#ShowMEyourdesk mit Joachim Schulz

Dr. Joachim Schulz ist 60 Jahre alt, Vater von fünf Kindern und seit April 2017 Vorstandsvorsitzender von Aesculap. Das Unternehmen aus Tuttlingen produziert chirurgische Instrumente und Implantate und feiert dieses Jahr sein 150-jähriges Bestehen. Vor seiner Tätigkeit bei Aesculap studierte Dr. Schulz Maschinenbau und Luftfahrt an der RWTH Aachen und erforschte nach seinem Abschluss an selber Stelle die Digitalisierung von Produktionssystemen. Ehrenamtlich engagiert sich Dr. Schulz u.a. als Vorsitzender der Südwestmetall Bezirksgruppe Schwarzwald-Hegau.

1. Mit welchen zwei Sätzen würde man Sie bei Anne Will vorstellen?

Dr. Joachim Schulz  gilt als überzeugter Europäer und großer Förderer von Produktionsarbeit am Standort Deutschland. Die Mischung aus lokalem Engagement und internationalem Blick sieht er als Erfolgsfaktor von mittelständischen Industrieunternehmen.

2. Welche morgendlichen Rituale haben Sie?

Mein Tag beginnt mit einem kleinen Müsli aus Zerealien und Obst, einer Tasse Tee und der Zeitung – die Meldungen aus der Region interessieren mich besonders. Wenn ich nicht gerade auf Reisen bin, fahre ich danach unsere Tochter und ihre Schulfreundin zur Schule und mache mich dann auf den Weg zur Arbeit.

3. Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsinstrument und warum?

Das ist für mich eindeutig der Laptop. Ob E-Mail, Nachrichten oder Reportings - quasi alles läuft mittlerweile digital ab und hilft, mehr und mehr Papier einzusparen. Völlig papierlos ist mein Büro zwar noch nicht, aber ich arbeite daran.

4. Auf welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?

Entscheidungen sind immer Weichenstellungen. Rückblickend glaube ich, dass ich mit meiner Entscheidung, zu Aesculap zu gehen, die Weiche in eine sehr gute Richtung gestellt habe.
Ich kam damals von der RWTH Aachen, wo ich in leitender Position an der Digitalisierung von Produktionssystemen geforscht habe. Bei Aesculap bin ich dann als Assistent des Produktion-Vorstandes eingestiegen und habe während meiner Zeit hier viele verschiedene Stationen im In- und Ausland durchlaufen. Zum Beispiel arbeitete ich an mehreren Restrukturierungsprojekten am Standort Tuttlingen.

Heute bin ich stolz darauf, als Vorstandsmitglied die Geschäfte von Aesculap mitgestalten zu dürfen. Unsere Produktsparte ist maßgeblich an den rund 6 Milliarden Euro Umsatz beteiligt, die unser familiengeführter Mutterkonzern B.Braun Melsungen jährlich erwirtschaftet.

Neben den wirtschaftlichen Erfolgen ist Aesculap aber auch ein Unternehmen, das tolle Werte lebt und vor allem Menschen beschäftigt, die für die Produkte und ihre Arbeit brennen.

5. Was würde der Welt fehlen, gäbe es Aesculap nicht?

Unsere Produkte helfen Ärzten jeden Tag, tausende Menschen zu heilen und sie wieder zusammen zu flicken. Genau dafür bieten wir unser breites, qualitativ hochwertiges Produktspektrum an.
Auf den Erfolgen haben wir uns aber nie ausgeruht, sondern wollten immer fortschrittlich und innovativ sein.

Daher glaube ich, dass der Medizintechnik ohne uns ein Pionier und wichtiger Orientierungspunkt fehlen würde. Der Standort Tuttlingen veranschaulicht das sehr schön: Viele kleine und hoch spezialisierte Medizintechnikbetriebe sind hier als Spin-Offs aus unserem Unternehmen entstanden. Ob es dieses Medizintechnikcluster auch ohne die Gründung von Aesculap gegeben hätte, stelle ich zumindest in Frage.

