Konjunktur Metall- und Elektroindustrie

Die wirtschaftliche Erholung in der Metall- und Elektroindustrie (M+E) verläuft mehr als ein Jahr nach dem schweren Einbruch durch die Corona-Pandemie eher schleppend. Zwar sind die Auftragsbücher gut gefüllt, aber aktuell bereiten Materialengpässe der Industrie Schwierigkeiten. Die Erwartungen an die nächsten Monate zeigen daher auch nicht noch weiter nach oben.

Auftragseingänge

Im Juli haben die baden-württembergischen M+E-Firmen erneut ein ordentliches Plus bei den Aufträgen verbucht (14,9 Prozent), nachdem schon im ersten Halbjahr gut ein Drittel mehr Aufträge eingegangen waren als im Vorjahr. Den deutlichsten Aufwärtstrend verzeichneten im Juli die Elektrotechnik und der Maschinenbau, die jeweils um mehr als ein Drittel zulegen konnten. Lediglich der Fahrzeugbau trübt das Gesamtbild: Er landete mit einem Rückgang von 4,7 Prozent im Minus.

Produktion

Weniger positiv als die Aufträge entwickeln sich die Produktionszahlen, die im Juli exakt auf demselben Niveau wie im Vorjahr verharrten. Allerdings zeigt sich auch hier ein nach Branchen gespaltenes Bild. Während Maschinenbau, Metallverarbeitung und Elektrotechnik teilweise zweistellig zulegen konnten, rauschte die Produktion im Fahrzeugbau um fast ein Viertel (22,5 Prozent) in den Keller – was in Summe die Zuwächse der anderen Branchen egalisierte. Das Produktionsniveau liegt damit weiterhin unter dem Indexwert 100 des Jahres 2015 – und noch deutlicher entfernt von den Höchstständen 2018. Dabei dürfte der zunehmende Materialmangel – insbesondere Halbleiter – eine Rolle gespielt haben, der die Produktion teilweise ausbremste (mittlerweile klagen 75 Prozent der Firmen über Materialknappheit).

Beschäftigung

Seit Mitte 2019 war bei den Beschäftigtenzahlen in der M+E-Industrie landes- und bundesweit ein Abwärtstrend zu beobachten, der sich mit dem Beginn der Corona-Pandemie verstärkte. Seit einigen Monaten ist jedoch ein Seitwärtstrend zu beobachten, der sich auch im August fortgesetzt hat. Seit dem Höchststand Mitte 2019 sind in Baden-Württemberg allerdings mehr als 53.000 Arbeitsplätze bzw. rund fünf Prozent der M+E-Jobs verloren gegangen. Dass sich die Lage stabilisiert, zeigen auch die Personalpläne der Unternehmen, die seit April im Saldo wieder im Plus liegen (d.h., dass mehr Firmen mit einem Zuwachs rechnen als mit einem Minus), sich im August jedoch nicht noch weiter aufhellten.

Kurzarbeit

Seit Beginn der Corona-Krise gingen bei der Bundesagentur für Arbeit 3,3 Millionen Anzeigen zur Kurzarbeit in der M+E-Industrie ein, davon gut 800.000 aus Baden-Württemberg. Allerdings sind die Kurzarbeiterzahlen nach dem Höchststand im Mai 2020 mit rund 1,5 Millionen seit geraumer Zeit im Trend rückläufig. Laut aktuellster Hochrechnung der Bundesagentur waren im Mai 2021 knapp 278.000 M+E-Beschäftigte in Kurzarbeit, nochmals 32.000 weniger als im Vormonat – was gut sieben Prozent der Beschäftigten entspricht. Auch ist der Anteil der M+E-Firmen, die in den nächsten drei Monaten mit Kurzarbeit planen, seit mehr als einem Jahr kontinuierlich auf zuletzt knapp 17 Prozent gesunken. Im August ging bundesweit auch die Zahl neuer Anzeigen zurück. In Baden-Württemberg war die Entwicklung jedoch gegenläufig: Hier verdoppelte sich die Zahl neuer Anzeigen nahezu.

Ertragslage

Die ifo-Renditeschätzung 2020 für die M+E-Industrie (Befragung im September 2020zeigt die Bremsspuren der Corona-Pandemie. Der Anteil der Firmen, die Verluste schreiben, ist auf 36 Prozent gestiegen. Gegenüber dem Vorkrisenniveau 2018 hat sich demnach deren Anteil fast verdreifacht. Hinzu kommt ein weiteres knappes Viertel aller Unternehmen, das sich mit einer sehr schmalen Rendite von 0-2 Prozent begnügen muss – Zahlen. Insgesamt lassen die ifo-Zahlen für 2020 mit einer betrieblichen Rendite von durchschnittlich nur noch knapp einem Prozent rechnen.

Prognosen: Geschäftslage, Personal, Produktion, Export

Die wirtschaftliche Stimmung in den M+E-Betrieben bleibt laut ifo-Konjunkturtest weiterhin positiv, allerdings zeigt sich aktuell keine weitere Aufhellung der Stimmung. So wurden im August sowohl die aktuelle Lage als auch die Geschäfts- und Exporterwartungen etwas verhaltener eingeschätzt als im Vormonat. Lediglich die Erwartungen für die zuletzt stockende Produktion zeigten einen leichten Aufwärtstrend.

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