Konjunktur Metall- und Elektroindustrie

Gut ein Jahr nach dem schweren wirtschaftlichen Einbruch durch die Corona-Pandemie entspannt sich die Lage in der Metall- und Elektroindustrie (M+E) weiter. Die Aufträge legen zu, die Produktion liegt deutlich im Plus, Kurzarbeit geht zurück, auch die Beschäftigung scheint sich wieder zu stabilisieren. In der Statistik macht sich nun bemerkbar, dass die Corona-bedingt schwachen Vorjahresmonate zur Messlatte werden.

Auftragseingänge

Nachdem bereits das Schlussquartal 2020 gut ausgefallen war, haben die baden-württembergischen M+E-Firmen in den ersten drei Monaten 2021 noch einmal deutlich mehr Aufträge verbucht. Dazu trug vor allem der März bei, der im Vergleich zum Vorjahr mit einem Plus von nahezu 40 Prozent bärenstark ausfiel – wobei der Fahrzeugbau noch kräftiger zulegen konnte als die anderen Branchen. Allerdings waren die Aufträge gerade im Vorjahresmärz durch die ersten harten Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie besonders heftig eingebrochen.

Produktion

Im März 2021 wurde in den baden-württembergischen M+E-Fabriken deutlich mehr produziert als im Vergleichsmonat des Vorjahres, als die Produktion durch den ersten Corona-Lockdown und unterbrochene Lieferketten jäh ausgebremst worden war. Besonders deutlich viel das Plus im Fahrzeugbau aus. Insgesamt konnte die M+E-Produktion damit den Rückstand aus den ersten zwei Monaten aufholen und das erste Quartal mit einem kleinen Wachstum abschließen. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass die Produktion 2020 schon vor dem Lockdown deutlich unter dem Niveau von 2019 und im ersten Quartal um insgesamt neun Prozent unter dem Vorjahr lag – sie also derzeit noch lange nicht wieder das Vorkrisenniveau erreicht hat.

Beschäftigung

Seit eineinhalb Jahren war bei den Beschäftigtenzahlen in der M+E-Industrie landes- und bundesweit ein Abwärtstrend zu beobachten. Seit dem Höchststand Mitte 2019 sind in Baden-Württemberg mehr als 50.000 Arbeitsplätze bzw. rund fünf Prozent verloren gegangen. Zum Jahresauftakt hat sich der Abwärtstrend jedoch zunächst verlangsamt, im März konnte sogar ein kleines Plus von rund 600 Jobs auf nunmehr 957.100 verzeichnet werden. Dass sich die Lage stabilisiert hat, zeigen auch die Personalpläne der Unternehmen, die mittlerweile im Saldo wieder ganz leicht im Plus liegen (d.h., dass geringfügig mehr Firmen mit einem Zuwachs wie mit einem Minus rechnen).

Kurzarbeit

Seit Beginn der Corona-Krise gingen bei der Bundesagentur für Arbeit mehr als drei Millionen Anzeigen zur Kurzarbeit in der M+E-Industrie ein, davon rund 800.000 aus Baden-Württemberg. Laut Hochrechnung der Bundesagentur waren im Januar 473.600 M+E-Beschäftigte in Kurzarbeit, wieder etwas mehr als im Dezember – was gut zwölf Prozent der Beschäftigten entspricht. Nach Schätzung des ifo-Instituts lag der Kurzarbeiteranteil in der gesamten Industrie im März aber nur noch bei 6,3 Prozent und damit unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt.

Ertragslage

Die ifo-Renditeschätzung 2020 für die M+E-Industrie zeigt die starken Bremsspuren der Corona-Pandemie. Der Anteil der Firmen, die Verluste schreiben, ist auf 36 Prozent gestiegen. Gegenüber dem Vorkrisenniveau 2018 hat sich deren Anteil fast verdreifacht. Hinzu kommt ein weiteres knappes Viertel aller Unternehmen, das sich mit einer sehr schmalen Rendite von 0-2 Prozent begnügen muss – Zahlen, die von der letzten Südwestmetall-Umfrage bestätigt werden. Insgesamt lassen die ifo-Zahlen für 2020 mit einer betrieblichen Rendite von durchschnittlich nur noch knapp einem Prozent rechnen – angesichts der für Transformation und Krisenbewältigung eigentlich erforderlichen Investitionen eine dramatische Zahl.

Prognosen: Geschäftslage, Personal, Produktion, Export

Nachdem sich die wirtschaftliche Stimmung in den M+E-Betrieben laut ifo-Konjunkturtest in den letzten Monaten deutlich aufgehellt hat, hat sich dieser Trend im April nun nicht weiter fortgesetzt. Zwar wird die aktuelle Lage erneut etwas positiver beurteilt als im Monat zuvor. Allerdings fallen die Erwartungen für die nächsten Monate geringfügig gedämpfter aus – sowohl insgesamt, als auch für Produktion und Export. Trotzdem bleibt der Saldo der Unternehmensmeldungen deutlich positiv. D.h., mehr Firmen erwarten bessere als schlechtere Geschäfte.

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