ERA - Was ist das?

ERA ist in unserer Branche eine etablierte Abkürzung. Sie steht für das Entgelt-Rahmen-Abkommen, das wir gemeinsam mit unserem Sozialpartner IG Metall Baden-Württemberg am 23. Juni 2003 abgeschlossen haben.

Mit diesem Abkommen haben wir die Entgeltstruktur in der Metall- und Elektroindustrie (M+E) neu gestaltet, die Regeln für die Bewertung von Arbeitsaufgaben neu geschrieben und einheitliche Kriterien für Arbeiter und Angestellte etabliert.

Der Weg war steinig und schien endlos: Mehr als zehn Jahre lang dauerte allein der Entwicklungsprozess. Weitere sechs Jahre kamen on top, bis die Unternehmen das ERA-System eingeführt und etabliert hatten. Auch deshalb gilt ERA in der Tarifpartnerschaft der M+E-Branche als das Jahrhundertwerk.

Heute steht der Entgeltrahmentarifvertrag (ERA-TV) für ein modernes und gerechtes Vergütungssystem in unserer Branche.

Nun wird ERA so selbstverständlich gelebt, wie man abends ins Bett geht. Otmar Zwiebelhofer, Vorsitzender von Südwestmetall 2000-2006

Was genau das System ERA auszeichnet und wie es aufgebaut ist, erklären wir nachfolgend ausführlich. Wir laden Sie herzlich dazu ein – wann immer Ihnen die drei Buchstaben begegnen – in unserem Hub das aktuelle ERA-Wissen anzuzapfen.

Warum wurde ERA notwendig?

Was ERA ist, haben wir bereits erläutert. Nun möchten wir der Frage nachgehen, warum ERA notwendig wurde.

Zunächst einmal war es nicht mehr zeitgemäß, zu trennen zwischen Arbeitern und Angestellten und diese nach verschiedenen Kriterien zu bewerten und zu entlohnen. Um auch möglichen rechtlichen Risiken zu begegnen – Stichwort Gerechtigkeit – war die Zeit reif, diese Unterscheidung zu beseitigen.

Der zweite Grund waren die etwas verstaubten Regeln, die herangezogen wurden, um die Leistung und Belastungen zu ermitteln und zu entlohnen.

Der dritte Grund war der technologische Wandel, der in den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie immer mehr und schneller einkehrte. Das zog zum einen moderne Organisationsformen nach sich. Zum anderen veränderte sich der Arbeitsmarkt, denn neue Technologien erforderten neues Wissen und andere Kompetenzen. So waren technische Fachkräfte schnell gefragter, das alte Lohnsystem berücksichtigte diese Entwicklung aber nicht. Das hatte zur Folge, dass einfache kaufmännische Jobs besser vergütet wurden als die gefragten technischen Berufsbilder.

Ein modernes Vergütungssystem musste also her.

Tarif-Meilenstein ERA

Wie alles begann

Mehr über die Geschichte von ERA erfahren Sie in unserem Tarif-Meilenstein.

Was hat ERA verändert?

Ausgehend von der damaligen Situation war uns Sozialpartnern klar: Wir müssen das Vergütungssystem neu denken. Dabei folgten wir der Maxime: Gleichwertige Arbeit muss gleich entlohnt werden.

Dieser Grundsatz hatte für die Tarifparteien einmalige historische Bedeutung. Bei ERA ging es nämlich nicht darum, übergeordnete Bedingungen wie Urlaub oder Arbeitszeit zu regeln, sondern darum, jeden Arbeitsplatz neu zu bewerten. Und das traf folglich jeden Mitarbeiter individuell.

Unser Ziel war es, ein modernes und gerechtes Arbeitsbewertungssystem für alle Beschäftigten zu entwickeln. Einheitliche Kriterien sollten ermöglichen, die tatsächliche Arbeitsaufgabe und Leistung zu bewerten, unabhängig vom Ausbildungsgrad oder Berufsbild.

Die wesentliche Reform: Ein neues Bewertungssystem mit fünf Merkmalen und einer je nach Ausprägung abgestuften Punktebewertung. Die Summe aller Punkte ergibt die Entgeltgruppe und damit das Grundentgelt eines Mitarbeiters.

Ein Katalog mit 122 verbindlichen Niveaubeispielen hilft bei der Bewertung: Hier werden typische Arbeitsaufgaben und die dafür unerlässlichen Anforderungen beschrieben.

