#ShowMEyourdesk mit Michael Roth

Hekatron? Bauen die nicht die Rauchmelder in unseren Schlafzimmern?

Ja! Unter anderem.

Hinter dem bekannten Markennamen steckt aber noch mehr, nämlich gleich zwei Unternehmen: die Hekatron Branschutz sowie die Hekatron Manufacturing.

Als EMS-Dienstleister produziert man bei Hekatron Manufacturing Elektronikkomponenten für Kunden aus der Industrie, und zwar maßgeschneidert nach deren Wünschen.

Neben diesem Angebot ist man im südbadischen Sulzburg aber vor allem auf seine Mitarbeiter stolz. 2017 wurden beide Unternehmen zum wiederholten Male mit dem Arbeitgeberpreis „Great Place To Work“ ausgezeichnet, welcher die 100 beliebtesten Arbeitgeber Deutschlands aus Sicht der Beschäftigten ehrt.

Wir wollten das „Erfolgsmodell Hekatron“ genauer kennenlernen und haben Michael Roth, Geschäftsführer der Hekatron Manufacturing, über die Schulter geschaut.

 

1. Mit welchen zwei Sätzen würde man Sie bei Anne Will vorstellen?

Michael Roth ist ein Unternehmer aus Fleisch und Blut. Für ihn stehen Kunden- und Mitarbeiterorientierung an erster Stelle. Sein Erfolgsgeheimnis: Der Dialog auf Augenhöhe.

2. Welche morgendlichen Rituale haben Sie?

Ich bin ein Morgenmensch. Daher stehe ich so früh wie möglich, spätestens aber um 6 Uhr auf. Nach einem kleinen Frühstück und dem obligatorischen Blick in die Zeitung bin ich meist um 7 Uhr in der Firma.

3. Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsinstrument und warum?

Neben meinem Notizbuch ist das meine Stimme. Mir ist es wichtig, dass meine Mitarbeiter nicht lediglich Betroffene meiner Entscheidungen sind. Ich will sie als Mitstreiter für die gemeinsame Sache gewinnen. Daher ist für mich das Gespräch, der offene, faire Dialog zentral. Und meine Mitarbeiter wissen das zu schätzen. Nicht umsonst liegt unsere durchschnittliche Betriebszugehörigkeit bei 17 Jahren. Unsere Devise lautet: Einmal Hekatron, immer Hekatron! Das funktioniert nur mit gegenseitigem Respekt und der Dialog bildet den Grundstein dafür.

4. Auf welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?

Vor über 30 Jahren bin ich bei Hekatron ganz unten, in der Arbeitsvorbereitung eingestiegen. Man hat mich hier aber nie von oben herab behandelt, sondern vom ersten Tag an konsequent gefördert, gefordert und mir so eine Karriere ermöglicht. Die Entscheidung für den Arbeitgeber Hekatron prägt mein Leben also elementar.

Aus unternehmerischer Sicht bin ich stolz auf die Entscheidung, Hekatron Manufacturing ein zweites Geschäftsfeld eröffnet zu haben.

Mit der Marke Hekatron werden ja meist die Brand- und Rauchmelder unserer Schwestergesellschaft Hekatron Brandschutz assoziiert. Mittlerweile sind wir aber auch als Tier 1-Zulieferer von elektronischen Baugruppen im Markt. Aktuell macht dieses Standbein rund 20% des Gesamtumsatzes aus, perspektivisch streben wir jedoch 50% an und sind auf einem guten Weg dahin.

5. Was würde der Welt fehlen, gäbe es die Hekatron Gesellschaften nicht?

Der Welt würden zwei gute, zwei etwas andere Unternehmen fehlen.
Ich würde lügen, wenn ich behauptete, unsere Produkte seien nicht substituierbar. Das was die Hekatron Gesellschaften ausmacht, ist aber die Firmenphilosophie, die gemeinsame Historie und wie wir mit unseren Mitarbeitern umgehen. Ein konkretes Beispiel dazu:

Wir thematisieren mit unseren Mitarbeitern ganz bewusst Fragestellungen, die in anderen Unternehmen Tabu sind. Ist der Renteneintritt eines Mitarbeiters absehbar, führen wir Orientierungsseminare durch, in denen wir erörtern, wie der Kollege die verbleibenden 10 – 15 Jahre im Unternehmen gestaltet will. Was will der Mitarbeiter noch erreichen? Bestehen gesundheitliche Einschränkungen? Und wie stellen wir sicher, dass der Mitarbeiter nach Renteneintritt nicht in ein Loch fällt?

