Konjunktur Metall- und Elektroindustrie

Die wirtschaftliche Lage in der Metall- und Elektroindustrie hat sich zuletzt weiter zugespitzt. Bereits seit Anfang 2019 befindet sich die mit Abstand größte Industriebranche Baden-Württembergs im Abschwung – nach fast zehn Jahren Aufwärtstrend. Nun kommen zur Konjunkturflaute und den Herausforderungen digitale Transformation oder z.B. Strukturwandel in der Automobilindustrie noch die Auswirkungen der Corona-Krise hinzu, die die Unternehmen vor weitere Belastungen stellen. Diese ganz aktuelle Entwicklung ist allerdings in den folgenden Konjunkturfaktoren erhebungsbedingt noch gar nicht berücksichtigt.

Auftragseingänge

Die Talfahrt bei den Auftragseingängen als wichtigstem Indikator für die mittelfristigen Geschäftsaussichten hat sich im Januar fortgesetzt. Nach einem Jahresminus von 7,3 Prozent in Baden-Württemberg (bundesweit 6,1 Prozent) betrug der Rückgang im Januar noch einmal 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat (bundesweit: 2 Prozent). Besonders heftig traf es den Maschinenbau und die Metallverarbeitung, während sich die Elektrotechnik gegen den Trend entwickelte. Der Auftragsbestand liegt zwar noch oberhalb des langjährigen Mittels, aber unter den Werten von 2018.

Produktion

Vier Quartale in Folge ist die M+E-Produktion 2019 sowohl in Baden-Württemberg als auch im Bundesgebiet deutlich geringer als im Vorjahr ausgefallen. Auch zum Jahresbeginn hat sich die Talfahrt fortgesetzt mit einem Minus von 6,3 Prozent im Südwesten und 3,6 Prozent im Bundesgebiet. Besonders betroffen waren auch hier Metallverarbeitung und Maschinenbau. Die Branche befindet sich also weiterhin mitten in der Rezession. Das schlägt sich auch in einer geringeren Auslastung der Fabriken nieder, die nach sieben Jahren wieder unter das langjährige Mittel gefallen ist.

Beschäftigung

Knapp 10 Jahre ging es mit der Beschäftigung in der M+E-Industrie nur aufwärts. Allein in Baden-Württemberg haben so zwischenzeitlich rund 170.000 Menschen zusätzlich einen Job gefunden. Der Aufwärtstrend ist aber nun zu Ende: In den letzten vier Monaten ging die Zahl der Beschäftigten im Südwesten um rund 12.000 zurück und liegt mittlerweile wieder unter die Millionenmarke. Auch die Personalpläne der Unternehmen weisen darauf hin, dass die Trendwende eingeläutet ist: Weit mehr Betriebe rechnen mit einem Abbau als mit einem Aufbau oder einer stabilen Entwicklung.

Kurzarbeit

Seit 2010, dem Ende der letzten Krise, hat Kurzarbeit in der M+E-Industrie – auch in Baden-Württemberg – kaum eine Rolle gespielt. Jedoch sind die bundesweiten Zahlen in den letzten Monaten, ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau, wieder merklich gestiegen. Am Deutlichsten schlägt sich dies bei den Erwartungen für die nächsten drei Monate nieder: Hier rechnet mittlerweile knapp jedes vierte Unternehmen damit, Kurzarbeit einsetzen zu müssen. Die aktuelle Entwicklung wegen der Corona-Krise ist hierbei noch nicht berücksichtigt.

Ertragslage

Die Rendite in der M+E-Industrie ist mit durchschnittlich rund 3 Prozent (vom Nettoumsatz) niedriger als in vielen anderen Branchen. Zuletzt hat sich die Lage noch einmal verschlechtert. 2019 lagen mehr als 28 Prozent der Unternehmen im Bereich der „schwarzen Null“ (unter 1 Prozent) und der Verluste, mehr als 41 Prozent unter zwei Prozent. – „Traumrenditen“, wie von der IG Metall dargestellt, sind das allesamt nicht. Zuletzt hat auch wieder die Bundesbank für 2017 die regemäßig überhöhten ifo-Prognosen mit den endgültigen Zahlen kräftig nach unten korrigiert: von 4,6 auf 3,1 Prozent im Durchschnitt – und dies für ein wirtschaftlich relativ gutes Jahr.

Prognosen: Geschäftslage, Personal, Produktion, Export

Im Prinzip seit Anfang 2018 hatten sich die Geschäftsaussichten in der bundesweiten M+E-Industrie immer weiter eingetrübt – seien es die allgemeinen Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate, oder die Erwartungen an Export und Produktion. In den letzten Monaten sind nicht nur die Erwartungen, sondern auch die Bewertungen der aktuellen Geschäftslage im Saldo aller Firmen ins Minus gerutscht. Zwar gab es zum Jahreswechsel wieder eine leichte Aufwärtsbewegung – nach dem Pessimismustiefpunkt im Herbst. Allerdings sind bei diesen Umfragen die aktuellsten Entwicklungen zum Coronavirus – etwa die Situation in Italien – noch nicht berücksichtigt.

Südwestmetall
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Datum: 31.3.2020

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