Konjunktur Metall- und Elektroindustrie

Nachdem die Auswirkungen der Corona-Pandemie die baden-württembergische Metall- und Elektroindustrie (M+E) im Frühjahr mit voller Wucht erfasst haben, geht es seit einigen Monaten von einem niedrigen Niveau aus wieder aufwärts. Allerdings hat die wirtschaftliche Erholung am aktuellen Rand etwas an Dynamik verloren. Auch die wieder steigenden Corona-Infektionszahlen belasten die Stimmung von Unternehmen und Verbrauchern. Entscheidend für den weiteren wirtschaftlichen Verlauf wird sein, dass es gelingt, die Zahl der Corona-Infektionen mit lokal begrenzten Maßnahmen unter Kontrolle zu halten.

Auftragseingänge

Die Auftragseingänge in der M+E-Industrie setzen ihre Erholung fort, allerdings schwächt sich die Aufwärtsbewegung im Juli in Baden-Württemberg etwas ab. Die Aufwärtsentwicklung wird dabei gleich von mehreren Faktoren gebremst: So befinden sich etliche der wichtigsten Auslandsmärkte der heimischen M+E-Industrie noch deutlich tiefer in der Krise. Zudem halten sich viele Unternehmen weiterhin mit Investitionen zurück. Auch die Konsumenten sind beim Kauf langlebiger Konsumgüter (Autos, Kühlschränke etc.) noch vorsichtig.

Produktion

In der M+E-Produktion setzt sich der Aufwärtstrend im Juli weiter fort, die Werte in Baden-Württemberg liegen aber immer noch deutlich unter dem Vorjahresniveau. Im Juli sticht hier der Maschinenbau mit minus 19,9 Prozent zum Vorjahresmonat besonders negativ heraus. In den ersten sieben Monaten des Jahres ist der Fahrzeugbau mit minus 26,0 Prozent der Negativ-Spitzenreiter. Allerdings lassen die Geschäftserwartungen der M+E-Unternehmen für die kommenden Monate eine weitere Erholung erwarten. Insgesamt wird es aber voraussichtlich noch mindestens bis Ende kommenden Jahres oder Anfang 2022 dauern, bis wieder die Vor-Krisenstände erreicht werden.

Beschäftigung

Die Beschäftigtenzahlen in der M+E-Industrie gehen im Juli in Baden-Württemberg weiter nach unten. Die erweiterten Kurzarbeiterregelungen verhindern jedoch einen Arbeitsplatzabbau im größeren Stil. Zudem sorgt das Aussetzen der Insolvenz-Antragspflicht bis zum Jahresende dafür, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Moment nicht deutlich steigt. Auch das hält den Stellenabbau derzeit noch im Zaum. Die Personalpläne der Unternehmen haben sich etwas erholt, liegen aber weiter deutlich im negativen Bereich.

Kurzarbeit

Seit Mai hat sich die Dynamik der neuen Kurzarbeitsanzeigen in der M+E-Industrie Monat für Monat abgeschwächt, nachdem die Anzeigen im April explosionsartig in die Höhe geschnellt waren. Allerdings gibt es in der M+E-Industrie immer noch viele Neuanmeldung zur Kurzarbeit. Im August waren es bundesweit etwa 67.200 und in Baden-Württemberg rund 23.100. Der massive Einsatz von Kurzarbeit und die gewaltigen staatlichen Stützungsmaßnahmen für die Betriebe sind die Hauptgründe dafür, dass der Konjunktureinbruch in Deutschland weniger heftig als in vielen anderen europäischen Staaten ausgefallen ist.

Ertragslage

Die Rendite in der M+E-Industrie ist mit durchschnittlich rund 3 Prozent (vom Nettoumsatz) niedriger als in vielen anderen Branchen. Zuletzt hat sich die Lage nochmal verschlechtert. Schon 2019 lagen fast 30 Prozent der Unternehmen im Bereich der „schwarzen Null“ (unter 1 Prozent) und der Verluste, rund 40 Prozent unter zwei Prozent. – „Traumrenditen“, wie von der IG Metall dargestellt, sind das allesamt nicht. Durch die Auswirkungen der Corona-Krise dürfte für 2020 mit einem scharfen Rückgang zu rechnen sein (beim Umsatz rechnen die Südwestmetall-Mitgliedsfirmen laut der aktuellen Umfrage durchschnittlich mit einem Minus von rund 18 Prozent).

Prognosen: Geschäftslage, Personal, Produktion, Export

Die wirtschaftliche Stimmung in den M+E-Betrieben hat sich laut jüngstem ifo-Konjunkturtest vom August weiter aufgehellt. Sowohl die aktuelle Lage wie auch die Geschäftserwartungen werden besser beurteilt als im Monat zuvor. Die Erwartungen für die nächsten sechs Monate liegen sogar im Saldo im Plus, d.h., dass mehr Unternehmen mit einer Besserung als mit einer Verschlechterung rechnen. Dies gilt auch für die Produktions- und die Exporterwartungen. Der Aufwärtsbewegung setzt sich damit schrittweise weiter fort, auch wenn es bei den Exporterwartungen eine leichte Abschwächung gab.

Südwestmetall
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Datum: 22.9.2020

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