Corona-bedingter Rückgang der MINT-Lücke darf nicht zu geringeren Anstrengungen führen

Trotz des starken Rückgangs der sogenannten MINT-Lücke* haben die baden-württembergischen Metallarbeitgeber davor gewarnt, die Nachwuchsbemühungen für die mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen und die IT-Berufe zu vernachlässigen.

„Die Corona-Krise führt zwar kurzfristig zu einer geringen Nachfrage nach solchen Fachkräften und Experten, mittelfristig wird sie aber den Trend zu digitalen Geschäftsmodellen sogar noch beschleunigen“, sagte Peer-Michael Dick, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, am Mittwoch anlässlich der Veröffentlichung des MINT-Frühjahrsreports: „Die baden-württembergische Metall- und Elektroindustrie (M+E) ist dabei Vorreiter nicht nur in der Digitalisierung und mittelfristig weiterhin auf hochqualifizierte MINT-Fachkräfte und -Experten angewiesen. Wenn wir hier jetzt nachlassen, gefährden wir die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.“

Bundesweit ist die MINT-Lücke im April 2020 auf rund die Hälfte des Vorjahreswertes geschrumpft, in Baden-Württemberg fiel der Rückgang noch stärker aus. Vor allem Fachkräfte in den produktionsnahen Bereichen waren wegen der Corona-Krise weniger gefragt. Speziell bei den IT-Berufen ist die Lücke jedoch trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds sogar leicht gewachsen, gesucht werden vor allem Spezialisten und Experten (in der Regel Akademiker). „Die Krise hat uns nun aber in vielen Bereichen vorgeführt, wie wichtig die Digitalisierung ist, um das Kerngeschäft zu sichern“, sagte Dick: „Dies wird mittelfristig auch wieder zu einer höheren Nachfrage nach MINT-Fachkräften und -Experten führen.“

Rückstände bei der Digitalisierung hätten sich in den vergangenen Wochen in der öffentlichen Verwaltung, vor allem aber im Schulbereich gezeigt, so der Südwestmetall-Hauptgeschäftsführer: „Hier liegt das zentrale Handlungsfeld der Politik, vor allem auf Landesebene.“ Einerseits gelte es nun, den bundesweiten Digitalpakt für die Schulen zeitnah umzusetzen und dabei vor allem die Lehrkräfte in digitaler Technik fortzubilden und die Schulen mit entsprechender digitaler Technik auszustatten.

Da die öffentliche Verwaltung zudem durch den Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst der Länder im Wettbewerb um die umworbenen IT-Fachkräfte einen erheblichen Nachteil habe, müsse es künftig auch die Möglichkeit geben, für besonders qualifiziertes Personal außertarifliche Arbeitsverträge abzuschließen. „Wenn es den Schulen nicht gelingt, ihrem Bildungsauftrag auch in digitaler Form nachzukommen, sorgt dies nicht nur für eine dramatisch wachsende Bildungsungerechtigkeit. Sondern uns gehen auch viele Talente verloren, die wir dringend benötigen, um unsere wirtschaftliche Spitzenstellung zu verteidigen“, warnte Dick. Schon in der Vergangenheit seien Engpässe bei Fachkräften das größte Innovationshemmnis für viele Unternehmen gewesen.

Gerade in Baden-Württemberg kommt dabei der M+E-Industrie eine herausragende Rolle zu. So arbeitet im Land mehr als jeder achte sozialversicherungspflichte Beschäftigte in einem MINT-Beruf in der M+E-Industrie. Vor allem dank dieser starken Industrie liegt das Land auch bei den Digitalisierungspatenten bundesweit deutlich an der Spitze. Mehr als jedes zweite dieser Patente kommt dabei aus einem sogenannten disruptiven Technologiefeld, und nicht zuletzt ist auch das ohnehin schon hohe Gewicht der Autoindustrie bei den Patentanmeldungen weiter gestiegen. „Ob Digitalisierung oder Klimaschutz: Letztlich sind es ganz wesentlich die Innovationen unserer Industrie, die den Fortschritt sichern“, sagte Dick: „Dafür benötigen wir weiterhin ausreichend MINT-Kräfte. Und: Zukunft – ob Digitalisierung oder Klimaschutz – geht nur mit unserer Industrie, und nicht gegen sie. Das gilt auch für die Autoindustrie – und sollte Richtschnur für alle künftigen politischen Weichenstellungen sein.“

* MINT-Lücke: Differenz zwischen dem Arbeitsplatz- und dem Arbeitskräfteangebot in Berufen mit Qualifikationen in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaft, IT und Technik (MINT)

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Datum: 22.9.2020

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