#ShowMEyourdesk mit Andreas Hammer

Seine Begeisterung für die Luft- und Raumfahrt entdeckte er bereits als Kind. Obwohl er dann doch nicht Berufspilot wurde, hat es Andreas Hammer hoch hinaus geschafft: Nach 18 Jahren bei der Bundeswehr und anschließenden Stationen bei PWC und IBM landete der gebürtige Mannheimer 2005 bei Airbus. Seit rund drei Jahren ist der 53-Jährige und dreifache Vater bei Tesat-Spacecom Geschäftsführer. Da verwundert es auch nicht, dass Interstellar und Passengers zu seinen Lieblingsfilmen zählen.

1. Wie würden Ihre Kinder oder Ihre Frau Sie vorstellen?

Meine Kinder würden sagen: Das ist der Papa, der ist meistens nur am Wochenende da. Meine Frau hat mich zuerst über den Job kennen gelernt, wir haben bei Airbus zusammen gearbeitet. Sie kennt also meine Arbeits- und Lebensweise und sieht diese eher positiv: Sie weiß, dass ich Dinge bewegt bekomme. Habe ich mir einmal etwas in den Kopf gesetzt, wird das auch umgesetzt – beruflich, aber auch privat.

2. Was wollten Sie mit zehn Jahre werden und was arbeiten Sie heute?

Ursprünglich wollte ich Pilot werden, schon mit zehn Jahren. Dieser Wunsch wurde auch von meinem Vater geprägt, der zwar nichts mit der Fliegerei zu tun hatte, aber voller Begeisterung dafür war: Er nahm meine Geschwister und mich bereits früh mit zu Flugplätzen, hat große und kleine Flugshows mit uns besucht, am Ende haben wir alle das Segelfliegen gelernt. Bei meinen Geschwistern ist das Interesse dann aber irgendwann erloschen oder durch andere Hobbies abgelöst worden. Bei mir nicht. Ganz im Gegenteil. Ich wollte die Fliegerei unbedingt zum Beruf machen. Wobei ich keinen Unterschied gemacht habe, ob ich einmal innerhalb oder außerhalb der Atmosphäre fliegen würde.

Am Ende hat der Berufspilot zwar nicht geklappt, aber durch mein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik bin ich genau in der Industrie gelandet, in die ich wollte. Heute arbeite ich bei TESAT Spacecom, einer Gesellschaft der Airbus-Gruppe, als Chief Executive Officer.

3. Welche drei Menschen beeindrucken Sie und warum?

An sich bin ich keiner, der zum Personenkult neigt, aber es gibt natürlich Menschen, die mich beeindrucken. Aus dem sportlichen Bereich wären das Michael Schuhmacher oder Steffi Graf. Beide haben eine fantastische Karriere ohne Skandale vorzuweisen. Das finde ich bewundernswert. Bei Tiger Woods sieht das mit den Skandalen zwar etwas anders aus, nichtsdestotrotz bewundere ich seine sportlichen Errungenschaften und beispielweise sein aktuelles Comeback sehr.

Als Unternehmerpersönlichkeit finde ich Bill Gates oder, etwas aktueller, Elon Musk spannend. In seinen 20ern so etwas wie Paypal zu schaffen ist bewundernswert. Dann wollte er die Motorwelt verändern – und hat die Branche tatsächlich maßgeblich geprägt. Ob er jetzt mit den Teslas wirklich Profit macht, sei mal dahingestellt...Und nun hat er die Raumfahrt im Blick. Vielleicht scheitert er am Ende, dennoch ist er einer, der unsere Geschäftswelt nachhaltig verändert und uns zum Nachdenken bringt. Und das verdient aus meiner Sicht Anerkennung.

4. Sind Sie eher...

… Bewahrer oder Innovator?

Sollte Bewahrer im Sinne von Verwalter gemeint sein, bin ich das eher nicht. Ob ich auf der anderen Seite innovativ genug bin, das müssen wohl andere einschätzen. Ab und zu habe ich gute Ideen. Und dann kommt es darauf an, dass man die richtigen Mitarbeiter und Unterstützer hat, damit diese Ideen auf fruchtbaren Boden fallen und sich weiter entfalten können.

