Konjunktur Metall- und Elektroindustrie

Die wirtschaftliche Erholung in der Metall- und Elektroindustrie (M+E) kommt knapp zwei Jahre nach dem schweren Einbruch durch die Corona-Pandemie nur noch stockend voran. Zwar sind viele Auftragsbücher gut gefüllt, doch auch hier machen sich Bremsspuren bemerkbar. Vor allem Materialengpässe und Störungen der Lieferketten bereiten der Industrie große Schwierigkeiten, die Produkte auch zu fertigen und zum Kunden zu bringen. Die Erwartungen an die nächsten Monate sind daher verhalten.

Auftragseingänge

An der Auftragslage hat es lange nicht gelegen. In den ersten neun Monaten 2021 waren bei den baden-württembergischen M+E-Firmen gut ein Viertel mehr Aufträge eingegangen als im Vorjahr. Allerdings hatte sich die Dynamik der Zuwächse zuletzt deutlich abgeschwächt. Nach einem deutlichen Rückgang im Oktober landete auch der November mit 1,1 Prozent im Minus. Dabei trübt alleine der Fahrzeugbau das Gesamtbild: Er verzeichnete 10,6 Prozent weniger Aufträge als noch im Vorjahresmonat.

Produktion

Wenig erfreulich entwickeln sich die Produktionszahlen. So ging es im November mit einem Plus von 0,5 Prozent nur noch seitwärts.  Auch hier zeigt sich ein nach Branchen gespaltenes Bild. Während Elektrotechnik und Maschinenbau erneut zulegen konnten, sackte die Produktion im Fahrzeugbau (-7,5 Prozent) und in der Metallverarbeitung (-3,6 Prozent) im Vorjahresvergleich in den Keller. Mit 3,1 Millionen Fahrzeugen wurden 2021 so wenige Autos in Deutschland gebaut wie seit 1975 nicht mehr. Das Gesamtplus aller Branchen seit Jahresbeginn schrumpfte daher im Vergleich zum Krisenjahr 2020 auf nunmehr 7,7 Prozent. Das Produktionsniveau liegt somit etwa auf dem des Jahres 2013 – und noch deutlich entfernt von den Höchstständen 2018. Dabei spielt der anhaltende Material- und Teilemangel eine Rolle, der die Produktion ausbremste (mittlerweile klagen 86 Prozent der Firmen über Materialknappheit).

Beschäftigung

Seit Mitte 2019 war bei den Beschäftigtenzahlen in der M+E-Industrie landes- und bundesweit ein Abwärtstrend zu beobachten, der sich mit dem Beginn der Corona-Pandemie verstärkte. Seit einigen Monaten ist jedoch ein Seitwärtstrend zu beobachten. Seit dem Höchststand Mitte 2019 sind in Baden-Württemberg gut rund 46.500 Arbeitsplätze bzw. knapp fünf Prozent der M+E-Jobs verloren gegangen. Dass die Lage relativ stabil ist, zeigen die Personalpläne der Unternehmen, die seit April im Saldo wieder im Plus liegen. Allerdings geht es hier seit September nicht mehr weiter nach oben (es rechnen aber immer noch deutlich mehr Firmen mit einem Zuwachs als mit einem Minus).

Kurzarbeit

Seit Beginn der Corona-Krise gingen bei der Bundesagentur für Arbeit rund 3,5 Millionen Anzeigen zur Kurzarbeit in der M+E-Industrie ein, davon rund 900.000 aus Baden-Württemberg. Allerdings waren die Kurzarbeiterzahlen nach dem Höchststand im Mai 2020 mit rund 1,5 Millionen lange Zeit deutlich rückläufig. Seit Herbst ist jedoch wieder eine leichte Zunahme zu beobachten. Laut aktuellster Hochrechnung der Bundesagentur waren im September 257.700 M+E-Beschäftigte in Kurzarbeit – was knapp sieben Prozent der Beschäftigten entsprach. Der Anteil der M+E-Firmen, die in den nächsten drei Monaten mit Kurzarbeit planen, ist zuletzt ebenfalls wieder leicht gestiegen (von 17 auf 18 Prozent).

Ertragslage

Die ifo-Renditeschätzung für die M+E-Industrie für 2020 vom September 2020 hatte zunächst auf deutliche Bremsspuren der Corona-Pandemie bei den Unternehmensgewinnen hingedeutet. Bei der erneuten Befragung im Mai 2021 hat sich jedoch ein anderes Bild ergeben. Der Anteil der Firmen mit Verlusten liegt demnach bei knapp einem Viertel (23,8 Prozent) – und nicht wie zunächst prognostiziert bei 36 Prozent. Hinzu kommen weitere 17,8 Prozent, die sich mit einer schmalen Rendite von 0-2 Prozent begnügen mussten. Gegenüber dem Vorkrisenniveau 2018 hat sich der Anteil der Firmen in den roten Zahlen dennoch fast verdoppelt. Auf Basis dieser ifo-Zahlen rechnet der M+E-Dachverband Gesamtmetall für 2020 mit Branchenrendite von 2,6 Prozent – knapp über dem Niveau des Rezessionsjahrs 2019.

Mittlerweile liegen auch erste Schätzungen für 2021 vor, die auf eine weitere leichte Entspannung bei der Ertragslage hindeuten. Demnach sinkt laut der aktuellen ifo-Befragung vom September der Anteil von Firmen mit Verlusten oder schmaler Rendite unter zwei Prozent leicht von 41,6 auf 38,3 Prozent. Gesamtmetall geht daher von einem weiteren leichten Plus bei der umsatzgewichteten Durchschnittsrendite auf 2,7 Prozent aus. Im langjährigen Mittel liegt dieser Wert bei etwa drei Prozent.

Prognosen: Geschäftslage, Personal, Produktion, Export

Die wirtschaftliche Stimmung in den M+E-Betrieben hat sich seit Herbst eingetrübt, die Hoffnung auf eine schnelle und kräftige Erholung schien verflogen. Zum Jahresende hin ist jedoch eine Stabilisierung eingetreten. Sämtliche Indikatoren des ifo-Konjunkturtests zeigten im Dezember wieder leicht nach oben, alle Indikatoren sind im Saldo positiv. Dabei wurden sowohl die aktuelle Lage als auch Erwartungen an die nächsten sechs Monate sowie die Produktions- und Exporterwartungen etwas besser eingeschätzt als noch im Vormonat. Ob dies eine Trendumkehr bedeutet, werden die nächsten Wochen zeigen müssen.

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