Konjunktur Metall- und Elektroindustrie

Die wirtschaftliche Erholung in der Metall- und Elektroindustrie (M+E) verläuft mehr als ein Jahr nach dem schweren Einbruch durch die Corona-Pandemie weiterhin eher schleppend. Zwar sind die Auftragsbücher gut gefüllt, aber Materialengpässe und Störungen der Lieferketten bereiten der Industrie nach wie vor Schwierigkeiten. Die Erwartungen an die nächsten Monate lassen daher auch keinen eindeutigen Aufwärtstrend erkennen.

Auftragseingänge

An der Auftragslage liegt es nicht. Auch im August haben die baden-württembergischen M+E-Firmen erneut ein ordentliches Plus verbucht (9,4 Prozent), seit Jahresbeginn sind knapp ein Drittel mehr Aufträge eingegangen als im Vorjahr. Den deutlichsten Aufwärtstrend verzeichneten im August die Elektrotechnik und der Maschinenbau, die jeweils um mehr als ein Drittel zulegen konnten. Lediglich der Fahrzeugbau trübt das Gesamtbild: Er landete mit einem Rückgang von erneut 4,7 Prozent wie im Vormonat im Minus.

Produktion

Weniger positiv als die Aufträge entwickeln sich die Produktionszahlen. Zwar ging es im August mit knapp fünf Prozent nach der Seitwärtsbewegung im Vormonat wieder leicht aufwärts.  Allerdings zeigt sich auch hier ein nach Branchen gespaltenes Bild. Während Maschinenbau, Metallverarbeitung und Elektrotechnik zweistellig zulegen konnten, rauschte die Produktion im Fahrzeugbau erneut um fast ein Viertel (22,9 Prozent) in den Keller – was in Summe die Zuwächse der anderen Branchen teilweise egalisierte. Das Produktionsniveau liegt damit weiterhin unter dem Indexwert 100 des Jahres 2015 – und noch deutlicher entfernt von den Höchstständen 2018. Dabei dürfte der zunehmende Materialmangel – insbesondere Halbleiter – eine Rolle gespielt haben, der die Produktion teilweise ausbremste (mittlerweile klagen 75 Prozent der Firmen über Materialknappheit).

Beschäftigung

Seit Mitte 2019 war bei den Beschäftigtenzahlen in der M+E-Industrie landes- und bundesweit ein Abwärtstrend zu beobachten, der sich mit dem Beginn der Corona-Pandemie verstärkte. Seit einigen Monaten ist jedoch ein Seitwärtstrend zu beobachten, der im August sogar eine leichte Tendenz nach oben entwickelt hat. Seit dem Höchststand Mitte 2019 sind in Baden-Württemberg allerdings rund 50.000 Arbeitsplätze bzw. rund fünf Prozent der M+E-Jobs verloren gegangen. Dass sich die Lage stabilisiert, zeigen die Personalpläne der Unternehmen, die seit April im Saldo wieder im Plus liegen, das sich im September aber erstmals wieder verringert hat (es rechnen aber immer noch deutlich mehr Firmen mit einem Zuwachs als mit einem Minus),.

Kurzarbeit

Seit Beginn der Corona-Krise gingen bei der Bundesagentur für Arbeit gut 3,3 Millionen Anzeigen zur Kurzarbeit in der M+E-Industrie ein, davon gut 800.000 aus Baden-Württemberg. Allerdings sind die Kurzarbeiterzahlen nach dem Höchststand im Mai 2020 mit rund 1,5 Millionen seit geraumer Zeit im Trend rückläufig. Laut aktuellster Hochrechnung der Bundesagentur waren im Juni 2021 gut 291.000 M+E-Beschäftigte in Kurzarbeit – was knapp acht Prozent der Beschäftigten entspricht. Der Anteil der M+E-Firmen, die in den nächsten drei Monaten mit Kurzarbeit planen, ist jedoch erstmals seit Jahresbeginn wieder leicht gestiegen (von 17 auf 18 Prozent). Die Zahl neuer Anzeigen ist allerdings auch im September weiter zurückgegangen, in Baden-Württemberg noch deutlicher als bundesweit.

Ertragslage

Die ifo-Renditeschätzung 2020 für die M+E-Industrie (Befragung im September 2020) zeigt die Bremsspuren der Corona-Pandemie. Der Anteil der Firmen, die Verluste schreiben, ist auf 36 Prozent gestiegen. Gegenüber dem Vorkrisenniveau 2018 hat sich demnach deren Anteil fast verdreifacht. Hinzu kommt ein weiteres knappes Viertel aller Unternehmen, das sich mit einer sehr schmalen Rendite von 0-2 Prozent begnügen muss. Insgesamt lassen die ifo-Zahlen für 2020 mit einer betrieblichen Rendite von durchschnittlich nur noch knapp einem Prozent rechnen.

Prognosen: Geschäftslage, Personal, Produktion, Export

Die wirtschaftliche Stimmung in den M+E-Betrieben bleibt laut ifo-Konjunkturtest weiterhin positiv, allerdings zeigt sich hinsichtlich der weiteren Erwartungen kein einheitliches Bild. So wurden im September sowohl die aktuelle Lage als auch die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate etwas verhaltener eingeschätzt als im Vormonat. Die Produktions- und Exporterwartungen zeigten hingegen einen leichten Aufwärtstrend.

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