Der Katalog hilft auch solche Arbeitsaufgaben zu bewerten, die nicht konkret ausformuliert sind, denn wichtig für das Verständnis ist: Im Katalog werden nur wertigkeitsprägende Anforderungen beschrieben und keine Berufsprofile, Berufsabschlüsse oder konkrete Stellenbeschreibungen. Das erfordert zwar viel Abstraktionsvermögen, die Vorteile sind jedoch immens:

Zum einen macht ERA die Entgeltfindung transparent – für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Ein Anlagenmechaniker sieht genau, wo er mit seinem Entgelt innerhalb des gesamten Unternehmens steht. Gemäß ERA hat er nämlich das gleiche Anforderungsprofil wie ein Bilanzbuchhalter oder ein Personalsachbearbeiter und ist eingestuft in die Entgeltgruppe 9.

Zum anderen ermöglicht ERA eine Bezahlung, die sich nach tatsächlicher Aufgabe und Leistung richtet.

Das Bewertungssystem

ERA prägt eine Arbeitsaufgabe in ihrer Wertigkeit. Wie das funktioniert und wie Niveaubeispiele helfen, lesen Sie hier!

ERA-Entgeltstruktur

In der Zeit vor dem ERA-Tarifvertrag hatte die Metall- und Elektro-Branche keine Entgeltgruppen, sondern Lohngruppen für Arbeiter und Gehaltsgruppen für Angestellte. Und davon jede Menge, nämlich 65!. Damals wurden kaufmännische Angestellte, Techniker und Meister in eigenen Gehaltsgruppen gesondert ausgewiesen. Heute haben wir 17 Entgeltgruppen, die für alle Beschäftigten gelten und das Grundentgelt stellen.

Die Leistungs- und Belastungszulage sind – wie bisher auch – ebenfalls Teil der Entgeltstruktur, allerdings werden sie heute nach modernen Kriterien ermittelt. Damit gibt es drei typische ERA-Entgeltbausteine:

  1. Grundentgelt
  2. Leistungsentgelt
  3. Belastungszulage

Die Anforderungsmerkmale

Grundentgelt, Leistungsentgelt, Belastungszulage - das sind die 3 typischen ERA-Entgeltbausteine. Erfahren Sie mehr zu den jeweiligen Bewertungsmerkmalen!

ERA-Entgelte und ihre Entwicklung

Sie wissen nun, was ERA verändert hat und welche typischen ERA-Bausteine eine monatliche Entgeltabrechnung enthält. Doch wie viel verdient man in der M+E-Industrie und wie haben sich die Entgelte entwickelt?

Auf den Punkt gebracht: Die Entwicklung ist gigantisch. So gigantisch, dass die Metall- und Elektroindustrie heute zu den bestbezahlten Branchen Deutschlands gehört. Sichtbar wird das an einer Zahl: In der baden-württembergischen M+E-Industrie verdient eine ungelernte Hilfskraft, die einfachste Arbeiten ausübt, laut der aktuellen ERA-Tabelle, wenn man Leistungsentgelt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld mit einrechnet, 20 Euro pro Stunde (Entgeltgruppe 1).

Ist das gut? Jaein

Positiv wirken sich die Tarifsteigerungen für Firmen aus, wenn sie sich im Kampf um die besten Fachkräfte nicht hinter der Bezahlung verstecken müssen.

Negativ wirken sich die hohen Tarifabschlüsse auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen aus. Warum? Weil zuerst erwirtschaftet werden muss, bevor verteilt werden kann.

Seit 2012 sind die Entgelte um 28,1 Prozent gestiegen, während sich die Inflation zeitweise auf der Nulllinie bewegte. Die Produktivität stagniert ebenfalls seit Jahren und die Gewinne sind in unserer mittelständischen Industrie längst nicht so üppig, wie viele meinen.

Wenn also die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer Branche nicht im Gleichklang steht mit den Kosten, dann wird es auf lange Sicht gefährlich: Die Unternehmen können nicht mehr ausreichend investieren in Forschung und Entwicklung, neue Technologien und Produkte. Und wenn das passiert, dann brauchen sie hierzulande auch keine Fachkräfte mehr.

ERA-Verdienste und ERA-Tabelle

Die Entgelte heute

Vergleiche, Fakten und die aktuelle ERA-Tabelle zum Download gibt es hier!

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Datum: 20.11.2019

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