Konjunktur Metall- und Elektroindustrie

Ein Dreivierteljahr nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs ist die Lage der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie (M+E) immer noch von enormen Unsicherheiten geprägt.  Die verschiedenen Konjunkturindikatoren senden dabei Monat für Monat unterschiedliche Signale aus. Nach wie vor halten die Störungen der Lieferketten an, die Preise insbesondere für Energie bleiben hoch und bremsen die wirtschaftliche Erholung aus. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung bleibt in höchstem Maße unsicher. Als sehr wahrscheinlich gilt in den kommenden Monaten eine zumindest leichte Rezession – die auch kräftiger ausfallen könnte, falls es zu Energieengpässen kommt.

Auftragseingänge

Bis zum Frühjahr hatte sich die Auftragslage noch positiv entwickelt, seitdem machen sich auch hier deutliche Bremsspuren bemerkbar. So verbuchten die M+E-Firmen in Baden-Württemberg im September ein Minus von gut vier Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, was vor allem auf einen schwachen Fahrzeugbau zurückzuführen ist. Nach den ersten neun Monaten steht nun ein Minus von 0,8 Prozent in den Büchern. Dabei gibt es große Branchenunterschiede. Auch auf Jahresbasis fährt vor allem der Fahrzeugbau hinterher. Maschinenbau und die Elektrotechnik liegen seit Jahresbeginn noch im Plus. Weil die Produktion in vielen Bereichen immer noch stottert, hat der Auftragsbestand mit gut sechs Monaten aber weiterhin eine hohe Reichweite.

Produktion

Nach wie vor fährt die M+E-Produktion im Land dem Vorkrisenniveau hinterher. Allerdings konnte sie in den letzten Monaten kräftiger zulegen, im September um 7,7 Prozent nach knapp 14 Prozent im Vormonat. Erneut war der Fahrzeugbau, der gut ein Fünftel mehr produzierte als im Vorjahresmonat, das Zugpferd. Seit Jahresbeginn summiert sich das Gesamtplus mittlerweile immerhin auf 2,3 Prozent. Zu den Spitzenwerten des Vorkrisenjahres 2018 fehlen der gesamten M+E-Industrie damit aber immer noch knapp zehn Prozent. Ob und wann der pandemiebedingte Gesamtrückgang aufgeholt werden kann, bleibt ungewiss. Vor allem aber liegt die Produktionsentwicklung der deutschen und baden-württembergischen M+E-Industrie seit Beginn der Rezession 2019 immer weiter hinter der weltweiten Industrieproduktion zurück.

Beschäftigung

Seit Mitte 2019 war bei den Beschäftigtenzahlen in der M+E-Industrie landes- und bundesweit ein Abwärtstrend zu beobachten, der sich mit dem Beginn der Corona-Pandemie verstärkte. Seit einigen Monaten ist jedoch ein leichter Aufwärtstrend zu beobachten, der sich auch im September mit einem Plus von 1,4 Prozent fortgesetzt hat. Seit dem Höchststand Mitte 2019 sind im Land gut 30.000 Arbeitsplätze der M+E-Jobs verloren gegangen, was einem Rückgang von drei Prozent entspricht. Für die kommenden Monate rechnen die M+E-Unternehmen bundesweit weder mit einem Stellenabbau noch mit einem Zuwachs.

Kurzarbeit

Kurzarbeit spielt in der M+E-Industrie trotz der wirtschaftlich schwierigen Umstände aktuell weiterhin eine geringere Rolle. Im Juli (aktuellste verfügbare Daten) waren nach Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit deutschlandweit 53.100 M+E-Beschäftigte (1,4 Prozent) in Kurzarbeit – knapp halb so viele wie im Vormonat. Dabei war der Anteil Baden-Württembergs zuletzt unterdurchschnittlich gewesen. Zum Vergleich: Im Spitzenmonat Mai 2020 (Lockdown) waren mehr als 1,5 Millionen M+E-Beschäftigte in Kurzarbeit. Allerdings liegt das aktuelle Niveau weiterhin deutlich über dem durchschnittlichen Stand der Jahre vor Ausbruch der Pandemie (2011-19). Der Anteil der Firmen, die in den nächsten drei Monaten mit Kurzarbeit planen, liegt bei 15 Prozent.

Ertragslage

Die Erträge der Firmen geraten in diesem Jahr durch die stark gestiegenen Preise für Rohstoffe, Vorprodukte und Energie deutlich unter Druck. Das zeigen auch die aktuellen Daten der ifo-Renditeschätzung vom September. Demnach wird sich der Anteil der Unternehmen, die in diesem Jahr rote Zahlen oder eine „schwarze Null“ (weniger als zwei Prozent Nettoumsatzrendite) schreiben, deutlich von 34 auf 41 Prozent erhöhen. Für 2021 geht Gesamtmetall noch von einer umsatzgewichteten Durchschnittsrendite auf 2,5 Prozent aus. Im langjährigen Mittel liegt dieser Wert bei etwa drei Prozent. Allerdings handelt es sich dabei um vorläufige Werte auf Basis von Schätzungen, die in der Vergangenheit immer wieder – teils deutlich – nach unten korrigiert wurden.

Prognosen: Geschäftslage, Personal, Produktion, Export

Lage noch ordentlich, Aussichten jedoch trübe: So beurteilen die vom ifo-Institut im Oktober befragten M+E-Firmen in Deutschland ihre wirtschaftliche Situation. Dabei wurden sowohl die aktuelle Lage als auch die Aussichten für das nächste halbe Jahr schlechter eingeschätzt als im Vormonat. Die längerfristigen Geschäftsaussichten (zwischen 3 und 6 Monaten) nähern sich mit einem Saldo von -44 dem Tiefststand zu Beginn der Corona-Pandemie an. Die kurzfristigeren Export- und Produktionserwartungen lassen für die nächsten drei Monate keine gravierenden Veränderungen erwarten.

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