#ShowMEyourdesk mit Jan Wittenbecher

Privat weiß er, was er braucht: Mit Rasenmähen und Hecke schneiden sorgt er für Entspannung, mit griechischem Essen und Wein für Genuss, mit Ski- und Kanufahren für den körperlichen Ausgleich. Auch beruflich ist Jan Wittenbecher klar, was zählt: Mit Vernunft und Weitsicht will er für Hubl eine stabile Zukunft schaffen, ohne sich von Trends und Meinungen allzu stark beeinflussen zu lassen.

Wie würde Ihre Familie Sie vorstellen?

Mein Sohn ist mit seinen 16 Monaten noch etwas eingeschränkt in der Kommunikation, aber er würde wahrscheinlich sagen: Der ist ganz freundlich, gibt mir zu essen und bringt mich ins Bett. Meine Frau würde, dann doch etwas differenzierter, antworten, dass ich sehr zuverlässig bin, ordnungsliebend – mein Schreibtisch hier ist in der Regel sauber aufgeräumt – und eher zu den ruhigen, ausgeglichenen Menschen zähle. Das war aber nicht immer so: Vor allem zu Beginn des Arbeitslebens sind die meisten, mich eingeschlossen, ungeduldiger, fordernder und wesentlich impulsiver. Man denkt sich: Je mehr Action, desto besser. Heute sage ich: Wenn alles reibungslos und ohne Stress funktioniert, dann haben wir es richtig organisiert. Und wenn ich zwei Wochen im Urlaub bin und kein Anruf kommt, gerate ich nicht in Panik ob meiner Relevanz, sondern weiß, dass ich ein gut organisiertes Büro zurück gelassen habe.

Was wollten Sie denn mit zehn Jahren werden und was machen Sie heute?

Pilot! Die Kombination „Technik über den Wolken“ fand ich spannend. Zumindest solange bis ich verstanden habe, dass ein Pilot einen Großteil seiner Zeit in einem kleinen Cockpit auf einer vorgegebenen Route hockt. Da habe ich mich nach etwas mit mehr Gestaltungsspielraum und Weiterentwicklungsmöglichkeiten umgesehen. Heute bin ich Kaufmännischer Leiter der Hubl GmbH.

Welche drei Menschen beeindrucken Sie am meisten und warum?

Da ich gerade seine Biographie lese, kommt mir Axel Springer in den Sinn. Unternehmerpersönlichkeiten wie ihn oder auch Bill Gates fand ich schon immer spannend. Sie haben es geschafft mit einer klaren Vision und vollkommener Beharrlichkeit etwas Großes zu schaffen. Ich denke es erfordert unglaublich viel Mut seiner Linie treu zu bleiben, insbesondere in Zeiten wenn von allen Seiten Kritik oder Skepsis auf dich einprasseln. Die beiden haben das geschafft.
Wen ich auch noch sehr bewundere, das ist Loriot. Der trifft – egal ob mit seinen Büchern, Filmen oder Comics – genau meinen Sinn für Humor. Wie viel Witz in etwas stecken kann, wenn man sich krampfhaft an gesellschaftliche Regeln und Normen zu halten versucht...dieses Thema war sein Steckenpferd und er hat es in meinen Augen grandios eingefangen!

Sind Sie eher…

… Bewahrer oder Innovator?

Von beidem etwas. Der Bewahrer in mir achtet natürlich auf Werte und Traditionen. Wobei ich nun auch in Bereichen arbeite, in denen es wichtig ist, Bewährtes zu schätzen und zu schützen. Wenn ich mich jedoch in der Rolle der Geschäftsleitung strategischen Aufgaben gegenüber sehe, kann diese Art auch hinderlich sein und man muss sie ein Stück weit abstreifen können. Aber an sich muss ich eher den Innovator in mir motivieren, damit er nicht zu kurz kommt.

… Anleger oder Sparer

Ich spare, aber nicht krampfhaft. Ich denke es macht wenig Sinn für den Fall X zu sparen, wenn am Ende dann sowieso Fall Y eintritt. Sparen hat dazu etwas mit Warten und Verschieben auf die Zukunft gemeinsam. Damit entferne ich mich zu sehr vom Jetzt.

… Lokalpatriot oder Weltenbummler?

Ich komme ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen, bin aber seit zehn Jahren hier in der Region – und durchaus zum Lokalpatrioten geworden. Ich fühle mich hier einfach sehr wohl und vor zwei Jahren haben meine Frau und ich ein Haus in Vaihingen an der Enz gekauft. Ich denke, wenn manche ständig das Glück in der Ferne suchen, hat das auch etwas mit Flucht zu tun.

Welches Thema verfolgen Sie denn aktuell in den Medien am intensivsten, weil es Sie persönlich beschäftigt?

