#ShowMEyourdesk mit Till Küppers

Als Kind begeisterte er sich für Jim Knopf und wollte Lokomotivführer werden. Dafür nahm Till Küppers es sogar auf sich, mit dem Bus von Bad Dürrheim nach Villingen zu fahren, um sich dort zwei Stunden die Züge anzuschauen. Auch heute noch kann er Lokomotiv-Typen der deutschen Bahn runterbeten und weiß, wie schnell welcher Zug auf welcher Strecke fährt. Ein Tüftler ist er dennoch nicht geworden. Ihn reizen betriebswirtschaftliche Abläufe mehr und die Frage, wie organisatorisch die Räder ineinandergreifen. Für New Work setzt er auf Methoden-Kompetenz und lebenslanges Lernen. Er begreift neue Arbeitswelten als Chance, an vielfältigen Dingen mitzuwirken und sie zu gestalten.

1. Wie würden Ihre Kinder Sie vorstellen?

Meine Kinder sind nicht die großen Redner, sondern eher zurückhaltend. Wenn Simon (10) und Lars (6) einen guten Tag haben, würden Sie vielleicht sagen: "Das ist unser Papa. Er geht gern mit uns raus an die frische Luft und macht Ausflüge. Er arbeitet bei TRUMPF und darf im Flugzeug fernsehen."

2. Was wollten Sie mit zehn Jahren werden und was arbeiten Sie heute?

Ich wollte Lokführer werden. Vielleicht liegt es an Jim Knopf, den ich als kleines Kind geliebt habe. Oder es war doch schon eine kindliche Begeisterung für Maschinen und Züge.

Die Leidenschaft für Produkte und Maschinen ist erhalten geblieben. Ich bin zwar nicht der klassische schwäbische Ingenieur-Tüftler geworden, sondern Wirtschaftsingenieur. Mich reizen betriebswirtschaftliche Abläufe und die Frage, wie die Räder organisatorisch ineinandergreifen, damit ein Unternehmen funktioniert.

Seit Oktober 2017 bin ich Geschäftsführer von TRUMPF Hüttinger in Freiburg, der Elektroniksparte von TRUMPF. Wir sind international tätig, haben zum Beispiel noch einen großen Standort in der Nähe von Warschau und Service- sowie Vertriebsstandorte in der ganzen Welt.

3. Welche drei Menschen beeindrucken Sie am meisten und warum?

In meinem Leben hatte ich die Chance, viele Menschen zu treffen und kennenzulernen. Wenn ich das reflektiere, gibt es Unzählige, die mich wissentlich oder intuitiv beeindruckt haben. Mir imponiert, wie viele Persönlichkeiten es gibt, die mit Leidenschaft und Herzblut ihrer Tätigkeit nachgehen und eine Berufung daraus machen.

Einer davon war mein erster Chef bei A.T. Kearney. Ich war 25, kam frisch von der Universität und arbeitete in einem Projekt für einen großen Automobilbauer. Auf jegliche Aussage, die ich getätigt habe, gab er mir immer nur die Antwort „so what?“. Konsequent zwang er mich dazu, zur Quintessenz zu kommen. Das hat mich beeindruckt. Heute trieze ich meine Kollegen mit diesen Fragen. Was ist die Botschaft? Was wollen wir damit erreichen?

Die zweite Person schätze ich für ihre Menschenkenntnis. Jens Corssen ist Psychologe und geht mittlerweile auf die 80 zu. Er sitzt ihnen gegenüber und sagt ihnen nach drei Minuten Diskussion wie sie ticken und was sie belastet. Zum Teil ist das schon unheimlich. Ich bewundere sein Gespür für Situationen und die Fähigkeit, Methodik zu transferieren – mit der richtigen Einstellung etwas zu bewirken und im Zweifelsfall eine verfahrene Konstellation zu lösen.

Zum Dritten: Meine Kinder. In kürzester Zeit entsteht aus einem quasi Nichts ein Mensch, mit dem ich spreche, auch mal streite. Ich beobachte, wie sich das Ego entwickelt, wie offen und mit welch positiver Einstellung sie in jeden Tag gehen, wie sie Wissen aufsaugen. Ich finde das phänomenal. Und auch das prägt mich, da ich im Umgang mit meinen Söhnen spüre, wie ich mich selbst weiterentwickle. Nicht nur inhaltlich, sondern als Person. Die Balance zwischen Führung, Gelassenheit und Freiheit - da haben meine Kinder schon viel bewirkt. Wahrscheinlich geht das jedem so, der Kinder hat.

