Die Tarifrunde – Wie läuft sie ab?

Eine Tarifrunde ist ein komplexes Unterfangen, in dem ein neuer Tarifvertrag von Arbeitgebern und Gewerkschaften für eine Branche verhandelt wird. Doch wie läuft eine Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie ab und welchen Regeln folgt sie? Das erklären wir hier!

Der Ursprung.

Der Ursprung jeder Tarifrunde unterliegt dem gesetzlichen Zweck, den die Sozialpartner – Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften – erfüllen. Der Zweck ist das Recht, gemeinsam und unabhängig vom Staat einheitliche Arbeitsbedingungen für eine Branche zu verhandeln. Dabei vertreten die Gewerkschaften die Interessen der Arbeitnehmer. So wie die Arbeitgeberverbände die Interessen der Unternehmer vertreten. Ziel ist es, Frieden im Betrieb zu wahren und Unternehmen Planungssicherheit zu geben.

Tarifpartnerschaft

Wer führt Tarifverhandlungen?

Das tun Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften. Erfahren Sie mehr über die Tarifpartnerschaft.

Der Auftakt.

Der Startschuss jeder Tarifrunde ist die Kündigung des bestehenden Tarifvertrages. Es folgt eine erste Forderung, die einer der Sozialpartner zu Beginn einer Tarifrunde kundgibt. Dabei kann es entweder um mehr Entgelt gehen, z.B. um eine Erhöhung des monatlichen Entgeltes oder um Sonderzahlungen, die neu hinzukommen oder erhöht werden sollen. Hier spricht man auch von quantitativen Forderungen. Oder es geht darum, sonstige Themen zu regeln, für die es sinnvoll ist, einheitliche Spielregeln in einer Branche zu schaffen, z.B.


  • mehr Spielraum bei der Arbeitszeit
  • neue Regelungen zur Qualifizierung
  • Regulierung des Einsatzes von Zeitarbeit.

Hier spricht man dann von „qualitativen“ Forderungen.

Tarifverhandlungen: So entstehen Forderungen für eine Tarifrunde

So entstehen Forderungen für eine Tarifrunde.

Die Regeln.

Tarifverhandlungen haben Regeln. Fest steht: Fordert die Gewerkschaft zunächst ein höheres Entgelt, so gibt das Enddatum des vorhergehenden Entgelttarifvertrages gleichzeitig den zeitlichen Verlauf für die anstehenden Verhandlungen vor.

Darüber hinaus gibt es in der Metall- und Elektroindustrie Verfahrensregeln, die für beide Parteien gelten. Sie regeln


  • den Zeitpunkt, an dem eine Forderung übermittelt sein muss
  • das Zeitfenster für einen verpflichtenden ersten Verhandlungstermin
  • eine vierwöchige IG Metall Friedenspflicht nach dem Ablauf des Tarifvertrages, innerhalb derer noch nicht gestreikt werden darf.

Der Ablauf.


Die Auftaktverhandlungen finden in allen Regionen statt. Der fordernde Sozialpartner erläutert zunächst dem Gegenüber seine Forderungen. Und es wird im weiteren Verlauf darüber diskutiert – beide Parteien positionieren sich.

Nachfolgend verdichten sich die Verhandlungen ausschließlich in einem sog. Pilotbezirk. Das heißt: Die Tarifparteien in einer Region übernehmen die Federführung und verhandeln ein Ergebnis, das dann im Nachgang auch in den anderen Regionen übernommen werden soll.

Soweit so gut. Aber wie wird eine Region zum Pilotbezirk? Hierfür gibt es keine klaren Spielregeln, oftmals hängt es an den handelnden Personen: Entscheidend kann beispielsweise sein, ob in einer Region ein besonderes fachliches Know-how zu einem Thema gebündelt ist. Oder es kann eine Rolle spielen, dass ein Verhandlungsführer mit Blick auf eine potentielle Karriere in der Gewerkschaft die Chance bekommen soll, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

So oder so: Jetzt geht ins Eingemachte.

In den darauffolgenden Verhandlungen werden die Forderungen und Gegenpositionen diskutiert. Die Sozialpartner versuchen Lösungen und Einigungen, unter Berücksichtigung der wechselseitigen Interessen, zu finden. Diese Phase wird regelmäßig von sukzessive intensiver werdenden Warnstreiks begleitet. Hierdurch erhöht sich der Druck auf die Arbeitgeber. Denn Warnstreiks bedeuten immer wirtschaftliche Einbußen.

Das Finale.


Das Finale ist immer ein Kompromiss der Forderungen und Gegenpositionen – für beide Seiten. In welcher Verhandlungsrunde dieser gefunden wird, ist stets unterschiedlich und kann von folgenden Faktoren abhängig sein:

  • Der Divergenz der Forderungen und Gegenpositionen
  • Der Anzahl der Beschäftigten, die an möglichen Warnstreiks teilnehmen
  • Dem Ausmaß der wirtschaftlichen Einbußen, die durch Warnstreiks entstehen   

Vor dem endgültigen Kompromiss sind die Verhandlungsrunden zäh und reichen häufig bis in die späte Nacht hinein. Die Sozialpartner diskutieren und entwerfen mögliche Szenarien zu den Forderungen. Regelmäßig gibt es Verhandlungsunterbrechungen, in denen der aktuelle Stand mit den eigenen Gremien durchgesprochen wird, immer mit der Zielrichtung, ein Ergebnis zu finden, das die Interessen beider Seiten ausreichend berücksichtigt.  Dies geht so lange, bis ein Kompromiss gefunden ist, der für beide Seiten akzeptabel ist!

Der Ablauf von Tarifverhandlungen

Ablauf einer Tarifrunde.

Südwestmetall
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Datum: 16.12.2019

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