Ein persönlicher Bezug besteht zu dem Thema zwar nicht, aber natürlich beschäftigt mich das oft alles überschattende Flüchtlingsdrama. Es ist nicht nur aus menschlicher Sicht ein herausforderndes Thema, es bringt auch die politischen Systeme durcheinander und stellt sie auf die Probe. Möchte man es positiv sehen, könnte man sagen: Wir haben keine andere Wahl, wir müssen daraus lernen und, vor allem aus politischer Sicht, pragmatischere, schnellere Lösungen generieren.
Daneben interessieren mich Meldungen wie der Vulkanausbruch auf Hawaii. Ereignisse wie diese erden einen. Man sieht, dass die Natur einfach das macht, was sie seit Millionen Jahren macht. Ob dort Menschen herumlaufen oder nicht. Wir haben die Natur weniger im Griff, als wir es uns vormachen und noch weniger als wir es uns wünschen. Zum Glück!

Stichwort: New Work – was verbinden Sie damit und was ist das für Sie konkret?

Man liest diesen Begriff ja sehr häufig, und meist suggerieren entsprechende Beiträge, dass es sich bei „New Work“ um einen erstrebenswerten Zustand hält. Dabei beschreibt dieser Begriff vielmehr eine bereits laufende Entwicklung, einen andauernden Prozess, der längst nicht zu Ende definiert ist. Negativ fällt mir dabei auf, dass häufig alles Neue und Innovative erst einmal für super, alles Traditionelle und „Alte“ als belastend dargestellt wird. Dabei beschreibt „New Work“ in meinen Augen eher eine Kultur, um Mitarbeitern mehr Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten zu geben und technologische Innovationen einzusetzen, um die Arbeit zu vereinfachen und zu modernisieren. Aber nur weil etwas digital ist, muss es für den Arbeitsprozess am Ende nicht besser sein.

Wie wird sich diese neue Arbeitswelt auf die Jobprofile auswirken?

Die Anforderungsprofile und die Arbeitsweisen ändern sich natürlich, aber das wird Schritt für Schritt passieren und nicht von heute auf morgen. Ich denke zudem, dass sich insbesondere die nachfolgenden Mitarbeiter-Generationen immer mehr mit dem Sinn und Zweck des eigenen Unternehmens und der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit beschäftigen werden. Dann wird es vermehrt die Aufgabe von Führungskräften sein, Orientierung zu bieten und Inspirationen zu liefern. Authentizität und Haltung der Führungskräfte werden aus meiner Sicht zunehmend erfolgsentscheidender.

Wo sehen Sie unsere Sozialsysteme in 10 Jahren?

Der Sozialstaat beruht auf den Prinzipien der Solidarität und Eigenverantwortung. Die Eigenverantwortung wird jedoch in den nächsten Jahren immer mehr Gewicht erhalten. Aktuell wird zum Beispiel in punkto Rentenversicherung auf den demographischen Wandel mit der Anhebung des Renteneintrittsalters und der Reduzierung der Durchschnittsrente reagiert. Aber das ist kein dauerhaftes Erfolgsmodell. Die Arbeitswelt wird immer weiter flexibilisiert, beim Rentensystem ist es daher auch höchste Zeit in diese Richtung zu denken. Ähnlich verhält es sich mit dem Thema Krankenversicherung. Die ganze Privatisierungsdebatte wird sich wahrscheinlich noch verschärfen. Und die Kernfrage ist: Wie viel Risiko soll der Bürger selber tragen, wie viel obliegt zukünftig der Gemeinschaft?

Älter werden ist für mich…

…erfahrener und gelassener zu werden, gelegentliche Fehltritte pragmatischer zu sehen. Man legt zwar auch ein Stück weit seine jugendliche Naivität ab, ganz verlieren sollte man sie aber nicht.

Was schätzen Sie denn am Unternehmensstandort?

Unser Standort ist sehr ländlich geprägt – mancher sagt auch: Bei euch ist es ja wie im Urlaub. Gleichzeitig sind Stuttgart und Ludwigsburg gleich in der Nähe. Eine, wie ich finde, tolle Kombination.

Über das Unternehmen

Die Hubl GmbH wurde vor rund 40 Jahren gegründet und beschäftigt heute an ihrem Sitz in Vaihingen an der Enz rund 115 Mitarbeiter. Das Unternehmen konstruiert und produziert hochpräzise Maschinenkomponenten aus Edelstahl, hochwertige Gehäuse und Verkleidungen und technische Ausstattungen mit erhöhten Reinheitsanforderungen für Kunden aus der Medizintechnik, der Pharma- und Biotechnologie, dem Maschinenbau, der Reinraum- und Klimabranche, der Halbleiter-Industrie, der Verpackungs- und Lebensmitteltechnik und aus dem Solar- und Photovoltaik-Bereich.

Südwestmetall
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Datum: 19.9.2019

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