#ShowMEyourdesk mit Tobias Kühner

Gürtel aus Feuerwehrschläuchen? Was im ersten Moment extravagant klingt wurde für Tobias Kühner zum Erfolgsmodell. Gemeinsam mit seinen Mitschülern gründete der 17-Jährige die Schülerfirma oneonetwo. Mit ihrer Geschäftsidee gewannen sogar den baden-württembergischen Landesentscheid des Wirtschaftsprojekts „Junior“. Was den Jungunternehmer bewegt, was ihn an Warren Buffett fasziniert und warum er von klein auf Manager werden wollte? Das und noch viel mehr, verrät Kühner im Interview.

1. Wie würden Dich Deine Eltern vorstellen?

Meine Eltern würden sagen, dass sie einen energiegeladenen, ambitionierten Sohn haben. Einen, der Sachen einfach in die Hand nimmt, dabei manchmal aber etwas unstrukturiert vorgeht.

2. Was wolltest Du mit 10 Jahren werden und was denkst Du heute darüber?

Als ich ein kleiner Junge war, hat meine Mutter angefangen über mich Buch zu führen. Darin notiert sie, was im zurückliegenden Jahr alles passiert ist. Dort steht unter anderem drin, dass ich seit der dritten Klasse Manager werden wollte. Natürlich wusste ich mit 10 nicht, was das eigentlich bedeutet. Wahrscheinlich habe ich irgendwo mal im Zusammenhang mit einem Fußball-Manager von dem Begriff gehört.
Aktuell bin ich Schüler der Kursstufe 1 und Schülersprecher am Lise-Meitner-Gymnasium in Königsbach-Stein. Außerdem bin ich Vorstandsvorsitzender unserer Schülerfirma oneonetwo, die wir im Rahmen des Projekts „Junior“ gegründet haben. Wir verkaufen Gürtel und Geldbeutel aus alten Feuerwehrschläuchen und haben damit den baden-württembergischen Landeswettbewerb gewonnen.
Nach der Schule will ich Wirtschaftsingenieurwesen studieren. Da steckt viel BWL drin, aber auch der technische Aspekt, der mich reizt.

3. Welche 3 Menschen beeindrucken Dich und warum?

Ich habe ein Faible für Wirtschaft, deshalb beeindruckt mich vor allem Warren Buffett. Wie er über Jahrzehnte hinweg eine solche Leistung im Investment-Bereich geschaffen hat: Wahnsinn! Ihn zeichnet vor allem Ruhe aus, er tätigt keine überhasteten Investments. Auch während der Finanzkrise 2009 ist er souverän aufgetreten und hat auf langfristige Anlagen gesetzt – und das mit vollem Erfolg.
Ich finde überdies den französischen Politiker de Talleyrand beeindruckend. Nicht wegen seiner politischen Ansichten, denn er wollte die Herrschaft des Adels. Aber er hatte ein wahnsinnig großes diplomatisches Verständnis und viel Geschick. Es gelang ihm im 18. und 19. Jahrhundert in fünf verschiedenen Regimen entscheidend Einfluss zu nehmen. Ob in den Kaiserreichen, während der Revolution, unter Napoleon… Das fand ich bemerkenswert, deshalb habe ich in der Schule auch eine Präsentation über ihn gehalten.
Aus dem Bereich des Sports gefällt mir vor allem Joshua Kimmich. Ihn zeichnet sein absoluter Kampfgeist aus. Wenn er einen Fehler macht, will er ihn sofort ausbügeln. Genau diese „Ich will“-Mentalität und dieser große Ehrgeiz – da ist er in Sachen Fußball ein Vorbild für mich.

4. Bist Du eher…

… Bewahrer oder Innovator,

Sowohl als auch. Ich finde Innovation ist wichtig, um sich persönlich weiterzuentwickeln. Da gehört es für mich auch dazu, offen für Neues zu sein und Bewährtes zu hinterfragen. Aber das darf nicht in Aktionismus ausarten. Etwas komplett umzuwerfen, nur um etwas gemacht zu haben, halte ich für falsch.

… Anleger oder Sparer,

Da kommen die schwäbischen Wurzeln in mir durch: Ich bin eindeutig Sparer. Meine letzte große Ausgabe war ein Handy, das ist aber auch schon lange her.

… Lokalpatriot oder Weltenbummler?

Beides. Ich finde es hier in der Region super. Mein Freundeskreis ist hier, uns geht es auch wirtschaftlich gut. Auch die Anbindung an die großen Städte wie Pforzheim, Karlsruhe und Stuttgart ist sehr gut.
Trotzdem zieht es mich auch immer wieder in die Welt. Mich interessieren andere Länder und Städte. Da ich noch recht jung bin, war ich bisher nur in Europa unterwegs. Da hat es mir vor allem die Toskana angetan, die Landschaft dort ist großartig. Am besten hat mir aber Barcelona gefallen. Eine tolle Stadt, verbunden mit einem Fußballspiel beim FC Barcelona. Das war einfach ein tolles Erlebnis.

