Entgelte: Entwicklung und ERA-Tabelle

Würden Sie gerne mehr verdienen als heute? Eine rhetorische Frage, das wissen wir. Die Antwort aus Sicht eines Arbeitnehmers liegt auf der Hand - bei Bezahlung gilt: Mehr ist immer gut.

Aber es gibt noch die Sicht der Arbeitgeber und die Antwort lautet hier: Angemessen ist gut. Warum ist das so? Wollen die Unternehmen ihre Belegschaften etwa nicht gebührend am Erfolg teilhaben lassen? Schließlich könnten Arbeitgeber ohne qualifizierte und fleißige Mitarbeiter wohl kaum Gewinne verbuchen…

Dieser Frage gehen wir nach und zeigen Fakten, Rechnungen sowie Branchenvergleiche. Die aktuelle ERA-Tabelle Baden-Württemberg stellen wir ebenfalls zum Download bereit.

Hochlohnbranche Metall- und Elektro?

Wir starten mit einem Überblick und zeigen, wie viel ein Mitarbeiter heute in unserer Branche verdient. Vorab: Das Durchschnittsgehalt im Jahr 2018 lag in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie (M+E) bei 65.000 Euro brutto.

Doch wissen wir, dass ein Durchschnitt nur bedingt aussagekräftig ist. Deshalb sind wir der Frage nachgegangen: Was verdient ein Ungelernter in unserer Industrie, wenn wir die niedrigste Entgeltgruppe, die EG 1, heranziehen? (Anm. der Redaktion: An- und Ungelernte werden in der M+E-Industrie je nach Anforderungsniveau in den Entgeltgruppen 1 bis 6 eingestuft.)

In der EG 1 beträgt das monatliche Grundentgelt 2.398 Euro. Übersetzt auf die 35-Stunden-Woche liegt unser Branchen-Mindestlohn folglich bei 15,75 Euro. Gemäß unserer ERA-Entgeltstruktur kommt zum Grundentgelt das Leistungsentgelt hinzu. Dieses liegt in der Regel bei 15 Prozent. Das wären dann weitere rund 360 Euro. Liegen Belastungen am Arbeitsplatz vor, wie zum Beispiel Lärm, monotone Arbeit oder starke Muskelbelastung, dann wird eine Belastungszulage ermittelt und zusätzlich bezahlt. Der niedrigste Betrag liegt bei 81,01 Euro.

Mit dem neuen Tarifvertrag T-ZUG (TV T-ZUG) sowie den tariflichen Sonderzahlungen Urlaubs- und Weihnachtsgeld kommen weitere monetäre Komponenten on top. Die Rechnung für das Jahr 2019 sieht folgendermaßen aus:

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So viel verdient man bei M+E in der untersten Entgeltgruppe im Jahr 2019.

Runtergebrochen auf die einzelne Arbeitsstunde ergibt sich hieraus ein Stundenlohn von 20,62 Euro für die einfachsten Arbeiten, die sofort beziehungsweise mit geringer Anlernzeit ausgeübt werden können. Nicht berücksichtigt sind mögliche Wechselschichten oder ein 2-Schicht-Betrieb. Würde der Beschäftigte aber schichten, dann läge sein Jahres-Brutto bei über 40.000 Euro.

Diese Rechnung ließe sich 1:1 auf alle Entgeltgruppen übertragen. Wir kürzen ab und zeigen noch ein Beispiel: Ein Facharbeiter nach einer 3 bis 3,5-jährigen Berufsausbildung in der Entgeltgruppe 7 verdient mehr als 50.000 Euro brutto – ohne Schichtarbeit und bei einer 35 Stunden-Woche.

Doch was sagen unsere Berechnungen aus, wenn eine Relation fehlt? Noch beantworten sie nicht die Frage, ob die Metall- und Elektro-Branche eine Hochlohnindustrie ist. Um hier Licht ins Dunkel zu bringen, soll ein Branchenvergleich helfen.

Tarifverdienste Metall- und Elektro im Vergleich

Für den Vergleich haben wir Daten des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg herangezogen und die durchschnittlichen Jahresverdienste 2018 der vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer inklusive Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld betrachtet:

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Tarifverdienste Baden-Württemberg im Vergleich (2018)

Bei dieser Grafik wird deutlich: Bis auf die Chemische Industrie, in der sehr viele hoch qualifizierte Beschäftigte arbeiten, klaffen die Verdienste sichtbar auseinander. Also ein klares „ja“ auf die aufgeworfene Frage: Die M+E-Industrie ist eine Hochlohnbranche!

Der Branchen-Vergleich zeigt vor allem eins: Die Entgelte bei M+E galoppieren davon. Allein seit 2012 sind sie um 28,1 Prozent gestiegen.

Solange sich derartige Steigerungen an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Unternehmen orientieren, ist alles im grünen Bereich.

Jedoch: Die Metall- und Elektroindustrie zählt zu den innovativsten Branchen des Landes. Und das bedeutet im Umkehrschluss, dass sie viel in die Zukunft, nämlich in Forschung und Entwicklung (F&E) sowie in neue Technologien investieren muss. Was sie auch tut – bisher. Nämlich jährlich 18 Milliarden Euro viel! Mehr als drei Viertel aller F&E-Mittel der baden-württembergischen Wirtschaft stammen von M+E-Betrieben.

Wenn jedoch die Kosten – und dazu zählen eindeutig die Entgelte in unserer Branche – zu hoch ausfallen, wirkt sich das nachteilig auf die Investitionsfreudigkeit der Unternehmen aus. Denn sie müssten mehr erwirtschaften, um sowohl höhere Entgelte als auch höhere Investitionen zu finanzieren. Letztere sind unausweichlich, da kaum eine andere Branche so stark vom technologischen Wandel betroffen ist wie die M+E-Industrie – Stichworte Elektromobilität und Digitalisierung.

Doch mit dem „mehr Erwirtschaften“ ist das so eine Sache: So viele Gewinne schreiben die M+E-Unternehmen gar nicht, wie viele meinen. Fälschlicherweise werden die Schlagzeilen von wenigen Konzernen wie „ABC wächst und erzielt Rekord-Gewinn“ gedanklich übertragen auf die gesamte Branche. Doch die Realität sieht, wie so oft, viel diffiziler aus:

Ertragslage 2018 der Metall- und Elektroindustrie

Ertragslage Metall- und Elektro: Es gibt auch Verluste

Deshalb ist der Grundsatz wichtig: Entgeltabschlüsse müssen sich an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der gesamten Branche orientieren und nicht nur an den Leuchttürmen. Und sie müssen langfristig angelegt sein, damit wir auch weiterhin mit Innovationen weltweit aufwarten können.

Südwestmetall
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Datum: 20.11.2019

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