Laufbahn von Cay Nasner startete im kleinen Fürstentum. Nach Zwischenstationen in den USA und Düsseldorf verschlug es den gebürtigen Rheinländer wieder nach Lichtenstein - dieses Mal allerdings nur mit „i“ statt „ie“. Am Fuß der schwäbischen Alb leitet er für die Baumann Group den Geschäftsbereich Stanzen. Privat betätigt er sich als passionierter Läufer sportlich, aber auch das runde Leder hat es ihm angetan. Warum es mit der Fußballkarriere bei Bayern München nicht geklappt hat und welcher seiner ehemaligen Mitspieler heute in der Bundesliga für Aufsehen sorgt, verrät er uns im Interview.

1. Wie würden Ihre Kinder Sie vorstellen?

Meine beiden erwachsenen Töchter würden mich als sportlichen, laufbegeisterten, reiselustigen Rheinländer, der gerne den Kölner Karneval feiert, vorstellen.

2. Was wollten Sie mit zehn Jahren werden und was arbeiten Sie heute?

Ehrlich gesagt gab es bei mir nicht diesen einen Wunschberuf. Einer meiner Jungenträume war sicherlich Fußballprofi beim FC Bayern München zu werden. Wir haben mit meinem Jugendverein aus Bad Honnef sogar in der Liga gegen den Nachwuchs des 1.FC Köln und Bayer Leverkusen gespielt. Für die große Karriere hat mir aber das Talent gefehlt. Im Gegensatz zu einem meiner damaligen Teamkollegen: Horst Heldt hat eine tolle Laufbahn hingelegt und ist heute als Manager erfolgreich in der Bundesliga unterwegs.
Bei der Baumann Group leite ich als CEO die Division Stanzen und bin am Standort Lichtenstein Geschäftsführer.

3. Welche drei Menschen beeindrucken Sie am meisten und warum?

Mich beeindrucken Menschen, die mutig sind und sich Herausforderungen stellen. Dazu zähle ich auch eine fiktive Figur wie Robinson Crusoe. Er hat trotz einer schwierigen Ausgangssituation den Mut nie verloren, hat Lösungen zum Überleben gefunden und war damit erfolgreich.
Aus der realen Welt finde ich Christof Kolumbus beeindruckend. Denn er hatte den Mut zu neuen Ufern aufzubrechen und die Welt zu entdecken. Da spiegelt sich auch mein Faible für das Reisen und das Internationale wider.
Mut zur Vision hat Martin Luther King bewiesen: Er hat an ihr festgehalten, seine Ziele verfolgt und ist für seine Ideale eingestanden. Für mich war und ist er eine absolut herausragende Persönlichkeit der Weltgeschichte.Ach ja und Joachim Löw. Wie er es schafft, aus Einzelspielern eine Einheit zu formen, ist beeindruckend. Da schließt sich der Kreis zur Wirtschaft. Man kann noch so viele großartige Mitarbeiter haben, funktionieren sie als Team nicht, ist auch das Unternehmen nicht erfolgreich.

4. Sind Sie eher der Bewahrer oder der Innovator, Anleger oder Sparer, Lokalpatriot oder Weltenbummler?

Bei Dingen und vor allem bei Menschen, die mir wichtig sind, bin ich eher der Bewahrer. Das gilt zu allererst für das Verhältnis zu meinen Töchtern. Mir ist es wichtig, zu ihnen einen engen Kontakt zu bewahren – auch wenn sie natürlich und glücklicherweise immer mehr auf eigenen Beinen stehen. Ansonsten bin ich aber eher Innovator und Weltenbummler.
Ich habe in den USA meine Studienarbeit geschrieben und später auch dort gearbeitet. Außerdem liebe ich es zu reisen, neue Kulturen und Menschen kennenzulernen. Zuletzt war ich in Neuseeland. Wenn man sieht, was für faszinierende Orte es auf der Erde gibt, wird man automatisch zum Weltentdecker.

5. Welches Thema verfolgen Sie in den Medien am intensivsten, weil es Sie persönlich beschäftigt?

Die weltpolitische Situation und die vielen Krisenherde. Sie haben Auswirkungen auf die Wirtschaftslage, wie zum Beispiel die angekündigten Stahlzölle von Trump. Aber auch persönlich fühle ich mich betroffen. Wenn man mir vor 15 Jahren gesagt hätte, dass die Welt heute so aussieht, hätte ich das nicht für möglich gehalten. Denn damals hatte ich das Gefühl, dass es eine Annäherung zwischen Russland und dem Westen gibt. Die politische Lage war wesentlich stabiler.
Ich hatte und habe das große Glück, mein Leben in Frieden und Freiheit leben zu dürfen. Mein Wunsch ist es, dass das auch meinen Töchtern vergönnt ist. Für uns sind Errungenschaften wie Meinungs- und Pressefreiheit selbstverständlich. Ein paar Kilometer weiter sind sie zum Beispiel in der Erdogan-Türkei in Gefahr oder werden ausgehöhlt.
Das zeigt, dass wir selbst etwas tun und uns engagieren müssen. Aufgrund meiner häufigen Dienstreisen ist es mir persönlich leider nicht möglich, mich „organisiert“ gesellschaftspolitisch zu engagieren. Aber ich versuche, zumindest im Alltag „Flagge zu zeigen“, wenn es darauf ankommt. Ein diskriminierender Spruch gegenüber einer jungen Frau, die in der Warteschlange hinter einem steht, ein rassistischer Kommentar, wenn ein Mann mit dunkler Hautfarbe den Warteraum betritt – es gibt leider viel zu viele Momente im täglichen Leben, in denen es notwendig ist, Zivilcourage zu zeigen. Darum bemühe ich mich.

