Konjunktur Metall- und Elektroindustrie

Nachdem die Auswirkungen der Corona-Pandemie die baden-württembergische Metall- und Elektroindustrie (M+E) im Frühjahr mit voller Wucht erfasst haben, geht es seit einigen Monaten von einem niedrigen Niveau aus wieder aufwärts. Allerdings hat die wirtschaftliche Erholung am aktuellen Rand an Dynamik verloren. Auch die wieder steigenden Corona-Infektionszahlen belasten die Stimmung von Unternehmen und Verbrauchern. Entscheidend für den weiteren wirtschaftlichen Verlauf wird sein, dass es gelingt, die Zahl der Corona-Infektionen mit lokal begrenzten Maßnahmen unter Kontrolle zu halten.

Auftragseingänge

Die Auftragseingänge in der M+E-Industrie setzen ihre Erholung fort, allerdings wurde im August wie schon im Juli in Baden-Württemberg das rezessionsbedingt ohnehin schwache Vorjahresniveau nicht erreicht. Seit Jahresbeginn haben die M+E-Firmen im Land mehr als ein Siebtel weniger Aufträge bekommen als 2019. Die Aufwärtsentwicklung wird dabei gleich von mehreren Faktoren gebremst: Der Inlandsmarkt zeigt sich schwach, und auch etliche der wichtigsten Auslandsmärkte der heimischen M+E-Industrie stecken noch tief in der Krise. Zudem halten sich viele Unternehmen weiterhin mit Investitionen zurück. Auch die Konsumenten sind beim Kauf langlebiger Konsumgüter (Autos, Kühlschränke etc.) noch vorsichtig.

Produktion

In der M+E-Produktion hat sich im August der Aufwärtstrend des Vormonats nicht weiter fortgesetzt, gegenüber dem Vorjahresmonat lief die Produktion um ein Fünftel gedrosselt. In den ersten sieben Monaten des Jahres ist der Fahrzeugbau mit minus 26 Prozent der Negativ-Spitzenreiter. Allerdings lassen die leicht positiven Geschäftserwartungen der M+E-Unternehmen für die kommenden Monate eine weitere, wenn auch langsame Erholung erwarten. Insgesamt wird es aber voraussichtlich noch mindestens bis Ende kommenden Jahres oder Anfang 2022 dauern, bis wieder die Vor-Krisenstände erreicht werden.

Beschäftigung

Die Beschäftigtenzahlen in der M+E-Industrie sind im August in Baden-Württemberg und bundesweit weiter nach unten gegangen. Seit dem Höchststand Mitte 2019 sind mehr als 40.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Die erweiterten Kurzarbeiterregelungen verhindern jedoch einen Arbeitsplatzabbau im größeren Stil. Zudem sorgt das Aussetzen der Insolvenz-Antragspflicht bis zum Jahresende dafür, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Moment nicht deutlich steigt. Auch das hält den Stellenabbau derzeit noch im Zaum. Die Personalpläne der Unternehmen haben sich etwas erholt, liegen aber weiter deutlich im negativen Bereich.

Kurzarbeit

Seit Mai hat sich die Dynamik der neuen Kurzarbeitsanzeigen in der M+E-Industrie Monat für Monat abgeschwächt, nachdem die Anzeigen im April explosionsartig in die Höhe geschnellt waren. Allerdings gibt es in der M+E-Industrie immer noch Neuanmeldungen zur Kurzarbeit. Im September waren es in Baden-Württemberg aber nur noch rund 3.700. Laut der aktuellen Südwestmetall-Mitgliederumfrage vom Oktober ist die Zahl der Beschäftigten in Kurzarbeit  inzwischen zwar zurückgegangen, das Gros der Betriebe rechnet allerdings in den nächsten Monaten nicht mit einer weiteren deutlichen Entspannung.

Ertragslage

Die Rendite in der M+E-Industrie ist mit durchschnittlich rund 3 Prozent (vom Nettoumsatz) niedriger als in vielen anderen Branchen. Zuletzt hat sich die Lage nochmal verschlechtert. Schon 2019 lagen fast 30 Prozent der Unternehmen im Bereich der „schwarzen Null“ (unter 1 Prozent) und der Verluste, rund 40 Prozent unter zwei Prozent. – „Traumrenditen“, wie von der IG Metall dargestellt, sind das allesamt nicht. Durch die Auswirkungen der Corona-Krise dürfte für 2020 mit einem scharfen Rückgang zu rechnen sein (beim Umsatz rechnen die Südwestmetall-Mitgliedsfirmen laut der aktuellen Umfrage durchschnittlich mit einem Minus von 16,5 Prozent).

Prognosen: Geschäftslage, Personal, Produktion, Export

Die wirtschaftliche Stimmung in den M+E-Betrieben hat sich laut jüngstem ifo-Konjunkturtest vom September weiter aufgehellt. Sowohl die aktuelle Lage wie auch die Geschäftserwartungen werden besser beurteilt als im Monat zuvor. Die Erwartungen für die nächsten sechs Monate liegen im Saldo im Plus, d.h., dass mehr Unternehmen mit einer Besserung als mit einer Verschlechterung rechnen. Dies gilt auch für die Produktions- und die Exporterwartungen. Allerdings zeigt sich, dass sich die Aufwärtsdynamik deutlich abgeschwächt hat, also mit einer längeren Zeitspanne bis zur vollständigen Erholung zu rechnen ist.

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