Konjunktur Metall- und Elektroindustrie

Der Überfall Russlands auf die Ukraine, der Krieg nach Europa gebracht hat, aber auch die neuerliche Störung der Lieferketten durch den Lockdown in Shanghai bremsen die wirtschaftliche Erholung der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie (M+E) weiterhin aus. Die Produktion kommt nicht vom Fleck. Immerhin haben sich die Geschäftserwartungen nach dem historischen Einbruch vom März wieder etwas - auf niedrigem Niveau – stabilisiert, wobei die weitere wirtschaftliche Entwicklung auch wegen möglicher Energieengpässe mit enormen Unsicherheiten behaftet bleibt.

Auftragseingänge

Die Auftragslage ist weiterhin nicht der Hemmschuh für ein kräftigeres Wachstum. Nach dem Corona-Einbruch hatten sich die Auftragseingänge der M+E-Firmen in Baden-Württemberg schnell erholt und bald sogar das Vorkrisenniveau überflügelt. Nach einer Abkühlung im März und April gingen im Mai wieder etwas mehr Aufträge ein als im Vorjahresmonat. Nach den ersten fünf Monaten steht ein Plus von knapp fünf Prozent in den Büchern, wobei es allerdings große Branchenunterschiede gibt. So haben die Aufträge in der Elektrotechnik seit Jahresbeginn um mehr als zehn Prozent zugelegt, während der Fahrzeugbau dem Vorjahr noch um 6,6 Prozent hinterherfährt. Weil die Produktion zuletzt in vielen Bereichen stotterte, hat der Auftragsbestand mit sechs Monaten eine rekordverdächtige Reichweite erreicht.

Produktion

Nachdem Behinderungen durch fehlende Vorprodukte und Teile in den ersten vier Monaten für ein deutliches Minus in der Produktion gesorgt hatten, ist die sie im Mai mit gut zehn Produktion deutlich ins Plus gedreht. Besonders kräftig legte der Fahrzeugbau zu, aber auch der Maschinenbau wuchs zweistellig. Zu den Spitzenwerten des Vorkrisenjahres 2018 fehlen damit aber immer noch mehr als zehn Prozent, ob und wann der pandemiebedingte Gesamtrückgang aufgeholt werden kann, bleibt ungewiss. Selbst das Niveau von 2015 ist noch nicht wieder erreicht. Vor allem bleibt die Produktionsentwicklung der deutschen und baden-württembergischen M+E-Industrie seit dem Beginn der Rezession 2019 immer weiter hinter der weltweiten Industrieproduktion zurück.

Beschäftigung

Seit Mitte 2019 war bei den Beschäftigtenzahlen in der M+E-Industrie landes- und bundesweit ein Abwärtstrend zu beobachten, der sich mit dem Beginn der Corona-Pandemie verstärkte. Seit einigen Monaten ist jedoch ein Seitwärtstrend zu beobachten, der sich auch 2022 fortgesetzt hat. Im Mai gab es in Baden-Württemberg wieder ein leichtes Plus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Seit dem Höchststand Mitte 2019 sind im Land knapp 46.000 Arbeitsplätze bzw. knapp fünf Prozent der M+E-Jobs verloren gegangen. Die Personalpläne der M+E-Unternehmen bundesweit lagen im Mai im Saldo weiterhin im Plus.

Kurzarbeit

Seit Beginn der Corona-Krise gingen bei der Bundesagentur für Arbeit mehr als 3,7 Millionen Anzeigen zur Kurzarbeit in der M+E-Industrie ein, davon gut 900.000 aus Baden-Württemberg. Nach dem Höchststand im Mai 2020 mit rund 1,5 Millionen waren die Anzeigen lange Zeit deutlich rückläufig und schwankten seitdem auf einem niedrigeren Niveau. Im Juni gingen die neuen Anzeigen erneut zurück, nachdem in den ersten vier Monaten seit Jahresbeginn eine leichte Zunahme zu beobachten war. Laut aktuellster Hochrechnung der Bundesagentur ist allerdings die Zahl der bundesweit M+E-Beschäftigten in Kurzarbeit im März deutlich auf 241.400 gestiegen – was rund sechs Prozent der Beschäftigten entsprach. Der Anteil der M+E-Firmen, die in den nächsten drei Monaten mit Kurzarbeit planen, war im ersten Quartal 2022 deutlich zurückgegangen (von 24 auf 13 Prozent).

Ertragslage

Die ifo-Renditeschätzung für 2021 deutet darauf hin, dass sich die M+E-Ertragslage bundesweit im vergangenen Jahr entspannt hat. Laut jüngster Umfrage vom Mai ist der Anteil von Firmen mit Verlusten oder schmaler Rendite unter zwei Prozent stärker gesunken, als sich noch in der Umfrage vom Herbst 2021 abgezeichnet hatte. Gesamtmetall geht von einem Plus bei der umsatzgewichteten Durchschnittsrendite auf 2,5 Prozent aus. Im langjährigen Mittel liegt dieser Wert bei etwa drei Prozent. Allerdings handelt es sich dabei um vorläufige Werte auf Basis von Schätzungen, die in der Vergangenheit immer wieder – teils deutlich – nach unten korrigiert wurden. So auch aktuell für das erste Corona-Jahr 2020, wonach die Firmen nach den nun vorliegenden vorläufigen Bundesbank-Zahlen im Durchschnitt sogar eine leicht negative Rendite hatten (-0,2 Prozent). Die letzte ifo-Schätzung hatte mit 3,8 Prozent sehr viel höher gelegen.

Prognosen: Geschäftslage, Personal, Produktion, Export

Deutschland ihre wirtschaftliche Situation. Bei beiden Indikatoren gab es kaum Veränderungen. Bei den Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate hatte es im März mit einem Minus von 49 Indexpunkten einen historischen Einbruch gegeben. Die Export- und Produktionserwartungen hellen sich indes etwas auf. Im Saldo rechnen die Firmen in den nächsten drei Monaten sowohl mit einem Zuwachs der Produktion als auch einem Plus bei den Exporten.

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