#ShowMEyourdesk mit Wolfgang Hertel

Er ist begeisterter Rennradfahrer. Der Schwabe besitzt 7 Fahrräder und fährt gern die 40 Kilometer zu seinem Arbeitsplatz mit dem Rennrad. Wenn er kurz vor halb sechs zu Hause losfährt, denkt er nicht nur über die anstehende Personalarbeit nach, sondern auch über Welthandel und die Weiterentwicklung der Sozialsysteme.

Herr Hertel, Wie würden Ihre Kinder Sie vorstellen?

Ich habe zwei Kinder, 23 und 25 Jahre alt. Beide studieren Maschinenbau. Über mich würden sie sicher sagen, ihr Vater ist nur Rennrad gefahren. Sie würden auch sagen: "In seiner Arbeit als Personaler hat er so viele unterschiedliche Personen und Reaktionsweisen erlebt, dass er ein hohes Verständnis für Menschen hat. Er erwartet von seinen Mitmenschen, dass sie etwas aus ihrem Potenzial machen. Von ihm gibt es den Spruch 'Qualität kommt von Quälen.' Er meint damit, etwas mit Leidenschaft zu tun. Er zählt darauf, dass wir Verantwortung für unser Leben, für unsere Berufswahl und für andere Themen übernehmen."

Was wollten Sie mit 10 Jahren werden und was arbeiten Sie heute?

Mit 5 wollte ich König werden. Damals war gegenüber vom Kindergarten eine Baustelle, die wir beobachteten. Als ich gefragt wurde, warum ich König werden will, soll ich gesagt haben: Weil die Männer da drüben so schwer arbeiten müssen.

Das Kaufmännische war dann der richtige Weg für mich. Nach der Hauptschule habe ich Kaufmann gelernt. Mit 18 stieg ich aus dem Beruf aus. Dann Bundeswehr. Realschule und Abitur nachholen. Nach der Bundeswehr Wirtschaftswissenschaften in Stuttgart-Hohenheim studieren. Mit 28 ging ich zurück in den Beruf und wurde Personalleiter. Nun bin ich seit knapp 10 Jahren bei Metabo als Direktor Personal und Soziales verantwortlich für die ganze Arbeit, die in einem typischen Personalbereich anfällt und habe in gewisser Weise doch etwas mit Bauhandwerk zu tun.

Welche drei Menschen beeindrucken Sie und warum?

Ich bin begeistert von Beethoven, Bach, Mozart, von großen Literaten. Mich beeindruckt, was sie in ihrer Zeit hingekriegt haben. Aber wer hat mich geprägt? Da fallen mir mein Realschullehrer, meine Eltern und mein erster Chef ein. Es sind die Menschen, die mir am meisten geholfen oder gedient haben.

Mein Realschullehrer hat mir die Freude am Lernen gezeigt. Er war es auch, der mir beibrachte, dass Beruf von Berufung kommt. Dass Arbeit Freude und Spaß bedeuten kann. Das ist mir in meinem Leben ganz wichtig geworden.

Sehr beeindruckt haben mich meine Eltern. Beide sind vertriebene Flüchtlingskinder aus dem Sudetenland. Beide hatten keine Chance, einen Beruf zu lernen und doch ihr Leben gemeistert. Sie unterstützten mich als ich nach der Ausbildung das Abitur nachholen und dann zur Uni wollte. Ich war der Erste aus der ganzen Familie, der studiert hat. Meine Eltern haben mich gestärkt und mitfinanziert.

Von meinem ersten Chef lernte ich, dass man von einer Führungsfunktion einen Mehrwert verlangt. Dass wir dem Unternehmen mindestens eine Mark mehr bringen, als wir insgesamt kosten. Stark hat mich sein Satz geprägt: "Die Dinge richtig zu tun ist nötig, aber die richtigen Dinge zu tun ist entscheidend." Entscheidend ist, die Abteilung weiterzubringen. Also nicht nur freuen, dass mit viel Fleiß die Tagesarbeit erledigt ist. Sondern immer überlegen, was ist der nächste Schritt?

Sind Sie eher Bewahrer oder Innovator, Anleger oder Sparer, Lokalpatriot oder Weltenbummler?

Ich gehe gern neue Themen an und gestalte eher. Ob ich deswegen innovativ bin? Bewahren und "Das machen wir schon immer so, das bleibt so." mag ich nicht. Was gut ist, behalte ich bei. Dazu gehört aber auch zu schauen, wie man Dinge erfolgreicher umsetzen könnte.

Anleger oder Sparer? Wohl beides. Mir war schon immer wichtig, sich was zu gönnen und dennoch so viel auf der Seite zu haben, dass ich frei entscheiden und mit den Konsequenzen daraus leben kann – ohne ins finanzielle Nichts zu fallen.