6. Welche sind Top 2 Bedrohungen Ihres Geschäftsmodells und warum?

Die Digitalisierung hat sicherlich das Potenzial, disruptiv auf Teile unseres Geschäftes zu wirken. Viele Auswirkungen digitaler Technologien etwa für Produkte, Prozesse und Arbeitsplätze sind heute aber noch nicht absehbar. Daher beobachten wir den technischen Fortschritt und seine Wirkweise sehr genau, verstehen ihn aber auch als Chance.

Außerdem sind besonders wirksame Medikamente und Technologien wie das Tissue Engineering eine potenzielle Bedrohung für unser Geschäftsmodell, da sie Teile unseres Produktportfolios obsolet machen könnten. Aus diesem Grund engagieren wir uns sehr stark in diesen Themen, indem wir in Unternehmen aus diesem Bereich investieren oder mit ihnen kooperieren. Beim Tissue Engineering werden beispielsweise organische Gewebestrukturen künstlich hergestellt, um defektes menschliches Gewebe zu ersetzen.

Es ist realisitisch, Gelenkverschleiß zukünftig per Injektion heilen zu können. Ein „Medikament“ könnte neues Gleitmittel und Knorpelgewebe im Gelenkspalt bilden und das Gelenk müsste nicht mehr ersetzt werden. Folglich wären unsere Gelenkprothesen nutzlos. Aus medizinischer Sicht kann das ein großer Fortschritt sein. Für unser Unternehmen ist es zugleich eine Herausforderung, hängen doch wirtschaftlicher Erfolg und letztlich auch Arbeitsplätze am Produkt.

7. Wer ist Ihr unternehmerisches Vorbild und was haben Sie von ihm gelernt?

Sowohl mein Großvater als auch mein Vater waren mittelständische Unternehmer und haben mich mit ihrer typisch mittelständischen Sicht auf die Industriewelt sehr geprägt. Diese Sicht ist sehr handfest, sehr bodenständig, mitarbeiter- und heimatnah. Der typische mittelständische Unternehmer engagiert sich für die Menschen in der Region. Er fokussiert sich nicht auf das letzte Prozent Rendite, sondern setzt sich für das langfristige Wohlergehen des Unternehmens ein – und das in der Regel mehr als zwölf Stunden am Tag.

8. Haben Sie ein Lieblingszitat?

Ein Lieblingszitat habe ich nicht, aber mir gefällt  der Spruch „Global denken, lokal handeln“ ganz gut. Er bringt in meinen Augen eine zentrale Managementaufgabe auf den Punkt: Nämlich das große Ganze sehen und verstehen, aber daraus die für sich und das eigene Umfeld passenden Ableitungen treffen.

9. Was schätzen Sie am Standort Baden-Württemberg?

Am Standort Baden-Württemberg schätze ich nicht nur die sehr reizvolle landschaftliche Lage, sondern auch die hervorragende Infrastruktur. Mit der weltweit einmaligen Dichte an Technologiekompetenz im Land haben wir ein ideales Umfeld, um Probleme in nächster Nähe zu lösen. Ich glaube auch, dass wir hier eine Reihe an sehr klug geführten und wandlungsfähigen mittelständischen Unternehmen haben. Dies gibt mir Zuversicht, dass die baden-württembergische Wirtschaft die anstehenden Herausforderungen wie Digitalisierung oder die Verschiebung hin zur E-Mobilität im Land gut meistern wird.

10. Bitte vervollständigen Sie! Digitalisierung ist für mich…...

…...eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung und eine riesen Chance. Volkswirtschaftlich betrachtet leben wir in einer Gesellschaft, die ein großes Demografieproblem hat. Uns stehen immer weniger Arbeitskräfte für gleich viel bzw. mehr Arbeit zur Verfügung. Daraus folgt, dass jeder Einzelne  immer produktiver arbeiten muss. Genau dabei kann uns die Digitalisierung helfen, indem neue Technologien uns bislang unbekannte Tore zeigen und aufstoßen.

Südwestmetall
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Datum: 19.9.2019

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