Konjunktur Metall- und Elektroindustrie

Nachdem die Auswirkungen der Corona-Pandemie die baden-württembergische Metall- und Elektroindustrie (M+E) im Frühjahr mit voller Wucht erfasst haben, zeichnet sich nun allmählich eine Bodenbildung ab. Das spiegelt sich zunehmend in den Daten zur wirtschaftlichen Lage wider, die größtenteils eine Stabilisierung erkennen lassen. Wie schnell nun ein möglicher Wiederaufschwung gelingen kann, hängt davon ab, ob die Konjunkturmaßnahmen greifen, die Verbraucher wieder in Kauflaune kommen und sich nicht länger verunsichern lassen.

Auftragseingänge

Schon im März waren die Auftragseingänge deutlich zurückgegangen – wobei dort in den ersten beiden Wochen in vielen Betrieben noch einigermaßen Normalbetrieb herrschte. Im April zeigt sich nun der ganze dramatische Absturz: Für die gesamte M+E-Industrie im Land brachen sie gegenüber dem Vorjahresmonat um fast die Hälfte (-46,6 Prozent) ein. Besonders steil ging es für den Fahrzeugbau nach unten, mit einem Minus von mehr als 70 Prozent. Lediglich die Elektrotechnik konnte sich einigermaßen behaupten. In den ersten vier Monaten haben die Betriebe damit inzwischen einen Rückgang von mehr als 15 Prozent zu verkraften, auch hier ist der Fahrzeugbau überproportional betroffen.

Produktion

Im Mai haben die baden-württembergischen M+E-Betriebe gut ein Drittel weniger produziert als im Vorjahr. Nach der Vollbremsung im April, als die Produktion um gut 42 Prozent gedrosselt wurde, ist das zwar eine Verbesserung. Diese zeigt jedoch, dass der Wiederanlauf nur langsam erfolgt. Am schwersten gebeutelt bleibt die Fahrzeugindustrie, die aber immerhin wieder die Hälfte der Vorjahresproduktion schaffte – nach einem Fünftel im April. Der Produktionsausfall in den ersten fünf Monaten beläuft sich für die gesamte Industrie mittlerweile ebenfalls auf ein Fünftel, in der Autoindustrie sogar auf gut ein Drittel.

Beschäftigung

Schon vor der Corona-Krise waren bei der Beschäftigungsentwicklung Bremsspuren zu sehen – nachdem es knapp 10 Jahre aufwärtsgegangen war. Allein in Baden-Württemberg hatten seit der Finanzkrise rund 175.000 Menschen zusätzlich einen Job in der M+E-Industrie gefunden. Der Trend hat sich nun aber gedreht: Mittlerweile sind gut 32.000 Stellen wieder verlorengegangen. Gemessen am Ausmaß der Krise ist das noch überschaubar – ein Beleg, dass die Kurzarbeit dazu beiträgt, Beschäftigung zu halten. Allerdings rechnet der größte Teil der Betriebe laut letztem ifo-Konjunkturtest mit einem weiteren Personalabbau. Bei einer Südwestmetall-Umfrage im Juni schloss mehr als die Hälfte der befragten Mitgliedsunternehmen auch Kündigungen in den nächsten Monaten nicht völlig aus.

Kurzarbeit

Nach dem explosionsartigen Anstieg der zur Kurzarbeit angezeigten Beschäftigten in der M+E-Industrie im April hat sich die Dynamik erst im Mai, nun auch im Juni deutlich abgeschwächt. Dennoch sind mittlerweile mit gut 2,2 Millionen mehr als die Hälfte aller M+E-Beschäftigten bundesweit zur Kurzarbeit angezeigt. Die endgültigen Zahlen zur Kurzarbeit berichtet die Bundesagentur für Arbeit immer erst mit 2-3 Monaten Verzug – nach Eingang der Erstattungsanträge. Das tatsächliche Ausmaß wird aber nun bei den quartalsweise abgefragten Kurzarbeitsplänen sichtbar: Hier geben mehr als 70 Prozent der Unternehmen an, aktuell Kurzarbeit zu nutzen, knapp Dreiviertel planen Kurzarbeit in den nächsten drei Monaten.

Ertragslage

Die Rendite in der M+E-Industrie ist mit durchschnittlich rund 3 Prozent (vom Nettoumsatz) niedriger als in vielen anderen Branchen. Zuletzt hat sich die Lage noch einmal verschlechtert. Schon 2019 lagen mehr als 28 Prozent der Unternehmen im Bereich der „schwarzen Null“ (unter 1 Prozent) und der Verluste, mehr als 41 Prozent unter zwei Prozent. – „Traumrenditen“, wie von der IG Metall dargestellt, sind das allesamt nicht. Zuletzt hat auch wieder die Bundesbank für 2017 die regemäßig überhöhten ifo-Prognosen mit den endgültigen Zahlen kräftig nach unten korrigiert: von 4,6 auf 3,1 Prozent im Durchschnitt – und dies für ein wirtschaftlich relativ gutes Jahr. Durch die Auswirkungen der Corona-Krise dürfte für 2020 mit einem scharfen Rückgang zu rechnen sein (beim Umsatz rechnen die Südwestmetall-Mitgliedsfirmen laut einer aktuellen Umfrage durchschnittlich mit einem Minus von mehr als 20 Prozent).

Prognosen: Geschäftslage, Personal, Produktion, Export

Die aktuelle wirtschaftliche Lage der M+E-Betriebe hat sich laut ifo-Konjunkturtest (Umfrage im Juni) gegenüber dem Vormonat stabilisiert. Die aktuelle Lage wird zwar genauso schlecht beurteilt wie im Monat zuvor. Allerdings halten sich die Anteile der Unternehmen, die von einer Verbesserung oder einer weiteren Verschlechterung ausgehen, inzwischen die Waage. Dies gilt auch für die Produktions- und die Exporterwartungen. Damit zeichnet sich ab, dass die Talsohle erreicht sein könnte – auch wenn noch kein klarer Aufwärtstrend sichtbar ist.

Südwestmetall
Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e. V.

Löffelstraße 22–24
70597 Stuttgart
Postfach 70 05 01
70574 Stuttgart
Tel. +49 (0)711 7682-0
Fax +49 (0)711 7651675
E-Mail: info(at)suedwestmetall.de

URL: https://www.suedwestmetall.local/SWM/web.nsf/id/pa_de_konjunkturbericht.html
Datum: 3.8.2020

VOILA_REP_ID=C1257761:004A5185