5. Welches Thema verfolgst Du aktuell in den Medien, weil es Dich persönlich beschäftigt?

Ich bin großer Amerika-Fan. Bedingt durch die Wahl 2016 habe ich mich zum ersten Mal mit dem politischen System der USA und den Unterschieden zu unserem  System auseinandergesetzt. Aber nicht erst im Präsidentenwahlkampf, sondern schon bei den Vorwahlen. Dadurch habe ich einen Bezug zur internationalen Politik und informiere mich im Internet über die aktuelle Lage in den USA.
Das ist für mich deshalb so interessant, weil sich mit Blick auf die Zukunft viele Fragen stellen: Wie werden die Konflikte weltweit gelöst? Wie entwickelt sich die Beziehung zwischen Europa und den USA? Oder auch die Frage nach einem Handelskrieg ist spannend. All das hat direkten Einfluss auf unser Leben und unsere Wirtschaft – und damit auch Auswirkungen auf meine persönliche Zukunft. Denn letztlich werden in der internationalen Politik die Rahmenbedingungen für unser Zusammenleben gesetzt.

6. Stichwort New Work: Was verbindest Du damit und was ist das für Dich konkret?

Konkret bedeutet das für mich: Wie entwickelt sich die Arbeitswelt und welche Jobs wird es in  Zukunft geben? Gerade in der Industrie werden künftig viele einfache Aufgaben von Robotern übernommen. Das heißt, Menschen müssen eine höhere oder eine andere Qualifikation für künftige Aufgaben mitbringen. Und wir werden gefordert sein, uns ständig weiterzuentwickeln und nicht in einer Komfortzone zu verharren. Das finde ich persönlich toll, mein Job muss mich fordern und muss mir Herausforderungen stellen. Denn ich will etwas bewegen und erreichen können. Das gelingt dann, wenn ich diese Herausforderungen überwinde.
Gleichzeitig bietet New Work aber auch in Sachen Flexibilität und Freiheit mehr Möglichkeiten. Da kommt z.B. Work-Life-Balance ins Spiel. Prinzipiell finde ich es gut, dass den Menschen so die Möglichkeit geboten wird, sich zu entfalten. Dadurch, dass viele Jobs künftig von Robotern übernommen werden können, halte ich es für wichtig Menschen in ihrer Kreativität zu fördern und zu fordern.

7. Wie wird sich diese neue Arbeitswelt auf die Jobprofile auswirken?

Ein Funktionsbereich, der über kurz oder lang wegfallen wird, ist meiner Ansicht nach die Verwaltung. Da wird sich das meiste digital abwickeln lassen. Aber auch viele handwerkliche Tätigkeiten stehen aus meiner Sicht zur Disposition. In China gibt es bereits jetzt erste Häuser, die komplett von einem Roboter gebaut werden, für  5.000 Euro. Dieser Preis ist unschlagbar und ich glaube, dass sich diese Entwicklung in der Produktion fortsetzt.
Gleichzeitig denke ich, dass Berufe mit menschlichem Kontakt immer wichtiger werden: Pflege, Lehrer, Sozialberufe. Der zwischenmenschliche Umgang wird nicht von Robotern übernommen werden, denn der Kontakt mit echten Menschen ist vor allem für ältere Personen durch nichts zu ersetzen. Da steht uns ein großer Wandel in den Jobs bevor, der im Hinblick auf die älter werdende Gesellschaft forciert wird.

8. Wo siehst Du unsere Sozialsysteme in 10 Jahren?

Wir haben in Deutschland ein ordentliches Sozialsystem, das wir unbedingt erhalten müssen. Wie das in zehn Jahren noch gelingen kann? Schwer zu sagen. Wahrscheinlich wird man das bedingungslose Grundeinkommen diskutieren müssen. Das darf dann aber nicht so ausgestaltet sein, dass die Menschen nichts mehr tun. Es muss einen Anreiz geben, trotzdem arbeiten zu wollen.

9. Älter werden ist für mich…

… in jungen Jahren eine Zunahme an Verantwortung und Freiheit.  Als Schüler wohne ich zum Beispiel noch zu Hause. Da kommen in den nächsten Jahren einige Schritte auf mich zu, mein Leben selbstbestimmter zu gestalten.

10. Was schätzt Du hier an der Region am meisten?

Wir haben tolle Möglichkeiten. Als Unternehmensstandort haben wir eine gute Infrastruktur und viele andere Mittelständler, von denen wir viel lernen können. Die Region ist wirtschaftlich top aufgestellt. Dadurch gibt es hier viele hoch qualifizierte Fachkräfte. Ich weiß es deshalb, weil wir mit unserer Schülerfirma häufiger mit ihnen ins Gespräch kamen und sie uns wertvolle Tipps gegeben haben.

Über oneonetwo:

Die Idee zur Firma entstand aus einem Unglück: Bei der späteren Mitgründerin Maren Hauler kam es durch einen brennenden Kamin zu einem Feuerwehreinsatz. Sie erfuhr, dass die Schläuche schon bei kleinsten Mängeln aussortiert werden müssen. Dieser Fakt ließ sie nicht los – und so entstand in den Gesprächen mit den anderen JUNIOR-Teilnehmern die Upcycling-Idee: Hochwertige Gürtel und Geldbeutel aus alten Feuerwehrschläuchen.  Die Idee wurde zum Erfolg und oneonetwo gewann den JUNIOR-Landeswettbewerb Baden-Württemberg 2018. Nach Abschluss des Schuljahrs wird die Firma aufgelöst und der Gewinn wird für Brandopfer gespendet.

Südwestmetall
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Datum: 19.9.2019

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