Konjunktur Metall- und Elektroindustrie

Knapp ein Jahr nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs ist die Lage der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie (M+E) immer noch von Unsicherheiten geprägt.  Die verschiedenen Konjunkturindikatoren senden dabei Monat für Monat unterschiedliche Signale aus. Nach wie vor halten die Störungen der Lieferketten an, die Preise insbesondere für Energie bleiben hoch und bremsen die wirtschaftliche Erholung aus. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung bleibt in höchstem Maße unsicher. Als sehr wahrscheinlich gilt in den kommenden Monaten eine zumindest leichte Rezession.

Auftragseingänge

Bis zum Frühjahr hatte sich die Auftragslage noch positiv entwickelt, seitdem machen sich auch hier immer deutlichere Bremsspuren bemerkbar. Im November verbuchten die M+E-Firmen in Baden-Württemberg ein kräftiges Minus von 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Vor allem die Aufträge im Fahrzeug- und Maschinenbau brachen deutlich ein. Nach den ersten elf Monaten steht nun ein Minus von knapp zwei Prozent in den Büchern. Während sich Maschinenbau und die Elektrotechnik seit Jahresbeginn leicht behaupten konnten, liegt insbesondere der Fahrzeugbau deutlich im Minus. Weil die Produktion in vielen Bereichen immer noch stottert, hat der Auftragsbestand mit gut sechs Monaten aber weiterhin eine hohe Reichweite.

Produktion

Nach wie vor fährt die M+E-Produktion im Land dem Vorkrisenniveau hinterher. In den letzten Monaten konnte sie allerdings meist etwas zulegen, so auch im November um 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Zuwächse verbuchten insbesondere die Elektrotechnik und der Maschinenbau. Seit Jahresbeginn steht nun ein Gesamtplus von 2,2 Prozent in den Büchern. Zu den Spitzenwerten des Vorkrisenjahres 2018 fehlt der gesamten M+E-Industrie damit aber immer noch ein ganzes Stück. Ob und wann der pandemiebedingte Gesamtrückgang aufgeholt werden kann, bleibt ungewiss. Vor allem aber liegt die Produktionsentwicklung der deutschen und der baden-württembergischen M+E-Industrie seit Beginn der Rezession 2019 immer weiter hinter der weltweiten Industrieproduktion zurück.

Beschäftigung

Seit Mitte 2019 war bei den Beschäftigtenzahlen in der M+E-Industrie landes- und bundesweit ein Abwärtstrend zu beobachten, der sich mit dem Beginn der Corona-Pandemie verstärkte. Seit einigen Monaten ist jedoch wieder ein leichter Aufwärtstrend zu beobachten, der sich auch im November mit einem Plus von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr fortgesetzt hat. Seit dem Höchststand Mitte 2019 sind im Land knapp 30.000 Arbeitsplätze der M+E-Jobs verloren gegangen, was einem Rückgang von knapp drei Prozent entspricht. Für die kommenden Monate rechnen die M+E-Unternehmen bundesweit mit einer stabilen Beschäftigung, ggf. mit einem leichten Zuwachs.

Kurzarbeit

Kurzarbeit spielt in der M+E-Industrie trotz der wirtschaftlich schwierigen Umstände aktuell weiterhin eine geringere Rolle. Im August (aktuellste verfügbare Daten) waren nach Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit deutschlandweit mit 49.700 gut ein Prozent aller M+E-Beschäftigten in Kurzarbeit – etwas mehr als im Vormonat. Dabei war der Anteil Baden-Württembergs zuletzt unterdurchschnittlich gewesen. Zum Vergleich: Im Spitzenmonat Mai 2020 (Lockdown) waren mehr als 1,5 Millionen M+E-Beschäftigte in Kurzarbeit. Allerdings liegt das aktuelle Niveau weiterhin etwas über dem durchschnittlichen Stand der Jahre vor Ausbruch der Pandemie (2011-19). Der Anteil der Firmen, die in den nächsten drei Monaten mit Kurzarbeit planen, liegt mit sieben Prozent auf einem niedrigen Niveau.

Ertragslage

Die Erträge der Firmen geraten in diesem Jahr durch die stark gestiegenen Preise für Rohstoffe, Vorprodukte und Energie deutlich unter Druck. Das zeigen auch die aktuellsten Daten der ifo-Renditeschätzung vom September. Demnach hat sich der Anteil der Unternehmen, die 2022 rote Zahlen oder eine „schwarze Null“ (weniger als zwei Prozent Nettoumsatzrendite) geschrieben haben, deutlich von 34 auf 41 Prozent erhöht. Für 2021 geht Gesamtmetall noch von einer umsatzgewichteten Durchschnittsrendite auf 2,5 Prozent aus. Im langjährigen Mittel liegt dieser Wert bei etwa drei Prozent. Allerdings handelt es sich dabei um vorläufige Werte auf Basis von Schätzungen, die in der Vergangenheit immer wieder – teils deutlich – nach unten korrigiert wurden.

Prognosen: Geschäftslage, Personal, Produktion, Export

Lage ordentlich, Aussichten etwas weniger trübe: So beurteilen die vom ifo-Institut befragten M+E-Firmen in Deutschland im Dezember ihre wirtschaftliche Situation. Während die aktuelle Lage nahezu gleich eingeschätzt wird wie im Vormonat, haben sich die Aussichten für das nächste halbe Jahr weiter aufgehellt. Noch liegen sie im Saldo aller Firmen immer noch im Minus. Die kurzfristigeren Export- und Produktionserwartungen lassen für die nächsten drei Monate eine leichte Besserung erwarten.

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