Konjunktur Metall- und Elektroindustrie

Die Metall- und Elektroindustrie ist in schweres Fahrwasser geraten. Nach fast zehn Jahren Aufwärtstrend befindet sich die mit Abstand größte Industriebranche Baden-Württembergs seit Anfang 2019 im Abschwung. Noch ist ein Ende der Flaute nicht abzusehen. Hinzu kommen die digitale Transformation oder z.B. der Strukturwandel in der Automobilindustrie, die die Unternehmen vor weitere Herausforderungen und finanzielle Belastungen stellen.

Auftragseingänge

Die Auftragseingänge als wichtigster Indikator für die mittelfristigen Geschäftsaussichten sind weiterhin deutlich im Minus, insbesondere im Maschinenbau und in der Elektrotechnik. In Baden-Württemberg liegt das Jahresminus bei knapp 7 Prozent, bundesweit sind es 5,5 Prozent. Auch wenn der Fahrzeugbau im Oktober ein leichtes Plus verzeichnete, kann für die Gesamtbranche noch nicht von einer Trendwende die Rede sein.

Produktion

Seit drei Quartalen fiel M+E-Produktion sowohl in Baden-Württemberg als auch im Bundesgebiet geringer aus als im Vorjahr. Die Branche befindet sich damit in einer sogenannten technischen Rezession. Auch im Oktober hat sich die Talfahrt fortgesetzt mit -6,4 Prozent im Südwesten und sogar -8,1 Prozent im Bundesgebiet. Die Talsohle scheint damit immer noch nicht erreicht. Das schlägt sich auch in einer geringeren Auslastung der Fabriken nieder, die erstmals seit sechs Jahren unter das langjährige Mittel gefallen ist.

Beschäftigung

Knapp 10 Jahre ging es mit der Beschäftigung in der M+E-Industrie nur aufwärts. Allein in Baden-Württemberg haben so mehr als 170.000 Menschen zusätzlich einen Job gefunden. Zuletzt hat sich der Aufwärtstrend aber deutlich abgeschwächt, im Oktober ging die Beschäftigung gegenüber dem Vormonat sogar leicht zurück (-5.000) – was aber auch auf den Abbau von Ferienbeschäftigung zurückzuführen sein dürfte. Allerdings weisen nun die Personalpläne der Unternehmen doch darauf hin, dass die Trendwende eingeläutet ist: Sie zeigen mittlerweile einen deutlichen Abwärtstrend.

Kurzarbeit

Seit 2010, dem Ende der letzten Krise, hat Kurzarbeit in der baden-württembergischen M+E-Industrie kaum eine Rolle gespielt. Jedoch sind die Zahlen in den letzten Monaten, ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau, wieder merklich gestiegen. Am Deutlichsten schlägt sich dies bei den Erwartungen für die nächsten drei Monate nieder: Hier rechnet mittlerweile gut jedes sechste Unternehmen damit, Kurzarbeit einsetzen zu müssen.

Ertragslage

Die Rendite in der M+E-Industrie ist mit durchschnittlich rund 3 Prozent niedriger als in vielen anderen Leitbranchen. So stellen z.B. die Autobauer im Börsen-Leitindex Dax zwar die Hälfte aller Umsätze, aber nur rund ein Drittel der Gewinne. Zuletzt hat sich die Lage noch einmal verschlechtert. Lagen im Vorjahr noch 33 Prozent der Unternehmen unter der als kritisch geltenden Grenze von 2 Prozent, ist ihr Anteil 2019 auf 41,4 Prozent (also um rund ein Viertel) angestiegen. Im Bereich der „schwarzen Null“ (unter 1 Prozent) und darunter liegen mittlerweile mehr als 28 Prozent, knapp ein Fünftel schreibt dabei rote Zahlen – „Traumrenditen“ sind das allesamt nicht.

Prognosen: Geschäftslage, Personal, Produktion, Export

Im Prinzip seit Anfang 2018 trüben sich die Geschäftsaussichten in der bundesweiten M+E-Industrie immer weiter ein – seien es die allgemeinen Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate, oder die Erwartungen an Export und Produktion. In den letzten Monaten ist auch die Bewertung der aktuellen Geschäftslage im Saldo aller Firmen ins Minus gerutscht. Bei den allgemeinen Geschäfts- und den Exporterwartungen gab es zuletzt jedoch eine leichte Aufwärtsbewegung. Ob dies schon der Beginn einer Trendwende sein könnte, muss sich erst noch in den nächsten Monaten bestätigen.

Südwestmetall
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Datum: 24.1.2020

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