4. Sind Sie eher der Bewahrer oder der Innovator, Anleger oder Sparer, Lokalpatriot oder Weltenbummler?

Ich sehe mich prinzipiell nicht als Typen, der gern in "Schwarz-Weiß"-Kategorien unterwegs ist. Ich halte es nicht für zielführend. Schaue ich mir die Begriffspaare an, würde ich eher sagen, es kommt auf den situativen Mix an. Und so würde ich mich auch beschreiben.

Ich liebe Optimierung und Veränderung – an mir selbst und in Organisationen. Aber es gehört auch dazu, an gut funktionierenden Dingen festzuhalten, um Stabilität und Kontinuität zu erzeugen.

Schaue ich auf die Finanzen, würde ich eher in den Typus Anleger fallen, aber nie "All in". Ich setze auf Ausgewogenheit, damit ich weiterhin leben kann, wenn es schiefgeht.

Auch bei Lokalpatriot und Weltenbummler bin ich beides. Geboren wurde ich in Münster / Westfalen. Aufgewachsen bin ich in Bad Dürrheim. Meine Mutter ist Österreicherin, während des Studiums verschlug es mich für ein Jahr nach Nottingham in England. Das Reisen liebe ich auch heute noch. Ganz egal ob Asien, Amerika oder Afrika: Zu reisen, Erfahrungen zu sammeln und mit neuen Eindrücken nach Hause zu gehen – das finde ich toll. Aber genauso gut kann es mir vorstellen, irgendwann in der Zukunft mit meiner Frau eine alte Almhütte in den Bergen zu kaufen und dort zu leben.

5. Was schätzen Sie am Unternehmensstandort Freiburg besonders?

An Baden-Württemberg schätze ich das extrem gute und enge Netzwerk aus Unternehmen und den Erfindergeist. Hier herrscht der Wille, etwas zu bewegen, Dinge voranzubringen. Wir finden qualifizierte, motivierte, loyale Mitarbeiter. Das wirkt für uns alltäglich, ist jedoch nicht selbstverständlich. Es ist ein greifbarer Wettbewerbsvorteil.

Freiburg zeichnet sich zusätzlich noch durch die Balance zwischen wirtschaftlicher Prosperität und Lebensqualität aus. Südbadener können das Leben genießen. Ich mag diese Mischung aus Engagement und Motivation auf der einen, und die Gelassenheit, auch mal Fünfe gerade sein zu lassen, auf der anderen Seite.

6. Bitte vervollständigen Sie: Älter werden ist für mich…?

… Dinge einfacher zu machen. Aus Routine, aus Erfahrung und aufgrund souveräner Gelassenheit. Ich sehe es bei mir im Zusammenhang mit der Führung des Unternehmens. Ich sehe es im Umgang mit Konfliktsituationen, zum Beispiel mit Kunden-Reklamationen.

Auf der anderen Seite brauche ich für manche Dinge mehr Anlauf und Kraft. Nehmen wir zum Beispiel das Berggehen oder Bergsteigen. Da habe ich den Ehrgeiz, den Berg schneller als in der angegebenen Zeit zu erklimmen. Wenn da „3 Stunden“ steht, muss das auch in 1 1/2 Stunden machbar sein. Natürlich spüre ich, dass es härter wird, meinen Zeit-Benchmark zu erreichen. Das kann ich nicht verleugnen. Eine gewisse Ambition ist da noch immer.

7. Wo sehen Sie unsere Sozialsysteme in 10 Jahren? Welche Rolle spielen dabei die Demografie und Digitalisierung?

Unser aller Ziel muss sein, die Sozialsysteme in 10 Jahren auf einem Standard zu haben, der uns Genüge tut und wir uns nicht verschlechtern. Aus meiner Sicht ist es ein absolutes Muss, innovativ zu sein. Nur wenn es gelingt, weiterhin Trends zu setzen, erzielen wir Wertschöpfung, bleiben unabhängig und können den Wohlstand sichern.

Ich sehe die Digitalisierung als Chance, die Effekte der demografischen Entwicklung abzumildern. Wir müssen die Zukunft aktiv gestalten, mit innovativen Geschäftsmodellen, neuen Technologien, modernen Tätigkeitsfeldern.