6. Welche sind die Top 2 Bedrohungen Ihres Geschäftsmodells und warum?

Die wenig weitsichtig geführte Tarifdiskussion der IG Metall bereiten mir ernsthaft Sorge. Für Vorschläge wie die 28 Stunden-Woche habe ich null Verständnis. Bei uns im Hause haben wir immer Lösungen gefunden, wenn Beschäftigte aus privaten Gründen einmal kürzertreten mussten. Warum können wir das? Weil wir individuelle Fälle auch individuell betrachten. Aber die IG Metall will daraus nun einen Anspruch für alle machen und entmündigt so ihre eigenen Betriebsräte.

Damit ist es ja aber noch nicht genug. Stattdessen stellt sich die IG Metall hin, droht die Kündigung des Manteltarifvertrages an und verbietet uns Arbeitgebern den Mund für eigene Forderungen. Das ist absolut hanebüchen. Wenn dann am Ende ein Ergebnis steht, das für das Gros der Betriebe eine Zumutung ist, wird das die Tarifflucht wieder befeuern.

7. Wer ist Ihr unternehmerisches Vorbild und was haben Sie von ihm gelernt?

Unser Patron der Gesellschafterfamilie, Samuel Spreng, ist für mich eine große Inspiration. Er verkörpert unsere Unternehmenswerte, also Bescheidenheit, hohe Ansprüche an die Produktqualität, Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern, Kundenzufriedenheit und finanzielle Unabhängigkeit wie kein Zweiter.

8. Haben Sie ein Lieblingszitat?

Ich bin ein Macher-Typ, der das ewige Diskutieren in Deutschland kritisch sieht. Deswegen spricht mich John F. Kennedys Zitat an: „Einen Vorsprung im Leben hat, wer da anpackt, wo die anderen erst einmal reden.“

Natürlich sind Ziele wichtig. Aber noch wichtiger ist, überhaupt etwas ernsthaft bewegen zu wollen.

Schauen sie sich die E-Mobilität an: Da setzte Frau Merkel nach langem Hin und Her das Ziel bis 2020 eine Millionen E-Autos auf die Straße zu bringen. Jetzt kassiert man die Zahl wieder, weil man merkt, dass die angebotenen Lösungen bis heute einfach nicht sexy sind. Hätte man die ganze Energie in das Entwickeln von Lösungen, statt in endlose Diskussionen gesteckt, wären wir heute deutlich weiter.

9. Was schätzen Sie als Unternehmer am Standort Baden-Württemberg?

Bei uns hier in Südbaden ist die Welt noch ein Stück weit in Ordnung. Deswegen sind wir auch ein Zuzugslandkreis. Die Infrastruktur könnte natürlich immer besser sein, bietet uns aber schon heute gute Voraussetzungen für erfolgreiche Geschäfte. Weiterhin haben wir sehr, sehr gute und innovative Unternehmen in nächster Nähe versammelt.

10. Bitte vervollständigen Sie! Digitalisierung ist für mich…...

...unabwendbar. Die Digitalisierung wird alle Bereiche unseres Lebens erfassen – ob Gesundheit, Freizeit oder Arbeit. Es gibt nur eine Chance: Sich damit auseinandersetzen.
Natürlich haben auch wir Kollegen, die Angst haben, von digitalen Technologien wegrationalisiert zu werden. Ich entgegne dann immer: „Du allein garantierst Dir den Erhalt Deines Arbeitsplatzes. Ich helfe Dir, die Hintergründezu verstehen und dich weiterzuentwickeln. Aber Du musst dich auf die Veränderung einlassen, dafür bereit sein. Diese Entscheidung kann Dir keiner abnehmen, Du triffst sie ganz allein.“

 

Zur Person:

Die Karriere von Michael Roth liest sich wie ein Märchen aus einer längst vergangen geglaubten Zeit: als Mitarbeiter in der Arbeitsvorbereitung fing er an und arbeitete sich über Positionen als Gruppenleiter, Chef der Materialwirtschaft und Produktionschef schließlich bis zum Geschäftsführer der Hekatron Manufacturing nach oben. Seit 2003 führt er nun mittlerweile das Unternehmen, welches zusammen mit der Hekatron Brandschutz im Jahr 2016 einen Umsatz von rund 161 Mio. Euro erwirtschaftete und über 800 Mitarbeiter im Markgräflerland beschäftigt.  

Südwestmetall
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Datum: 19.9.2019

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