Konjunktur Metall- und Elektroindustrie

Der Überfall Russlands auf die Ukraine, der Krieg nach Europa gebracht hat, aber auch die neuerliche Störung der Lieferketten durch den Lockdown in Shanghai bremsen die wirtschaftliche Erholung der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie (M+E) nach zwei Jahren Corona-Pandemie aus. Die aktuell verfügbaren Wirtschaftsdaten zeigen schon erste unmittelbaren Auswirkungen. Der historische Einbruch der Geschäftserwartungen war schon im Vormonat ein deutlicher Fingerzeig, worauf sich die Unternehmen einstellen.

Auftragseingänge

Die Auftragslage ist weiterhin nicht der Hemmschuh für ein kräftigeres Wachstum, auch wenn die baden-württembergischen M+E-Firmen im März erstmals seit November wieder einen leichten Rückgang verbuchten. Trotzdem gingen im ersten Quartal noch knapp neun Prozent mehr Aufträge ein als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Elektrotechnik konnte im März mit 22,9 Prozent sogar noch einmal kräftig zulegen, während der Fahrzeugbau (-10 Prozent) und die Metallverarbeitung (-6,4 Prozent) deutliche Rückgänge verzeichneten. Weil die Produktion nach wie vor stottert, hat der Auftragsbestand mit sechs Monaten eine rekordverdächtige Reichweite erreicht.

Produktion

Die Produktion konnte im März ihren verhaltenen Erholungskurs nicht fortsetzen. Vor allem Produktionsbehinderungen durch fehlende Vorprodukte und Teile sorgten für ein kräftiges Minus von 5,6 Prozent. Besonders betroffen war der Fahrzeugbau (-13,7 Prozent). Hier dürften die kurzfristigen Lieferengpässe bei Kabelbäumen und Bordnetzen, die teils in der Ukraine gefertigt werden, eine Rolle gespielt haben. Auch Metallverarbeitung und Maschinenbau rutschten ins Minus. Lediglich die Elektrotechnik konnte sich leicht behaupten. Zu den Spitzenwerten des Vorkrisenjahres 2018 fehlen damit weiterhin mehr als zehn Prozent, das Aufholen des pandemiebedingten Gesamtrückgangs rückt weiter in die Ferne. Selbst das Niveau von 2015 ist noch nicht wieder erreicht.

Beschäftigung

Seit Mitte 2019 war bei den Beschäftigtenzahlen in der M+E-Industrie landes- und bundesweit ein Abwärtstrend zu beobachten, der sich mit dem Beginn der Corona-Pandemie verstärkte. Seit einigen Monaten ist jedoch ein Seitwärtstrend zu beobachten, der sich auch zum Jahresbeginn fortgesetzt hat. Im März gab es in Baden-Württemberg ein leichtes Plus. Seit dem Höchststand Mitte 2019 sind im Land gut 47.000 Arbeitsplätze bzw. knapp fünf Prozent der M+E-Jobs verloren gegangen. Auch die Personalpläne der Unternehmen bundesweit lagen im April im Saldo zwar noch im Plus. Allerdings deutet sich hier eine deutlich verhaltenere Einstellungspolitik der Firmen an: Die positiven Meldungen sind gegenüber dem Vormonat nochmals zurückgegangen.

Kurzarbeit

Seit Beginn der Corona-Krise gingen bei der Bundesagentur für Arbeit mehr als 3,7 Millionen Anzeigen zur Kurzarbeit in der M+E-Industrie ein, davon gut 900.000 aus Baden-Württemberg. Nach dem Höchststand im Mai 2020 mit rund 1,5 Millionen waren die Anzeigen lange Zeit deutlich rückläufig und schwankten seitdem auf einem niedrigeren Niveau. Seit Jahresbeginn ist jedoch Monat für Monat wieder eine leichte Zunahme zu beobachten. Laut aktuellster Hochrechnung der Bundesagentur waren im Januar bundesweit 128.200 M+E-Beschäftigte in Kurzarbeit – was 3,3 Prozent der Beschäftigten entsprach. Der Anteil der M+E-Firmen, die in den nächsten drei Monaten mit Kurzarbeit planen, ist im Schlussquartal 2021 deutlich gestiegen (von 18 auf 24 Prozent).

Ertragslage

Die ifo-Renditeschätzung für 2021 deutet darauf hin, dass sich die M+E-Ertragslage bundesweit im vergangenen Jahr leicht entspannt hat. Demnach ist der Anteil von Firmen mit Verlusten oder schmaler Rendite unter zwei Prozent leicht gesunken. Gesamtmetall geht von einem leichten Plus bei der umsatzgewichteten Durchschnittsrendite auf 2,7 Prozent aus. Im langjährigen Mittel liegt dieser Wert bei etwa drei Prozent. Allerdings handelt es sich dabei um vorläufige Werte auf Basis von Schätzungen, die in der Vergangenheit immer wieder – teils deutlich – nach unten korrigiert wurden. So auch aktuell für das Rezessionsjahr 2019, wo die jetzt vorliegenden endgültigen Zahlen der Bundesbank eine durchschnittliche Rendite von lediglich 1,7 Prozent ermittelt haben. Die ifo-Schätzung hatte noch doppelt so hoch gelegen, Gesamtmetall war von 2,3 Prozent ausgegangen. Mit einem Minus von 0,9 Prozent war dabei die Ertragslage in der Automobilindustrie besonders schwach.

Prognosen: Geschäftslage, Personal, Produktion, Export

Lage gut, Aussichten schlecht: So beurteilten die vom ifo-Institut im April befragten M+E-Firmen in Deutschland ihre wirtschaftliche Situation. Während die aktuelle Lage sogar etwas besser eingeschätzt wurde, gingen die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate nochmals leicht zurück. Hier hatte es im März mit einem Minus von 49 Indexpunkten einen historischen Einbruch gegeben. Die Export- und Produktionserwartungen konnten sich hingegen etwas stabilisieren. Im Saldo rechnen die Firmen mit einem leichten Zuwachs der Produktion und einer Seitwärtsbewegung bei den Exporten.

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