#ShowMEyourdesk mit Martin Schmideder

Statt Konzernstrukturen bevorzugt Martin Schmideder den Mittelstand, denn „das entspricht eher meiner Persönlichkeit“, erklärt der zweifache Familienvater im Gespräch. Ein Unternehmen mit rund 55 Mitarbeitern bedeutet aber auch, dass man als Geschäftsführer gleich mehrere Bereiche abdeckt – eine besonders schwere Aufgabe wenn ein Unternehmen umfassend modernisiert werden muss. Aber der studierte Maschinenbauer und seine Mannschaft haben es geschafft und die Albrecht Präzisionswerke wieder auf Erfolgskurs gebracht. Die Erholung vom Trubel sucht er mit seiner Frau im Urlaub an der Nordsee.

Wie würden Ihre Kinder Sie vorstellen?

Meine inzwischen über 20-jährigen Töchter würden sagen: Ich bin hilfsbereit und loyal, zuhörend und sachlich – mit mir kann man gut diskutieren. Meine ältere Tochter würde wahrscheinlich noch die Attribute abenteuerfreudig und unternehmungslustig hinzufügen, weil ich einmal im Jahr mit ihr wandern gehe.

Was wollten Sie mit 10 Jahren werden und was arbeiten Sie heute?

Im Grunde haben mich schon immer technische Zusammenhänge interessiert. Ich habe es dementsprechend geliebt alle möglichen Geräte zu zerlegen, um mir ihr Innenleben und ihre Funktionsweise anzusehen.

Welche drei Menschen beeindrucken Sie und warum?

Nelson Mandela war ein großartiger Mann. Einmal wegen der Stärke trotz jahrelanger Inhaftierung anschließend einen versöhnlichen Weg einzuschlagen. Und wegen seines Werdegangs: Er hat es von ganz unten nach ganz oben geschafft.
Dann möchte ich Martin Luther nennen. Ich habe ein christliches Fundament und schöpfe aus meinem Glauben viel Kraft. Deswegen finde ich den Weg den er geebnet hat - eine persönliche Beziehung zu Gott aufzubauen – sehr inspirierend.

Beeindruckend finde ich auch die Authentizität und Beharrlichkeit im Dialog zu bleiben und wo notwendig einzugreifen unseres Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier. Zuletzt beim Thema Sprachverrohung im Asylstreit. Und wenn es mir erlaubt ist ausnahmsweise einmal vier statt drei beeindruckender Persönlichkeiten zu nennen, nehme ich noch Mutter Theresa mit an Bord. Ein leuchtendes Beispiel an Hingabe und Selbstlosigkeit.

Sind Sie eher...

…Bewahrer oder Innovator?

Ich denke man kann in meiner Position kein Bewahrer sein. Vielleicht bin ich auch zu stark geprägt von unserer Situation, aber Fakt ist in diesem Kontext: Wären wir in den letzten Jahren nicht den modernen, innovativen Weg gegangen, würde es diese Firma so nicht mehr geben.

… Anleger oder Sparer?

Anleger. Diese Antwort ist ebenfalls durch meine Erfahrung geprägt. Ich denke, dass man in meiner Position Innovator und Anleger sein muss. Das heißt auch, dass man Risiken eingehen muss, denn nicht für jede Investition gibt es eine Garantie. Diese Art entspricht zwar nicht unbedingt der deutschen Grundmentalität, ist aber in meinen Augen die einzig richtige für einen Geschäftsführer.

… Lokalpatriot oder Weltenbummler?

Durch meinen Job bin ich eher ein Weltenbummler – und das so lange gerne, solange es in einem gewissen Maße stattfindet. Am häufigsten reise ich in Deutschland um Kunden zu besuchen, bin aber auch regelmäßig in Europa unterwegs, und zweimal im Jahr in Asien und den USA.

Welches Thema verfolgen Sie aktuell in den Medien am intensivsten, weil es Sie persönlich beschäftigt?

Mich beschäftigen diese neuen Mauern in den Köpfen. Nach der Zeit der Entspannung und der Grenzöffnung, des Händeschüttelns und des Freundschaften Schließens habe ich den Eindruck, dass es gerade in eine ganz andere Richtung dreht. Und dieser Gesinnungswandel macht mir Sorgen.

