Baden-württembergische Metall- und Elektroindustrie verliert auch zum Jahresbeginn weiter an Beschäftigung

Krause: „Erträge der Unternehmen reichen nicht mehr aus, um die erforderlichen Investitionen zu tätigen – sie brauchen jetzt dringend strukturelle Reformen und Kostenentlastungen“

Der Beschäftigungsabbau in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie (M+E) hat sich auch zum Jahresbeginn 2026 unvermindert fortgesetzt. Im Januar gingen erneut mehr als 5.000 Jobs verloren, seit dem Höchststand 2019 sind es mittlerweile mehr als 75.000. „Die strukturellen Herausforderungen drücken enorm, konjunkturelle Impulse bleiben weitgehend aus“, sagte Peter Sebastian Krause, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, am Freitag in Stuttgart: „Die Erträge, die die Unternehmen noch erwirtschaften, reichen nicht mehr aus, um die jetzt erforderlichen Investitionen zu tätigen. Unsere Unternehmen brauchen daher jetzt dringend bessere Rahmenbedingungen, das heißt strukturelle Reformen und Kostenentlastungen, sonst droht der weitere Verlust industrieller Fertigung und Beschäftigung im Land.“

Ende Januar waren in den M+E-Betrieben im Land gut 933.000 Menschen beschäftigt – der niedrigste Stand seit Juni 2016. Vor sieben Jahren hatte die baden-württembergische M+E-Industrie zeitweise mehr als einer Million Menschen Arbeit gegeben. Allein innerhalb der letzten zwölf Monate sind mehr als 30.000 Jobs verlorengegangen. Die Personalpläne bundesweit deuten auch für die kommenden Monate keine Trendwende an: Deutlich mehr Firmen planen mit einem weiteren Beschäftigungsabbau als mit dem Bedarf nach zusätzlichem Personal. „Die Sicherung von Beschäftigung und Produktion im Land muss daher im Fokus aller Akteure stehen – in den Betrieben wie in der Politik.“

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die leichte konjunkturelle Erholung in der Südwestindustrie vom Jahresende 2025 im Januar nicht fortgesetzt hat. Entgegen dem Bundestrend, der vor allem aufgrund von Aufträgen für die Rüstungsindustrie zulegen konnte, verbuchten die M-E-Unternehmen im Land deutlich weniger Aufträge als im Vergleichsmonat des Vorjahres (-6,9 Prozent). Zudem schlagen sich die teils langfristigen Großaufträge auch bundesweit nicht unmittelbar in zusätzlicher Produktion nieder. So sank das Produktionsvolumen in der deutschen M+E-Industrie im Januar um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Zahlen für Baden-Württemberg liegen für den Januar aufgrund von Anpassungen und Neuberechnungen der Statistiker aktuell nicht vor). Laut Herbstbefragung des ifo-Instituts lag 2025 die durchschnittliche Umsatzrendite der M+E-Firmen gerade mal noch bei mickrigen 0,2 Prozent. Gut die Hälfte der Unternehmen liegt inzwischen unter der kritischen Grenze von zwei Prozent, mehr als ein Viertel schreibt sogar rote Zahlen.

Krause verwies darauf, dass demnächst auch die zweite Stufe der Entgelterhöhung greife, die im Tarifabschluss 2024 zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft vereinbart wurde. Ab 1. April erhalten die Beschäftigten in den tarifgebundenen Unternehmen 3,1 Prozent mehr Geld, was im Schnitt aller Beschäftigten mehr als 2.000 Euro pro Jahr entspricht. „Was für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfreulich ist, bedeutet aber für ihre Unternehmen eine erhebliche zusätzliche Belastung in einer ohnehin schon höchst angespannten Situation“, sagte der Südwestmetall-Vorsitzende: „In Summe sprechen wir von mehr als 1,5 Milliarden Euro weiteren Kosten, die auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe drücken.“

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Volker Steinmaier

Referatsleiter Medienarbeit Print, Rundfunk und TV

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