8. Welches Thema verfolgen Sie in den Medien am intensivsten, weil es Sie persönlich beschäftigt?

Protektionismus. Für mich ist es unvorstellbar, mit welcher Geschwindigkeit sich über Jahre aufgebaute Beziehungen, Errungenschaften, Freiheiten umdrehen; und zwar mit dem kruden Ansatz zu sagen "Ich komme zuerst".

Es gibt die alte Kaufmannsweisheit: Im Geschäftsleben muss es beiden Seiten Spaß machen, sonst ist es kein gutes Geschäft. Versuche ich, einen Vorteil ausschließlich für einen Beteiligten zu schaffen, wird es nie dauerhaft erfolgreich sein. Bei dem, was wir heute erleben, kann ich emotional werden.

Ein drohender Handelskrieg ist zudem ein unternehmerisches Risiko für TRUMPF Hüttinger. Wir sind international tätig und müssen daher genau darauf schauen, dass wir im Welthandel bestehen. Das Beunruhigende ist, dass ich diesen Protektionismus nicht nur in den USA beobachte. Auch in Europa gibt es den Trend, alles für sich rauszuschlagen und sich für "den Rest" nicht zu interessieren. Das ist eine erschreckende Entwicklung. Ich hätte sie so nicht für möglich gehalten.

9. Stichwort New Work: Was verbinden Sie damit und was heißt das für Sie konkret?

New Work ist für mich die Transformation der Arbeit im Rahmen der Digitalisierung. Zum Beispiel eine konsequente Umsetzung von Losgröße 1. Es wird alles schneller, kurzzyklischer, im Prozess vernetzter und damit automatisierter.

Das heißt auch, die Anforderungen an die Beteiligten im Prozess verändern sich. Sie werden deutlich flexibler sein müssen. Flexibler in Richtung Arbeitszeit. Flexibler aber auch, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. New Work ist nicht mehr "der Job für's Leben". New Work ist eher projekthaft, spezifisch auf eine Sache mit wechselnden Teams.

Heute und zukünftig gilt es, mit den unterschiedlichen Trends Schritt zu halten. Ich sehe New Work als Chance, weil ich eben im Laufe eines Arbeitslebens die Möglichkeit habe, an deutlich unterschiedlichen Dingen mitzuwirken und sie zu gestalten.

10. Und wird sich diese neue Arbeitswelt auf die Jobprofile auswirken?

Methoden-Kompetenz gewinnt an Bedeutung. Ein Experte definiert sich heute durch Fachkompetenz. Wenn sich Fachwissen und Inhalte schnell drehen, wird kontinuierliches, lebenslanges Lernen – und damit Vorgehensweisen – immer wichtiger. Zudem beobachte ich einen Trend in Richtung Projekt-Management und vernetztem Arbeiten.

Was wir spüren, ist der Fachkräftemangel. Das Breisgau ist zwar eine Region, die brummt gleichwohl haben wir sehr spezifische Jobprofile. Gerade im Bereich Leistungselektronik können wir nicht aus dem Vollen schöpfen. Der Aufwand, gute Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, ist in den letzten 2 Jahren gestiegen. Das bringt einfach der enge Arbeitsmarkt mit sich. Und das, obschon wir als Unternehmen mehr als nur die klassischen Hygiene-Faktoren bieten können. Unternehmensgröße und Technologieführerschaft reichen eben nicht mehr aus, dass einem die guten Kandidaten zufliegen.

Über TRUMPF Hüttinger

Das Hochtechnologieunternehmen TRUMPF bietet Fertigungslösungen in den Bereichen Werkzeugmaschinen und Lasertechnik. Die Gruppe erwirtschaftet mit rund 13.500 Mitarbeitern einem Umsatz von 3,6 Milliarden Euro. Mit mehr als 70 Tochtergesellschaften ist sie in fast allen europäischen Ländern, in Nord- und Südamerika sowie in Asien vertreten. Eines der Tochterunternehmen ist TRUMPF Hüttinger, welches rund 900 Mitarbeiter beschäftigt und ein führender Hersteller von Prozessstromversorgungen für Plasmaanwendungen, Induktionserwärmung und CO₂-Laseranregung ist. Der neu entwickelte Wechselrichter bietet die optimale Lösung zur Energiespeicherung aus erneuerbaren Energien. Das Unternehmen ist weltweit aktiv und hat Niederlassungen in den USA, Polen, Taiwan, Korea, China und Japan.

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Datum: 19.9.2019

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