Konjunktur Metall- und Elektroindustrie

Die baden-württembergische Metall- und Elektroindustrie (M+E) hat ihren leichten Erholungskurs vom Jahresende im Januar 2026 nicht fortsetzen können. Der Beschäftigungsabbau hält unvermindert an, die Personalpläne für die nächsten Monate deuten auf weitere Jobverluste hin. Bei den Aufträgen gab es – entgegen dem bundesweiten Trend – einen Rückschlag. Die Produktion ist im gesamten Bundesgebiet gesunken, die Ertragslage der Firmen ist völlig unbefriedigend. Immerhin haben sich die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate – auch bei Produktion und Export – etwas aufgehellt.

Auftragseingänge

Nach einem starken Schlussquartal 2025 haben die M+E-Firmen in Baden-Württemberg zum Jahresbeginn wieder ein schwaches Auftragsgeschäft verzeichnet. Im Januar lag der Auftragseingang 6,9 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. In der Metallverarbeitung (-15,7 Prozent) und im Fahrzeugbau (-9,8 Prozent) fielen die Rückgänge besonders kräftig aus. Lediglich die Elektrotechnik konnte mehr Aufträge verbuchen. Damit schneidet Baden-Württemberg wesentlich schlechter ab als der Bundestrend, der insbesondere aufgrund großer Aufträge im Rüstungsbereich (Sonstiger Fahrzeugbau) zugelegt hat. Der Anteil der Unternehmen, die über Auftragsmangel klagen, lag im Januar bundesweit bei 38 Prozent und damit etwas niedriger als noch im Oktober.

Produktion

Wegen Anpassungen und Neuberechnungen liefert das Statistische Landesamt vorübergehend keine aktuellen Zahlen für die M+E-Produktion im Land. Bundesweit konnte die Produktion im Januar ihren leichten Aufwärtstrend vom Jahresende nicht fortsetzen und rutschte gegenüber dem Vorjahresmonat wieder mit 1,5 Prozent ins Minus. Im Gesamtjahr 2025 war die M+E-Produktion in Baden-Württemberg gegenüber dem Vorjahr um -0,3 Prozent geschrumpft. Die Kapazitätsauslastung liegt bundesweit weiter unter dem langjährigen Mittel. Zudem fährt die M+E-Produktion im Land dem Spitzenniveau von 2018 weiterhin deutlich hinterher, der Rückstand beträgt rund 15 Prozent. Sie bleibt auch seit Jahren deutlich hinter der weltweiten Entwicklung der Industrieproduktion zurück. 

Beschäftigung

Auch zum Jahresbeginn 2026 hat sich der seit zwei Jahren anhaltende Abwärtstrend bei der Beschäftigung unvermindert fortgesetzt. In Baden-Württemberg waren Ende Januar mit 933.300 Personen 3,1 Prozent bzw. 30.200 Menschen weniger in den M+E-Betrieben beschäftigt als im Vorjahresmonat – der niedrigste Stand seit Juni 2016. Seit dem Höchststand Mitte 2019 sind damit 75.800 M+E-Jobs im Land verloren gegangen. Besonders kräftig fiel der Stellenabbau im Automotive-Bereich aus. Die Personalpläne der M+E-Unternehmen verharren im Saldo trotz einer leichten Verbesserung im roten Bereich.

Kurzarbeit

Kurzarbeit spielt in der M+E-Industrie angesichts der wirtschaftlich schwierigen Umstände weiterhin eine gewichtigere Rolle als in Nicht-Krisenzeiten. Bei der letzten ifo-Umfrage im Februar lag der Anteil der Firmen, die in den nächsten drei Monaten mit Kurzarbeit planen, noch bei 16,4 Prozent (Vorquartal: 21,7 Prozent). Dies dürfte jedoch kein Anzeichen einer Entspannung sein, sondern vielmehr der Hinweis, dass die Unternehmen mittlerweile vermehrt auf andere Instrumente zurückgreifen, um ihre Personalkapazitäten an die schwache Produktionsauslastung anzupassen. Im Oktober (aktuellste verfügbare Daten) waren nach Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit deutschlandweit mit 118.100 gut drei Prozent aller M+E-Beschäftigten in Kurzarbeit – wieder etwas weniger als im Vormonat.

Ertragslage

Laut der aktuellen ifo-Umfrage vom September 2025 rechnen die M+E-Firmen bundesweit für 2025 im Durchschnitt kaum noch mit Gewinnen. Demnach ist der Anteil der Unternehmen, die rote Zahlen oder eine „schwarze Null“ schreiben, gegenüber 2024 von 42 auf 52 Prozent gestiegen. Gut ein Viertel der Firmen schreibt demnach sogar rote Zahlen. Nach Schätzungen des Dachverbands Gesamtmetall auf Basis der ifo-Umfragen dürfte die durchschnittliche Umsatzrendite in der M+E-Industrie im vergangenen Jahr auf 0,2 Prozent gefallen sein, nachdem sie schon Vorjahr deutlich zurückgegangen war. 2023 hatte sie nach inzwischen vorliegender vorläufiger Prognose der Bundesbank aufgrund verschiedener Sondereffekte noch bei 4,9 Prozent gelegen.

Prognosen: Geschäftslage, Produktion, Export

In der aktuellen ifo-Konjunkturprognose von Ende Februar zeigten sich die Unternehmen unterm Strich erneut optimistischer. Die Beurteilung der aktuellen Lage verbesserte sich gegenüber dem Vormonat, sie liegt im Saldo aber weiterhin im Minus. Die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate wurden nahezu unverändert beurteilt und liegen damit im Saldo weiter leicht im Plus.  Bei den kurzfristigeren Produktions- und Exporterwartungen – für die nächsten drei Monate – hat sich die Stimmung weiter aufgehellt, beide Indikatoren erreichten Höchststände seit dem Frühjahr 2023. Die Auswirkungen des Iran-Kriegs fanden in dieser Befragung aber noch keinen Niederschlag.

Stand März 2026

VOILA_REP_ID=C1257761:004A5185