Es gibt die Redewendung: Achte auf deine Gedanken, aus denen werden Worte. Achte auf deine Worte, aus denen werden Taten. Achte auf deine Taten, an denen wirst du gemessen. Die Mauern fangen in den Köpfen an. Dem entgegen setzen kann man eigentlich nur den Dialog. Das ist meines Erachtens der einzige problemlösende Ansatz.

Stichwort New Work: Was verbinden Sie damit und was ist das für Sie konkret?

Ich verbinde damit primär das Thema Digitalisierung. Also zum Beispiel die Ablage von Unterlagen und Informationen in einer digitalen Cloud, anstatt in einem Ordner. Allerdings denke ich nicht, dass es durch die Digitalisierung einfacher wird. Ich glaube, es wird komplexer, es erfordert ein stärkeres Mitdenken: Zwar sind Informationen unendlich verfügbar, aber wie setzt man dieses Wissen richtig ein, wie nutzt man diese Informationsfülle adäquat?

Wie wird sich diese neue Arbeitswelt auf die neuen Jobprofile auswirken?

Die Mitarbeiter müssen selbständiger arbeiten – und schaut man sich die nachkommenden Generationen an, wollen sie das auch. Als Vorgesetzter muss man in diesen Tagen lernen neue Freiräume zu schaffen. Gleichzeitig darf man aber auch die Mitarbeiter nicht vernachlässigen, die weiterhin lieber eng geführt werden möchten.

Wo sehen Sie unsere Sozialsysteme in 10 Jahren?

Offen gesagt übertreiben wir es in Deutschland etwas mit den sozialen Absicherungen. Ein Sozialsystem kann nur dann dauerhaft funktionieren, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam dazu beitragen. Sprich: Es sollte das gemeinsame Ziel von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sein in einer gesunden Firma zu arbeiten – und das bedeutet eben auch Abstriche auf beiden Seiten.

Wir sind da ein gutes Beispiel: Wenn es der Firma gut geht, gebe ich das auch gerne an die Mitarbeiter weiter. Aber im Moment müssen wir alles in die Innovation und Modernisierung der Firma stecken, sonst gibt es irgendwann keine Firma mehr, die irgendetwas geben kann. Wenn dann an einem solchen Punkt die Tariflohnerhöhungen kommen, denke ich: Klar, das steht den Arbeitnehmern zu. Aber ich denke auch: Hey, das müssen wir alle zusammen erst einmal erwirtschaften. Und nicht nur für morgen und übermorgen, sondern dauerhaft.

Älter werden ist für mich…

...in erster Linie mehr Reife und Erfahrung zu besitzen, und diese an die jüngere Generation weiter geben zu können. Als ich in einem bestimmten Alter in einer bestimmten Position war, war es ja genauso: Da hatte ich Vorgesetzte mit viel Erfahrung, von denen man viel lernen konnte. Man gibt also im Alter etwas weiter und lässt gleichzeitig auch los. Privat bedeutet älter werden vor allem, sich für manche Dinge bewusst mehr Zeit zu nehmen, zum Beispiel private Kontakte zu pflegen.

Was schätzen Sie am Unternehmensstandort Wernau und Baden-Württemberg?

Als ganz außerordentlich empfinde ich hier die Unterstützung der Verbände und der Organisationen – gerade auch für kleinere Unternehmen wie das unsere. Wir haben die Handelskammer, wir haben den Arbeitgeberverband, der uns ohne allzu hohe Kosten in vielen rechtlichen Fragen zur Seite steht, wir sind Mitglied des VDMA, in dem man ebenfalls Gehör findet. Das ist nicht selbstverständlich. Ich glaube viele im Ausland beneiden uns um diese Struktur und die Ressourcen, auf die wir hier zugreifen können.

Über das Unternehmen:

1908 gründete Josef Albrecht die heutigen Albrecht Präzisionswerke. 1932 wurde das erste schlüssellose, sich selbst spannende Bohrfutter der Welt erfunden. Eine Erfindung, die sich in wenigen Jahren weltweit durchsetzte und auch in der Chrirurgie zum Einsatz kommt. Kernprodukt des Unternehmens ist mittlerweile das Hightech-APC-Präzisionsspannfutter speziell für die sehr anspruchsvolle Zerspanung schwieriger Werkstoffe bei höchstem Zeitspanvolumen. Heute beschäftigt ALBRECHT rund 55 Mitarbeiter – und liegt mit 90 Prozent der Geschäftsanteile weiterhin in Familienhand.

Südwestmetall
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Datum: 19.9.2019

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