… Anleger oder Sparer?

Ich bin meines Erachtens risikobewusst, aber nicht risikoscheu.

… Lokalpatriot oder Weltenbummler?

Beides. Ich bin berufsbedingt schon sehr viel herum gekommen, habe viel von der Welt gesehen. Meine Erfahrung ist jedoch: Je mehr ich reise, umso mehr schätze ich unsere Lebensumstände hier, schätze es hier groß geworden zu sein, hier zu leben und hier zu arbeiten. Diesen Fleck Erde Heimat zu nennen, würde ich durchaus als Glück bezeichnen. 

5. Welches Thema verfolgen Sie aktuell in den Medien am intensivsten, weil es Sie persönlich beschäftigt?

Ich war ja nach der Schule 18 Jahre bei der Bundeswehr, da ist man irgendwann konditioniert die Gesamtweltlage im Blick zu behalten. Aktuell beschäftigen mich daher Fragen wie: Wäre Europa in der Lage sich zu verteidigen? Welche Rolle spielt diesbezüglich Deutschland? Können wir uns noch getrost in die ‚schützenden’ Hände der Amerikaner begeben? Was passiert gerade und in den nächsten Jahren mit Amerika, was mit dem mittleren Osten, mit Russland? Und dann sind natürlich die Auswirkungen der Politik auf die Wirtschaft für mich ein Thema: Wie beeinflussen politische Entscheidungen unsere Währung, relevante Wechselkurse, Zollbestimmungen...

6. Stichwort New Work: Was verbinden Sie damit und was ist das für Sie konkret?

Auf Personalebene ist ein wichtiger Aspekt der New Work das Thema work-life-balance. Dazu habe ich eine starke Meinung: Ohne die richtige Balance gehen unsere inneren Batterien ganz schnell leer. Deswegen rate ich auch jedem zu einem Hobby – mir gibt zum Beispiel die Zeit auf dem Golfplatz unglaublich viel. Wir haben heutzutage einfach ein sehr anstrengendes Leben, man möchte so vielen Bereichen gerecht werden: der Familie, den Kindern, dem Haus, dem Job... da braucht man irgendwas zum Ausgleich. Dahingehend finde ich auch toll, dass eine Institution wie der Betriebsrat drauf achtet, dass die Leute nicht zu viel arbeiten.

Daneben ist natürlich die Digitalisierung ein wichtiger Teil der New Work. Bei Tesat sind wir damit an vielen Stellen schon sehr weit. Aktuell erstellen wir eine ‚Roadmap’, wo sie für uns eventuell noch sinnvoll wäre oder wo wir weiter in die Tiefe gehen möchten. Allerdings gebe ich auch zu bedenken: Digitalisierung ist nicht die Lösung aller Probleme, und sie ist teuer. Man muss daher ganz genau schauen sie nach Bedarf und wirklichem Nutzen zu integrieren. Ein ‚one-size-fits-all-Digitalisierungskonzept’ gibt es nicht. Wir haben, wie alle Industrien, unsere Eigenheiten. Und die müssen auch beim Thema Digitalisierung Beachtung finden.

7. Ein Blick nach vorn: Wie wird sich diese neue Arbeitswelt auf die Jobprofile auswirken?

Das hat sie bereits: Die neuen Produkte, die wir grade lancieren, werden zum Beispiel schneller, in einer höheren Taktrate und mit ausgereifteren Maschinen gefertigt als bisher. Wir brauchen also schon heute mehr Mitarbeiter, die Maschinen programmieren können.

Generell denke ich, dass sich die Anforderungen an die Mitarbeiter in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in einem kontinuierlichen Prozess immer weiter entwickeln werden. Deshalb haben wir auch auf unserer letzten Betriebsversammlung ein neues Kompetenzkonzept vorgestellt, an Hand dessen wir zukünftig unsere ‚skillsets’ laufend anpassen wollen. Wir werden also immer mehr in die Weiterentwicklung unserer Mitarbeiter investieren, aber natürlich auch ‚besondere Talente’ auf dem Arbeitsmarkt suchen. Bisher hat das gut geklappt: Zum einen gelten wir als attraktiver Arbeitgeber in einer attraktiven Branche, trotz der großen Konkurrenz vor Ort – das All ist einfach immer noch ein großes Abenteuer, an dem viele teilhaben wollen. Zum anderen ist unsere HR-Abteilung seit Jahren unglaublich aktiv: sei es auf Messen, durch Kooperationen Schulen, Hochschulen und Universitäten, über diverse Social-Media-Kanäle oder ein sehr gutes eigenes Ausbildungsprogramm.