Ich halte mich sowohl für einen Lokalpatrioten als auch einen Weltenbummler. Über den Jahreswechsel war ich auf dem Kilimandscharo. Die Idee dazu entstand während einer Safari in Tansania. Es ist sensationell schön, wenn man aus der Savanne im Gegenlicht eine Giraffe sieht – und ganz weit im Hintergrund einen 6.000 Meter hohen Berg. Als ich das mit meiner damaligen Frau erlebte, war schnell klar: Da will ich hoch. Genauso gern laufe ich auf den Feldberg und bin begeisterter Rennradfahrer. Wann immer es geht, bin ich dafür draußen – auf den Landstraßen oder mit dem Mountainbike im Wald.

Welches Thema verfolgen Sie aktuell in den Medien am intensivsten, weil es Sie persönlich beschäftigt?

Den Handelsstreit. In den USA regiert ein Politiker, der das Land führt, als ob es ein Konzern wäre. Für mich als Weltbürger und Ökonom ist schon interessant, wie stabil unsere Demokratie und Wirtschaft ist, dass man diesen Mann erträgt. Und ich bin nicht frei von der Befürchtung, dass wir da von einer riesigen Vertrauenskrise in eine Konsumkrise und dann eine richtig große Wirtschaftskrise rutschen.

Stichwort New Work: Was verbinden Sie damit und was ist das für Sie konkret?

Heute gilt: Wenn ich gut arbeite, bekomme ich gutes Geld. Dazu gehört auch, Aufgaben zu erledigen, die keinen Spaß machen. Jetzt kommt eine Generation, die mehr Selbstbewusstsein mitbringt. Die völlig anders zusammenarbeiten – in Projekten und nicht mehr in strammen Einheiten. Sie sagen, Geld will ich verdienen, aber nicht mehr in diesen starren Vorgaben. Ich will auch mal vom Freibad aus arbeiten. Dank Smartphones ist das ja möglich.

Wir müssen die Fähigkeiten dieser Menschen entdecken und versuchen, sie für den Betrieb zu nutzen. Dazu brauchen wir Führungskräfte, die bereit sind, sich zu öffnen. Denn was bringt es, wenn ich als Personaler so einen Menschen einstelle – und dann geht dieser Mitarbeiter unter und verlässt über kurz oder lang das Unternehmen, weil sein Chef diese Art zu arbeiten weder akzeptiert noch ermöglicht?

Schon in der Personalauswahl müssen wir uns verändern. Wir werden heute gefragt: Habt ihr einen Betriebsrat? Gibt es eine Kantine? Welche Sozialleistungen bietet Metabo? Gibt es eine betriebliche Altersversorgung? Da hätte ich vor 10 Jahren gesagt, so einen Mitarbeiter brauche ich nicht. Wir müssen aber lernen als Personaler, die ein bisschen älter sind, dass das berechtigte Fragen sind.

Metabo hat einen guten Ruf. Bei uns gehen 6.000 bis 7.000 Bewerbungen pro Jahr ein. Wir sind vermutlich der letzte Elektrowerkzeughersteller, der in Deutschland so eine hohe Fertigungstiefe hat. Wir sind so gut, weil wir alles selbst produzieren. Dafür brauchen wir gute Leute. Was bisher kein Problem ist, auch dank unseres Metalltarifvertrags. Wir wissen, das ist nicht billig, was wir da zu zahlen haben. Aber es ist eine Tatsache, dass wir so eher eine Chance haben, gute Arbeitskräfte zu gewinnen.

Wie wird sich diese neue Arbeitswelt auf die neuen Jobprofile auswirken?

Es wird stärker in Projekten gearbeitet. Das wird die Führung deutlich verändern. Als Führungskraft in Projekten muss ich mich anders bewegen als in einer klassischen Funktion in einer Abteilung. Denn dann habe ich immer wieder neue Menschen, die ich zusammenbringen muss.

Wir müssen bereit sein, noch mehr über flexible Arbeitszeiten nachzudenken. Wir müssen akzeptieren, dass wir vieles gar nicht vom Büro aus erledigen, sondern auch vom Baggersee. Und wir müssen dann von Politik und Tarifparteien verlangen, dass Arbeitszeitgesetze dahingehend verändert werden, dass solche Dinge auch möglich sind.

Dann wird es Verschiebungen geben, dass einfache Arbeiten wegfallen. Wir werden mit weniger Mitarbeitern dasselbe oder mehr Umsatz machen. Und das in allen Bereichen. Sei es in der Buchhaltung oder in der Fertigung, wo bei uns jetzt vernetzte Computer eingesetzt werden und Roboter die Dinge herstellen, die früher Leute produziert haben.

