Sind Arbeitnehmer und Arbeitgeber Gegner? Wir sagen nein!

Wenn eine Tarifrunde beginnt und die IG Metall vor den Verhandlungstoren Kundgebungen abhält, sieht das Land Rot: rote Fahnen, rote Pfeifen, rote Schals und rote Mützen. Die Bildwelt gehört der Gewerkschaft. Die Stimmung ebenfalls. Wer das selbst erlebt hat, denkt: Im Stadion einer Tarifverhandlung treffen zwei Superlativen aufeinander, aber die Gewerkschaft wird siegen. Doch das ist ein Irrtum!

Wieso haben wir den Mut, mit dieser steilen These gegen die in der Öffentlichkeit seit Jahrzehnten fest etablierte Meinung anzutreten? Weil wir hinter die Kulissen blicken! Es gibt nämlich weder Sieger noch Verlierer, doch dazu später mehr.

Beginnen wir mit einem Ausflug in die Geschichte der Tarifpartnerschaft: Weder Südwestmetall noch die IG Metall Baden-Württemberg sind zufällig entstanden. Vielmehr erfüllen beide Seiten einen gesetzlichen Zweck, nämlich das Recht, gemeinsam und unabhängig vom Staat einheitliche Arbeitsbedingungen für eine Branche zu verhandeln. In unserem Fall handelt es sich um die Metall- und Elektroindustrie (M+E) in Baden-Württemberg. Für die tarifgebundenen Unternehmen dieser Branche verhandeln wir mit unserem Sozialpartner Vergütungen, Arbeitszeiten, Urlaub oder Regelungen zu Zeitarbeit.

Im vorangegangenen Absatz stecken zwei wichtige Informationen, die es wert sind, vertieft zu werden: Erstens der gesetzliche Zweck und damit verbunden die Unabhängigkeit vom Staat. Zweitens die Komponente gemeinsam.

Frei verhandeln dank Tarifautonomie

Fangen wir mit dem gesetzlichen Zweck an: Das Grundgesetz ermächtigt im Artikel 9, dass Tarifvertragsparteien Koalitionen bilden dürfen. Den Zweck beschreibt der Gesetzgeber wie folgt:

"Das Recht, zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen Vereinigungen zu bilden, ist für jedermann und für alle Berufe gewährleistet."

Dieses Recht heißt Tarifautonomie, sie ist im Tarifvertragsgesetz konkretisiert. Die Geburtsstunde der Tarifautonomie schlug vor 100 Jahren, am 15. November 1918. An diesem Tag schlossen Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften das wegweisende Stinnes-Legien-Abkommen, mit dem sie sich gegenseitig anerkannten.

Infolge dieser Vereinbarung hat der Staat entschieden, dass Koalitionen eigenverantwortlich speziell auf eine bestimmte Branche zugeschnittene Arbeitsbedingungen aushandeln dürfen und sollen.

Tarifverträge aushandeln: Gemeinsam? Gemeinsam!

Wer uns bis hierhin treu geblieben ist, wird die Signalwörter wahrgenommen haben: gemeinsam, Tarifpartner, Koalition, gegenseitige Anerkennung ... Und hier sehen wir unsere These bestätigt. Denn am Ende bedeutet gemeinsam doch eins: Das Ergebnis ist ein Kompromiss – für beide Seiten.

Was wir damit sagen wollen ist: Die IG Metall im Land vertritt die Interessen der Arbeitnehmer, während wir die der Arbeitgeber im Blick behalten. Zwar wird in Tarifrunden immer hart gerungen. Letztlich eint aber beide Seiten ein gemeinsames Ziel: Die M+E-Branche soll erfolgreich sein, soll im internationalen Wettbewerb weiter an der Spitze stehen. Denn nur dann können die Unternehmen gut wirtschaften, nur dann können sie neue Arbeitsplätze schaffen und nur dann können sie die hohen Löhne in unserer Branche zahlen.

Die Sozialpartnerschaft und ihre Vorzüge

Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer hat die Tarifpartnerschaft viele Vorteile. Als Arbeitgeberverband streben wir zum einen den betrieblichen Frieden an, indem wir durch den Flächentarif grundlegende Arbeitsbedingungen regeln. Ein Arbeitgeber muss also in den von uns geregelten Feldern nicht mehr mit jedem einzelnen Mitarbeiter oder mit dem Betriebsrat verhandeln. Das entlastet die Personalabteilungen und sorgt für vergleichbare Arbeitsbedingungen in der Branche. Außerdem kann die IG Metall die Unternehmen während eines laufenden Tarifvertrags nicht gesondert bestreiken.

Eine erfolgreiche Tarifpartnerschaft besteht also da, wo nach der Maxime verfahren wird: Faire Tarifverträge – für beide Seiten.

Welche Ziele unser Sozialpartner anstrebt? Fragen Sie bitte dort nach.

Südwestmetall
Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e. V.

Löffelstraße 22–24
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Postfach 70 05 01
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Tel. +49 (0)711 7682-0
Fax +49 (0)711 7651675
E-Mail: info(at)suedwestmetall.de

URL: https://www.suedwestmetall.local/SWM/web.nsf/id/pa_swebbawnje.html
Datum: 24.4.2019

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