8. Wo sehen Sie unsere Sozialsysteme in 10 Jahren?

Ein emotionales Thema...Beispiel Rentenkassen: Im Moment sieht es hier ja wohl ganz gut aus. Aber mit der demografischen Entwicklung, der Überalterung der Gesellschaft ist der Generationenvertrag längst ein Auslaufmodell, denn es müssen zukünftig immer mehr Ältere versorgt werden. Wir brauchen also neue Konstrukte, wie die Kombination von einer gesetzlichen und einer Betriebsrente. Die wir im übrigen bei der Tesat auch haben, angelehnt an die Airbus-Betriebsrente.

Ein anderes Thema: die Digitalisierung. Wenn diese weiter so fortschreitet, werden ganze Berufsgruppen wegfallen. Nehmen Sie das autonome Fahren, da habe ich keinen Zweifel, dass es kommen wird. Was passiert mit den ganzen Lastkraftfahrern, Busfahrern, Taxifahrern? Aber auch an anderer Stelle greift das Thema: Viele Jungjuristen in den USA, zu deren Aufgaben früher Recherchen und Analysen zählten, werden heute durch künstliche Intelligenz ersetzt. Durch die fortschreitende Digitalisierung werden also ganze Branchen in relativ kurzer Zeit umgewälzt. Und so sehe ich Wirtschaft, Politik und Gesellschaft vor großen Herausforderungen stehen.

9. Älter werden ist für mich…?

…gut und schlecht zugleich. Das Gute ist die Erfahrung, die man sammelt, dass man irgendwie ruhiger wird. Das Schlechte: Irgendwann ist die Party vorbei.

10. Was schätzen Sie an Ihrem Unternehmensstandort Backnang besonders?

Was ich sehr schätze an Backnang sind die kurzen Wege: Wenn wir hier im 5. Stock etwas entscheiden, dann wird es im Maschinenraum, wenn alles gut läuft, zehn Minuten später umgesetzt. Das ist eine ganz tolle Sache. Und wir befinden uns mitten in der Stadt – was hinsichtlich des Wachstums zwar suboptimal ist – aber die Mittagspause umso schöner macht...

Ziehen wir das Bild etwas weiter ist Baden-Württemberg natürlich ein toller Unternehmensstandort: Man hat einen guten Draht zur Landesregierung und durch die ansässigen Schulen und Hochschulen wirklich sehr gut ausgebildete Leute. Ich habe immer den Eindruck: Wenn die Menschen hier etwas machen, dann machen sie es auch richtig. Darauf oder das allgemeinere ‚Made in Germany’ verlassen sich Kunden weltweit bis heute. Das hat auch für die Raumfahrt Relevanz, denn bei uns ist es mit den Rückrufaktionen schwierig. Wenn da etwas schief geht, dann geht’s schief. Und meistens war es ein teures Unterfangen bis etwas im Weltraum angekommen ist – also sollte es dann auch funktionieren!

Über Tesat-Spacecom

Bei Tesat-Spacecom in Backnang entwickeln, fertigen und vertreiben rund 1.100 Mitarbeiter Systeme und Geräte für die Telekommunikation via Satellit. Das Produktspektrum reicht dabei von kleinsten raumfahrtspezifischen Bauteilen bis hin zu Modulen, ganzen Baugruppen oder Nutzlasten. Weltweit einziger Anbieter und technologisch führend ist Tesat bei den optischen Terminals zur Datenübertragung via Laser (LCTs). Mit dem Fokus auf kommerzielle und institutionelle Raumfahrtprogramme wurden bislang über 700 Raumfahrtprojekte durchgeführt.

Südwestmetall
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Datum: 19.9.2019

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