Das ist ein schleichender Prozess. Wir im Personalbereich sind guter Dinge, dass wir das durch eine gute Konjunktur auffangen. Wir haben unser Weiterbildungs-Budget umgeschichtet in Richtung Digitalisierung, um die ganze Belegschaft vorzubereiten. Was kommt? Worauf müssen wir uns vorbereiten? Wie geht das?

Wo sehen Sie unsere Sozialsysteme in zehn Jahren?

Die Rente ist sicher, glaube ich. Wenn die Politik sich nicht zu sehr einmischt. Die ganzen Wahlgeschenke finde ich leidlich. Für mich sind die Sozialversicherungssysteme dann stabil, wenn man bereit ist zu sagen, die Bürger in Deutschland werden immer älter und immer fitter.

Ich bin ehrenamtliches Ausschussmitglied der Deutschen Rentenversicherung. Früher wurde eine Regelarbeitsrente ab 65 gezahlt. Die Menschen wurden 72 oder 73 Jahre alt. Bis zu ihrem Tod freuten sie sich also über 8 Jahre im Schnitt. Heute liegt das Durchschnittsalter bei 80, bei Frauen sogar etwas höher. Wir reden also von 15 Jahren – einer doppelt so langen Rentenzeit.

Jetzt kann man natürlich sagen, das ist schön für die Leute. Aber ein Rentensystem kann das nicht schaffen. Deswegen bin ich dafür, dass Menschen bis zum 70. Lebensjahr arbeiten. Oder, wenn sie mit 65 gehen, dann mit Abschlägen. Zudem brauchen wir von Unternehmensseite mehr Angebote für eine betriebliche Altersversorgung.

Das setzt natürlich auch voraus, dass Unternehmen bereit sind, jeden Mitarbeiter so lange arbeiten zu lassen. Als Personaler weiß ich, da gibt es Leute, da freue ich mich, wenn sie uns deutlich länger erhalten bleiben. Ich sehe aber auch die Kollegen, die schon mit 50 die Alterssicherung herbeisehnen und nur noch an ihren bevorstehenden Ruhestand denken.

Älter werden ist für mich…

… eine Last und eine Lust. Älter werden heißt für mich, dass man sehr viel Lebenserfahrung hat. Man weiß wie was geht, wie was funktioniert. Aber mit jedem Lebensjahr, das wir älter werden, lässt die Kraft um 1 Prozent nach. Ich merke es zum Beispiel am Sport. Heute muss ich mich halt auf die Schönheit der Natur beschränken. Es nützt nichts mehr, ständig auf die Stoppuhr zu schauen und zu sagen: "Letztes Jahr war ich aber 5 Minuten schneller." Das muss man akzeptieren.

Was schätzen Sie am Unternehmensstandort Nürtingen?

Der Schwabe wird als schaffiger Mensch beschrieben. Das kann ich bestätigen. Zudem spüre ich hier die Verbundenheit mit dem, wo man lebt, wo man arbeitet.

Als Personaler gesprochen sind wir im Großraum Stuttgart bevorzugt. Wir leben in einem Ballungsgebiet mit vielen Arbeitskräften. Wir haben alle wichtigen Bildungsträger vor Ort: gute Berufsschulen wie auch erstklassige Hochschulen. Wir sind hervorragend angebunden. Wir haben die Autobahn um die Ecke. In einer Viertelstunde sind wir am Flughafen. Das Kulturangebot ist vielseitig hier. Obendrein noch eine tolle Landschaft. Dann haben wir auch lokale Unterstützung für unsere Anliegen. Da werden wir verstanden – ob das von Politikern ist oder von Bürgermeistern. Das schätzen wir am Standort schon sehr.

Über Metabowerke

1923 baute Albrecht Schnizler die erste Handbohrmaschine. Dieser Metallbohrdreher ist Pate für den Namen Metabo. Heute hält das Unternehmen aus Nürtingen im Großraum Stuttgart mehr als 700 Patente und Schutzrechte. Spezialisiert auf robuste, leistungsstarke und ergonomische Profi-Lösungen entwickelt und produziert der Betrieb eine breite Palette an Elektrowerkzeugen für den Einsatz in Bauhandwerk und Renovierung sowie Metallhandwerk und metallverarbeitender Industrie. Bohren, Schrauben, Sägen, Schleifen, Trennen – all das soll kabellos auch unter härtesten Bedingungen möglich sein. Neben kabelgebundenen und druckluftbetriebenen Werkzeugen stehen daher akkubetriebene Maschinen im Fokus des Mittelständlers.

Südwestmetall
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Datum: 19.9.2019

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