Konjunktur Metall- und Elektroindustrie

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die baden-württembergische Metall- und Elektroindustrie inzwischen mit voller Wucht erfasst. Das spiegelt sich zunehmend in den Daten zur wirtschaftlichen Lage wider, auch wenn diese teilweise erst die Situation im März wiedergeben, in dessen ersten Wochen noch teilweise „Normalität“ herrschte. Das komplette Ausmaß der Krise dürfte vor allem mit den April- und Mai-Zahlen sichtbar werden.

Auftragseingänge

Für die Auftragseingänge liegen Werte für den März vor. Hier ist schon ein deutlicher Rückgang von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat für die gesamte M+E-Industrie zu verzeichnen, für das erste Quartal lag das Minus bei 5 Prozent. Während Maschinenbau und Metallverarbeitung, die schon seit längerem schwächeln, weiter ins Minus gerutscht sind, war der Einbruch im März im Fahrzeugbau besonders stark. Nur die Elektrotechnik konnte sich noch im Plus behaupten. Bundesweit lag das Gesamtminus der Branche sogar bei mehr als 20 Prozent, allerdings sind diese Werte anders als für Baden-Württemberg saison- und kalenderbereinigt.

Produktion

Nach dem bereits schwachen Jahr 2019 und der fortgesetzten Talfahrt zum Jahresbeginn wurde im März in vielen Branchen die Vollbremsung der Produktion eingeleitet. In der gesamten M+E-Industrie wurde sie gegenüber dem Vorjahresmonat um 13,4 Prozent gedrosselt (bundesweit steht hier sogar ein Minus von knapp 20 Prozent in den Büchern), für das gesamte erste Quartal um 9 Prozent. In der Folge brach auch die Kapazitätsauslastung beispielslos ein. Im Monat März machte sich der Corona-Schock vor allem im Fahrzeugbau bemerkbar, in dem mehr als Viertel der Produktion (27,2 Prozent) gegenüber dem Vorjahr wegbrach. Aber selbst die Elektrotechnik rutschte bereits leicht ins Minus.

Beschäftigung

Schon vor der Corona-Krise waren bei der Beschäftigungsentwicklung deutliche Bremsspuren zu sehen – nachdem es knapp 10 Jahre nur aufwärtsgegangen war. Allein in Baden-Württemberg hatten seit der Finanzkrise rund 175.000 Menschen zusätzlich einen Job in der M+E-Industrie gefunden, die Gesamtzahl übersprang die Millionenmarke. Der Aufwärtstrend ist aber nun jäh zu Ende: Mittlerweile sind 20.000 Stellen wieder verlorengegangen – wobei die Märzzahlen die Situation des Stichtags in der Monatsmitte wiedergeben, also noch vor dem Shutdown. Auch die Personalpläne der Unternehmen kennen aktuell nur noch eine Richtung: Immer mehr Betriebe rechnen laut letztem ifo-Konjunkturtest mit einem Abbau.

Kurzarbeit

Seit 2010, dem Ende der letzten Krise, hat Kurzarbeit in der M+E-Industrie – auch in Baden-Württemberg – kaum eine Rolle gespielt. Nachdem nun schon in den letzten Monaten die Zahlen, ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau, wieder merklich gestiegen sind, haben die Auswirkungen der Corona-Krise erst im März, dann aber vor allem im April zu einem explosionsartigen Anstieg geführt. Bundesweit schnellten die zur Kurzarbeit angezeigten Beschäftigten in der M+E-Industrie auf mehr als 1,5 Millionen in die Höhe (davon geschätzt rund 400.000 in Baden-Württemberg) –  fast das Fünfzigfache der Februarzahlen. Die Grafiken zur realisierten Kurzarbeit und zu den Kurzarbeitsplänen zeigen noch das Bild vor Ausbruch der Pandemie.

Ertragslage

Die Rendite in der M+E-Industrie ist mit durchschnittlich rund 3 Prozent (vom Nettoumsatz) niedriger als in vielen anderen Branchen. Zuletzt hat sich die Lage noch einmal verschlechtert. Schon 2019 lagen mehr als 28 Prozent der Unternehmen im Bereich der „schwarzen Null“ (unter 1 Prozent) und der Verluste, mehr als 41 Prozent unter zwei Prozent. – „Traumrenditen“, wie von der IG Metall dargestellt, sind das allesamt nicht. Zuletzt hat auch wieder die Bundesbank für 2017 die regemäßig überhöhten ifo-Prognosen mit den endgültigen Zahlen kräftig nach unten korrigiert: von 4,6 auf 3,1 Prozent im Durchschnitt – und dies für ein wirtschaftlich relativ gutes Jahr. Durch die Auswirkungen der Corona-Krise dürfte für 2020 mit einem scharfen Rückgang zu rechnen sein (beim Umsatz rechnen die Südwestmetall-Mitgliedsfirmen laut einer aktuellen Umfrage durchschnittlich mit einem Minus von mehr als 20 Prozent).

Prognosen: Geschäftslage, Personal, Produktion, Export

Die Konjunkturprognosen für die M+E-Industrie befinden sich seit dem Ausbruch der Pandemie im steilen Sinkflug. Ob Einschätzung der aktuellen Lage, Geschäftserwartungen für die nächsten sechs bzw. Export- und Produktionserwartungen für die nächsten drei Monate im ifo-Konjunkturtest erreichen neue Tiefststände.  Dabei hatten sich die Geschäftsaussichten in der bundesweiten M+E-Industrie schon seit Anfang 2018 immer weiter eingetrübt – die leichte Aufwärtsbewegung entpuppte sich letztlich als Strohfeuer.

Südwestmetall
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Datum: 29.5.2020

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