Barta: „Wir reden von einer handfesten Strukturkrise – Politik und Sozialpartner sind gefordert, die Rahmenbedingungen grundlegend zu verbessern“
In der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie (M+E) hat sich auch zum Jahresende 2025 kein klares Aufbruchsignal gezeigt. Zwar konnten die Auftragseingänge im November kräftig zulegen. Aber die Produktion tritt weiterhin auf der Stelle, und bei den Personalplänen stehen die Zeichen auf weiteren Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland. „Wir reden von einer handfesten Strukturkrise. Die Transformation kostet viel Kraft und Ressourcen. Zudem ist unser Standort zu teuer und viel zu bürokratisch. Deshalb wird viel zu wenig investiert, weshalb die Innovationen auch noch wegzubrechen drohen“, sagte Oliver Barta, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, am Freitag in Stuttgart: „Jetzt sind die Politik, aber auch die IG Metall und wir als Sozialpartner gefordert, die Rahmenbedingungen so grundlegend zu verbessern, dass die Unternehmen hier wieder mit Zuversicht in die Zukunft und in den Erhalt von Arbeitsplätzen investieren können. Unterbleibt dies, droht uns eine Dauerstagnation, die zum wirtschaftlichen und sozialen Abstieg unseres Landes führen würde.“
Im November hatten die M+E-Firmen im Land bei den Neuaufträgen ein überraschend deutliches Plus von 15,7 Prozent verzeichnet, wobei alle Branchen zulegen konnten, insbesondere die Metallverarbeitung und die Elektrotechnik. „Diese erfreuliche Entwicklung wird aber etwas dadurch relativiert, dass sie teils auf einzelne Großaufträge, teils auf Vorzieheffekte wegen angekündigter Preiserhöhungen zurückzuführen ist“, sagte Barta: „Für den Dezember und auch im Januar berichten die Unternehmen wieder von einem deutlich verhalteneren Neugeschäft.“ Die Produktion konnte ihre leichte Erholung der Vormonate im November nicht fortsetzen und verharrte auf dem Niveau des Vorjahresmonats. Im Jahresverlauf 2025 ergibt so ein leichter Produktionsrückgang. Im Vergleich zum Spitzenjahr 2018 wird in den baden-württembergischen M+E-Fabriken rund ein Fünftel weniger produziert. Die gedämpften Geschäftserwartungen der Firmen lassen auch noch keine Wende zum Besseren erkennen.
Abwärts zeigt der Trend auch bei der Beschäftigung. Ende November waren noch rund 944.000 Menschen in der M+E-Industrie im Land beschäftigt, gut drei Prozent weniger als vor einem Jahr. Allein Seit Anfang 2025 sind damit rund 27.000 Jobs verlorengegangen, seit dem Höchststand Mitte 2019 sind es etwa 65.000 weniger geworden. „Auch die Personalpläne für die kommenden Monate zeigen deutlich weiter nach unten“, sagte der Südwestmetall-Hauptgeschäftsführer: „Viele Unternehmen signalisieren uns dabei, dass die Situation an den Standorten im Ausland eine völlig andere ist. Wir sprechen also nicht von einem generellen Problem der deutschen Wirtschaft, sondern von einem Standortproblem in Deutschland.“
Die M+E-Unternehmen im Land erwarten nun von der Politik auf allen Ebenen – Land, Bund, EU – ein entschlossenes Signal, alle politischen und gesetzgeberischen Maßnahmen darauf auszurichten, die Wettbewerbsbedingungen für die Unternehmen zu verbessern und so wirtschaftliches Wachstum zu ermöglichen. „Die Sozialpartner, IG Metall und wir, können mit unserer Tarifpolitik jedoch auch einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die Unternehmen in der Transformation besser zu unterstützen und bei den Arbeitskosten wettbewerbsfähiger zu werden“, sagte Barta: „Die Tarifrunde im Herbst wird uns dazu Gelegenheit geben. Wir sind bereit, auch kreative Wege zu gehen, um so Beschäftigung im Land zu sichern.“
