Tarifvertrag zur Qualifizierung (TV Quali)

Die Ausgangslage

Begriffe wie diese umschwirren – heute mehr denn je – sowohl die Arbeitnehmer als auch unsere Mitgliedsunternehmen wie Motten das Licht: Weiterbildung. Berufliche Qualifizierung. Training on the job. Zukunftsfähigkeit. Das alles klingt groß, richtungsweisend, existentiell. Und das ist es auch. Genau deshalb braucht es für das Thema Qualifizierung Rahmen und Regeln, die zu den Anforderungen der Jobprofile passen. Und an denen sich Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber orientieren können.

Der Meilenstein – „TV Quali 2015“

Wir gestalten Arbeit von heute und morgen. Deswegen einigten wir uns im Tarifabschluss 2015 mit der IG Metall Baden-Württemberg darauf den bestehenden Tarifvertrag zur Qualifizierung (TV Quali) aus dem Jahr 2001 zu modifizieren – und zu modernisieren. So zollt der „neue“ TV Quali mehr denn je zwei Anforderungen Tribut: Die „betriebliche Weiterbildung“ zielt – den Bedarf natürlich immer vorausgesetzt – auf regelmäßige Qualifizierungsmaßnahmen, auch für an- und ungelernte Beschäftigte ab. Die „persönliche Weiterbildung“ schafft daneben den Freiraum größer angelegte Weiterbildungen zu ermöglichen. Und damit auch solche, die erst in der Perspektive zur konkreten Anwendung kommen können.

Betriebliche Weiterbildung

Wie bisher auch gilt weiterhin für alle Mitarbeiter: der Anspruch auf ein jährliches Gespräch mit dem Arbeitgeber darüber, ob Qualifizierungsbedarf besteht. Wird dieser festgestellt, so planen Arbeitgeber und Mitarbeiter gemeinsam die notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen. Es geht immer darum die Qualifikationen des Arbeitnehmers für sein Aufgabengebiet zu erhalten und zu erweitern. Die mit Abstand wichtigste Maßnahme lautet „training on the Job“, also die Weiterbildung zum Beispiel direkt an der Maschine oder am Computer.

Durch den Tarifabschluss 2015 stehen nun – stärker als bisher – die an- und ungelernten Mitarbeiter bei Arbeitgeber und Betriebsrat im Blickpunkt. In der Praxis sieht das so aus: Wird einvernehmlich ein Qualifizierungsbedarf festgestellt, ist nichts Geringeres als eine abschlussorientierte Berufsqualifizierung das Ziel. Die entsprechenden Qualifizierungsmaßnahmen werden dabei begleitet von der Sozialpartnervereinbarung "vom Einstieg zum Aufstieg".

Persönliche Weiterbildung

Daneben optimiert der TV Quali 2015 die Rahmenbedingungen für die „Bildungsteilzeit“, die ein Modell bei der persönlichen Weiterbildung ist. Diese kann einmalig und nur dann beantragt werden, wenn

  1. sie in Bezug zum Betrieb steht und dem voraussichtlichen betrieblichen Bedarf entspricht,
  2. der Mitarbeiter mindestens seit fünf Jahren im Betrieb arbeitet oder als Ausgebildeter nach dem „Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung und zum Beschäftigungsaufbau“ (TV Besch) übernommen wird,
  3. der eigene Betrieb mehr als 50 Vollzeitbeschäftigte hat.

Sind diese Kriterien erfüllt, kann die Bildungsteilzeit wie folgt genommen werden:

  • Bei der befristeten Teilzeit wird die Arbeitszeit auf die Hälfte reduziert und die Vergütung entsprechend angepasst.
  • Bei der verblockten Teilzeit wird auch die Arbeitszeit auf die Hälfte reduziert: In der ersten Phase arbeitet der Mitarbeiter Vollzeit, er erhält allerdings nur 50% seines Lohnes. In der zweiten Phase ist der Mitarbeiter freigestellt und erhält ebenfalls 50% der Vergütung. Die verblockte Teilzeit können aber nur ein Prozent der Beschäftigten in Betrieben ab 500 Beschäftigten (bzw. in konzernabhängigen Betrieben ab 300 Beschäftigten) beanspruchen. Die maximale Dauer beträgt sieben Jahre:

TV Quali: Modell verblockte Teilzeit

  • Auf freiwilliger (!) Basis können die Betriebsparteien eine finanzielle Förderung der Bildungsteilzeit beschließen. Hierfür können Mittel verwendet werden, die ansonsten für die Altersteilzeit zu verwenden wären.

Anstelle der Bildungsteilzeit können die Beschäftigten – so wie bisher auch – das Modell der Ausscheidensvereinbarung mit Wiedereinstellungszusage für bis zu fünf Jahre wählen.

Südwestmetall
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Datum: 19.9.2019

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