Konjunktur Metall- und Elektroindustrie

Die wirtschaftliche Erholung in der Metall- und Elektroindustrie (M+E) ist eineinhalb Jahre nach dem schweren Einbruch durch die Corona-Pandemie immer mehr ins Stocken geraten. Zwar sind die Auftragsbücher weiterhin gut gefüllt, der Auftragsbestand liegt signifikant über dem langjährigen Mittel. Aber Materialengpässe und Störungen der Lieferketten bereiten der Industrie nach wie vor Schwierigkeiten. Die Erwartungen an die nächsten Monate haben sich daher erkennbar eingetrübt.

Auftragseingänge

An der Auftragslage hat es lange nicht gelegen. Seit Jahresbeginn sind bei den baden-württembergischen M+E-Firmen gut ein Viertel mehr Aufträge eingegangen als im Vorjahr. Allerdings hat sich die Dynamik der Zuwächse zuletzt deutlich abgeschwächt. Im September stand nur noch ein mageres Plus von 1,4 Prozent über dem Strich – nach immerhin noch 9,4 Prozent im Vormonat. Im Aufwärtstrend befinden sich weiterhin der Maschinenbau und die Elektrotechnik. Der Fahrzeugbau und mittlerweile auch die Metallverarbeitung trüben jedoch das Gesamtbild: Sie landeten beide mit einem deutlichen Rückgang im Minus.

Produktion

Weniger positiv als die Aufträge entwickeln sich die Produktionszahlen. So ging es im September mit einem Minus von 2,2 Prozent wieder leicht bergab, nachdem sich die Lage in den beiden Vormonaten noch stabilisiert hatte.  Auch hier zeigt sich ein nach Branchen gespaltenes Bild. Während Elektrotechnik, Maschinenbau und Metallverarbeitung zulegen konnten, sackte die Produktion im Fahrzeugbau im Vorjahresvergleich um mehr als ein Sechstel (17,6 Prozent) in den Keller – was in Summe die Zuwächse der anderen Branchen mehr als egalisierte. Das Produktionsniveau liegt damit etwa auf dem des Jahres 2013 – und noch deutlich entfernt von den Höchstständen 2018. Dabei spielt der zunehmende Materialmangel – insbesondere Halbleiter – eine Rolle, der die Produktion teilweise ausbremste (mittlerweile klagen 86 Prozent der Firmen über Materialknappheit).

Beschäftigung

Seit Mitte 2019 war bei den Beschäftigtenzahlen in der M+E-Industrie landes- und bundesweit ein Abwärtstrend zu beobachten, der sich mit dem Beginn der Corona-Pandemie verstärkte. Seit einigen Monaten ist jedoch ein Seitwärtstrend zu beobachten, der im Land seit August sogar eine leichte Tendenz nach oben entwickelt hat. Seit dem Höchststand Mitte 2019 sind in Baden-Württemberg allerdings rund 45.000 Arbeitsplätze bzw. rund 4,5 Prozent der M+E-Jobs verloren gegangen. Dass sich die Lage stabilisiert hat, zeigen die Personalpläne der Unternehmen, die seit April im Saldo wieder im Plus liegen. Allerdings geht es hier seit September nicht mehr weiter nach oben (es rechnen aber immer noch deutlich mehr Firmen mit einem Zuwachs als mit einem Minus).

Kurzarbeit

Seit Beginn der Corona-Krise gingen bei der Bundesagentur für Arbeit gut 3,3 Millionen Anzeigen zur Kurzarbeit in der M+E-Industrie ein, davon gut 800.000 aus Baden-Württemberg. Allerdings waren die Kurzarbeiterzahlen nach dem Höchststand im Mai 2020 mit rund 1,5 Millionen lange Zeit deutlich rückläufig. Laut aktuellster Hochrechnung der Bundesagentur waren im Juli 2021 235.900 M+E-Beschäftigte in Kurzarbeit – was gut sechs Prozent der Beschäftigten entsprach. Der Anteil der M+E-Firmen, die in den nächsten drei Monaten mit Kurzarbeit planen, ist jedoch zuletzt erstmals seit Jahresbeginn wieder leicht gestiegen (von 17 auf 18 Prozent).

Ertragslage

Die ifo-Renditeschätzung für die M+E-Industrie für 2020 vom September 2020 hatte zunächst auf deutliche Bremsspuren der Corona-Pandemie bei den Unternehmensgewinnen hingedeutet. Bei der erneuten Befragung im Mai 2021 hat sich jedoch ein anderes Bild ergeben. Der Anteil der Firmen mit Verlusten liegt demnach bei knapp einem Viertel (23,8 Prozent) – und nicht wie zunächst prognostiziert bei 36 Prozent. Hinzu kommen weitere 17,8 Prozent, die sich mit einer schmalen Rendite von 0-2 Prozent begnügen mussten. Gegenüber dem Vorkrisenniveau 2018 hat sich der Anteil der Firmen in den roten Zahlen dennoch fast verdoppelt. Auf Basis dieser ifo-Zahlen rechnet der M+E-Dachverband Gesamtmetall für 2020 mit Branchenrendite von 2,6 Prozent – knapp über dem Niveau des Rezessionsjahrs 2019.

Mittlerweile liegen auch erste Schätzungen für 2021 vor, die auf eine weitere leichte Entspannung bei der Ertragslage hindeuten. Demnach sinkt laut der aktuellen ifo-Befragung vom September der Anteil von Firmen mit Verlusten oder schmaler Rendite unter zwei Prozent leicht von 41,6 auf 38,3 Prozent. Gesamtmetall geht daher von einem weiteren leichten Plus bei der umsatzgewichteten Durchschnittsrendite auf 2,7 Prozent aus. Im langjährigen Mittel liegt dieser Wert bei etwa drei Prozent.

Prognosen: Geschäftslage, Personal, Produktion, Export

Die wirtschaftliche Stimmung in den M+E-Betrieben bleibt zwar weiterhin im Saldo positiv, allerdings zeigen alle Indikatoren des ifo-Konjunkturtests im Oktober einen deutlichen Abwärtstrend. Sowohl die aktuelle Lage als auch die Produktions- und Exporterwartungen wurden schlechter eingeschätzt als noch im Vormonat. Besonders die Erwartungen an das Geschäft in den nächsten sechs Monaten haben sich verschlechtert. Hier halten sich die Stimmen, die von einer Verschlechterung bzw. einer Verbesserung ausgehen, mittlerweile nahezu die Waage.

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