Deutschland braucht ein international konkurrenzfähiges Hochschulsystem, das qualifizierte Fach- und Führungskräfte für die Wirtschaft ausbildet. So wird es zum Motor für Innovation, stärkt Forschung und Entwicklung und sorgt für die Weiterentwicklung von Wissen.
Die Zahl der Studienanfänger und der Absolventenzahlen in den Ingenieurwissenschaften nimmt wieder zu – ein Zeichen dafür, dass auch unsere Bemühungen, den Nachwuchs für Technik zu begeistern, Früchte tragen. Allerdings belastet die hohe Abbrecherquote in den Ingenieurwissenschaften von nahezu einem Drittel der Studierenden diesen positiven Trend.
In Deutschland gibt es ein eklatantes Missverhältnis zwischen der Finanzierung von Forschung einerseits und Lehre andererseits – und zwar zu Lasten der Lehre. Im Unterschied zur Forschung fällt es uns in der Hochschullehre ungleich schwerer, die Finanzierung nach Wettbewerbs- und Leistungskriterien zu organisieren. Hohe Abbrecherquoten und eine Unterfinanzierung der Hochschullehre bedeuten eine enorme Verschwendung volkswirtschaftlicher und bildungspolitischer Ressourcen und Potenziale.
Was ist zu tun?
Mehr Studienanfänger müssen zu einem erfolgreichen Studienabschluss geführt werden. Hier bieten die besser strukturierten Bachelor- und Master-Studiengänge gerade in den Natur- und Ingenieurwissenschaften eine große Chance.
Die Qualität eines Studiengangs und einer Fakultät bemisst sich nicht an einer möglichst hohen Abbrecherquote, im Gegenteil: Die Lehre darf kein Nebenprodukt sein. Die Hochschullehre muss finanziell besser ausgestattet werden, dabei sollte von den nachfrage- und leistungsorientierten Finanzierungsprinzipien aus der Forschung gelernt werden.
Finanzierung neu gestalten
Ohne einen deutlich höheren privaten Finanzierungsanteil ist die Unterfinanzierung der Hochschullehre nicht aufzulösen. Studiengebühren sind dabei unverzichtbar. Aber auch die Wirtschaft ist hier in der Verantwortung, etwa über die Vergabe von Stipendien.
Die Phase der Studienvorbereitung muss besser in Form von Brücken- und Ergänzungskursen genutzt werden. Außerdem brauchen die Studierenden gerade in den ersten Semestern klare Ansprech- und Unterstützungsstrukturen, möglichst in Kombination mit Mentorenmodellen.
Vielfalt erwünscht
Bei der flächendeckenden Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen ist es für Unternehmen nicht entscheidend, ob zum Beispiel ein Bachelorstudiengang sechs, sieben oder acht Semester in Anspruch nimmt. Vielmehr geht es bei der konzeptionellen Gestaltung dieser Studiengänge um das richtige Verhältnis von fachbezogenen Kenntnissen, Praxis- und Berufsfeldbezug sowie überfachlichen Qualifikationen.
Dabei braucht die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg die große Vielfalt von forschungsorientierten über anwendungsorientierte Master-Absolventen bis hin zu praxisnahen Bachelor-Absolventen.