6. Stichwort New Work: Was verbinden Sie damit und was heißt das für Sie konkret?

Durch Globalisierung und Digitalisierung verändert sich die Arbeitswelt fundamental. Gerade die Digitalisierung ist ein zentraler Faktor. Das spüre ich schon, wenn ich montags in Singapur bin, mittwochs in die Schweiz fahre und am Donnerstag wieder im Büro in Lichtenstein sitze – und kein Gesprächspartner merkt, wo ich gerade bin.
Wir nutzen viele digitale Hilfsmittel, vom CRM-System bis zu den Maschinenanlagen. Das wird sich weiter verstärken. Da ist es aus meiner Sicht wichtig, die Mitarbeiter einzubinden und ihre Sorgen um den Arbeitsplatz ernst zu nehmen.
Diesen Wandel aktiv zu gestalten halte ich für zentral. Er geht aber auch mit Verantwortung der Tarifpartner einher, denn die Arbeit muss finanzierbar bleiben. Wenn wir da jetzt überziehen, werden wir als deutscher Standort Probleme bekommen. Ob die Tarifforderungen der IG Metall und den dadurch hohen Abschlüssen von Verantwortungsbewusstsein für den Standort Deutschland sprechen? Das bezweifle ich.

7. Und wird sich diese neue Arbeitswelt auf die Jobprofile auswirken?

Die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben werden verschwimmen. Home-Office, flexible Arbeitszeiten, aber auch ständige Erreichbarkeit, schnellere Arbeitsabläufe und räumliche Flexibilität werden zum Alltag. Wir werden auch in Zukunft noch Anlagenbediener haben, aber die Berufe werden sich wandeln. Man muss mit digitalen Instrumenten arbeiten und neue Dinge lernen. In dieser Veränderung liegen Risiken, aber auch große Chancen. Es liegt ganz wesentlich an uns, was wir daraus machen.

8. Wo sehen Sie unsere Sozialsysteme in 10 Jahren? Welche Rolle spielen dabei die Demografie und Digitalisierung?

Die Bevölkerung altert. Das ist Fakt. Ich hoffe, dass die Sozialsysteme auch in 10 Jahren noch sicher funktionieren, denn wir haben grundsätzlich ein gutes System. Aber der Anteil der persönlichen Vorsorge muss in allen Bereichen größer werden. Durch meine engen Kontakte zu unserem Hauptsitz in der Schweiz bin ich ein großer Freund des dortigen Drei-Säulen-Systems. Kurz erklärt: Es gibt dort die staatliche, die betriebliche und die private Säule. Die erste Säule ist die staatliche Alters- Hinterbliebenenversicherung (AHV). Die AHV finanziert sich durch den Bund, die Kantone und alle erwerbsfähigen Personen. Hierin ist die ganze Bevölkerung obligatorisch versichert.
Die Pensionskasse für die berufstätige Bevölkerung stellt die zweite Säule dar, in welche alle Angestellten ihre Pflichtbeiträge leisten müssen. Der Beitrag wird monatlich direkt vom Lohn abgezogen und an die Pensionskasse entrichtet. Der Beitrag besteht zu gleichen Teilen aus einem Arbeitnehmeranteil und aus einem Arbeitgeberanteil.
Die dritte Säule basiert auf einem freiwilligen steuerlich begünstigtes Verfahren. Hierfür wird Geld auf ein spezielles Sparkonto einbezahlt. Diese soll die Fortführung des Lebensstandards nach Pensionseintritt angemessen sicherstellen.
Dies sind die tragenden Pfeiler der Vorsorge in der Schweiz. Vielleicht können wir auch davon lernen.

9. Bitte vervollständigen Sie: Älter werden ist für mich…?

… so lange ich fit bin, kein Problem. Später werden dann Herausforderungen auf mich zukommen, von denen ich hoffe, sie gut zu meistern.

10. Was schätzen Sie am Unternehmensstandort Lichtenstein besonders?

Ich gehe erst noch zwei Ebenen höher: In Deutschland halte ich das duale Ausbildungssystem für einen absoluten Glücksfall. Da werden wir von der Welt zu Recht dafür beneidet, denn es ist eine starke Wurzel unserer Wirtschaft. In Baden-Württemberg schätze ich den starken Mittelstand. Man hat hier nicht nur die großen Konzerne, sondern auch Weltmarktführer und Hidden Champions.
Speziell hier in Lichtenstein am Fuße der Alb liebe ich die Landschaft. Die lässt sich beim Joggen ganz besonders genießen. Außerdem finde ich die Menschen und meine Mitarbeiter toll. Sie sind ehrgeizig, zielstrebig und wollen das Unternehmen im Team weiterentwickeln. Jetzt versuche ich ihnen noch die rheinländische Frohnatur beizubringen. Dann haben wir hier den perfekten Mix!

Über die Baumann Group:

Die Baumann Group ist in der fünften Generation inhabergeführt und produziert weltweit an elf Standorten. Das Unternehmen ist international führender Anbieter von Federn und Stanzteilen und beliefert ausgewählte Branchen wie die Automobil- und Elektroindustrie sowie die Medizintechnik. Insgesamt arbeiten 1.600 Mitarbeiter für die Baumann Group. Am Standort Lichtenstein produzieren etwa 220 Mitarbeiter hochwertige Stanz- und Stanzbiegeteile sowie technische Federn.

Südwestmetall
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Datum: 19.9.2019

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