Zumeldung zum INSM-Bildungsmonitor: Schwaches Abschneiden Baden-Württembergs bei Digitalisierung muss „Weckruf“ sein

Küpper: „Wir brauchen dringend ein pädagogisches Gesamtkonzept, um bei Zukunftsthemen nicht den Anschluss zu verlieren“

STUTTGART – Als „Weckruf“ haben die Arbeitgeber der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie (M+E) etliche Landesergebnisse des neuen „Bildungsmonitors“ im Bereich Digitalisierung bezeichnet. „Das Industrie- und Hightech-Land Baden-Württemberg rutscht ausgerechnet bei Zukunftsthemen ins Mittelmaß ab“, sagte Stefan Küpper, Geschäftsführer Politik, Bildung und Arbeitsmarkt des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, am Mittwoch in Stuttgart: „Wir brauchen hier dringend ein pädagogisches Gesamtkonzept, um den Anschluss nicht zu verlieren.“

 

In der Gesamtwertung des Bildungsmonitors belegt Baden-Württemberg im Bundesländervergleich wie im Vorjahr den 6. Rang. „In der beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie im dualen Studium liefert die Wirtschaft in Baden-Württemberg weiter zuverlässig auf qualitativ und quantitativ hohem Niveau“, sagte Küpper: „Sorgen bereiten aber immer mehr die ausbleibenden Bewerber für eine Berufsausbildung oder ein duales Studium.“ Unverändert liege das Land bei Ganztagesangeboten zurück, was viele junge Eltern daran hindere, in Vollzeit zu arbeiten. Dies erschwere aber auch, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, die dann bei der Kinderbetreuung nicht auf familiäre Unterstützung zurückgreifen könnten.

 

Alarmierend fielen jedoch insbesondere Ergebnisse rund um das Zukunftsthema Digitalisierung aus. Zwar belege Baden-Württemberg hier im Gesamtergebnis einen guten 3. Rang. Dies werde jedoch vor allem von Spitzenplätzen am Ende der Bildungskette, etwa bei Digitalisierungspatenten oder einer hohen Anzahl von MINT-Hochschulabsolventen getragen. Ganz anders sehe es jedoch in den Frühbereichen der digitalen Bildung aus, die für den Fachkräftenachwuchs entscheidend seien.

 

Vor allem der letzte Platz bei den computerbezogenen Kompetenzen von Schülern steche dabei ins Auge, so der Südwestmetall-Geschäftsführer. Auch bei den Bedingungen für die Nutzung digitaler Medien sei man gemeinsam mit Thüringen Schlusslicht. Bei Breitbandausbau, Ausstattung der Schulen oder Fortbildungsangeboten liege das Land nur im Mittelfeld, der pädagogische Support werde eindeutig negativ bewertet. „Bei Infrastruktur und Ausstattung ist in den letzten Jahren immerhin einiges passiert – auch wenn man noch mehr machen könnte“, sagte Küpper: „Es fehlt aber sichtlich ein Gesamtkonzept, in dem etwa Bildungsplan, Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte und funktionierende Bedingungen für die Nutzung digitaler Medien ineinandergreifen.“ Dazu gehöre unter anderem eine funktionierende Lernplattform, ein übergreifendes Medienkonzept und ein ausreichender pädagogischer Support.

 

Der Bildungsmonitor wird vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), einer von den Metallarbeitgebern getragenen Organisation, erstellt. Die seit 2004 jährlich erstellte Studie misst in einem Vergleich der Bundesländer anhand verschiedener Indikatoren, inwieweit das Bildungssystem zum Wachstum und Wohlstand im jeweiligen Bundesland beiträgt.

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Volker Steinmaier

Referatsleiter Medienarbeit Print, Rundfunk und TV

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