Entgelt-Rahmen-Tarifvertrag (ERA)

Die Ausgangslage: ein überholtes Entgeltsystem

Er galt bereits Mitte der 1990er als historisch überholt und nicht mehr zeitgemäß – der Entgeltaufbau der Metall- und Elektroindustrie. Warum?

Die Zeiten, die eine unterschiedliche Klassifizierung und Entlohnung von Arbeitern und Angestellten rechtfertigten, waren längst passé, dementsprechend auch die Vergütung nach „Lohn“, dem Entgelt für Arbeiter, und „Gehalt“, der Vergütung für Angestellte.

Denn bei immer mehr Berufsbildern war gar keine klare Zuordnung mehr möglich. Einige Berufe waren im Lauf der Zeit schlicht entfallen, dafür neue Fachrichtungen entstanden.

Zudem verlangte der technologische Wandel und die damit veränderten Qualifikationsanforderungen an die Arbeiter durchgängige Entgeltsysteme. Und nachvollziehbare...

Doch die bis dato 65 Eingruppierungen sorgten vielmehr für Irritation und Orientierungslosigkeit, so dass es für Arbeitgeber immer schwieriger wurde, Arbeitnehmer richtig einzustufen. Die Konsequenz: Viele Unternehmen bemühten sich um individuelle Lösungen, und die Flächentarifverträge wurden vielerorts nur noch eingeschränkt oder nicht korrekt angewendet. So verwundert es nicht, dass sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerverbände stabile Verhältnisse anstrebten.

Das Modell vor ERA

Im Fokus: ein modernes und gerechtes Entgeltsystem

Die Unternehmen sollten wieder ein modernes und verlässliches Entgeltsystem erhalten. Und auch den Beschäftigten wollte man unmittelbar den Nutzen des Flächentarifvertrags nahebringen.

Im Zuge dessen sollte insbesondere die qualifizierte Facharbeit aufgewertet und gewerblich-technische Berufe so attraktiver gemacht werden – gemäß dem Motto „gleichwertige Arbeit muss gleich entlohnt werden“.

Da die Tarifparteien das neue Abkommen auch als Prüfstein ihrer eigenen Handlungs- und Reformfähigkeit verstanden, wurde der Umsetzungsprozess von beiden Seiten ausgesprochen aktiv betrieben. Die ERA-Verhandlungen stellen damit einen Meilenstein der besonderen Art dar: Denn entgegen vielen anderen Tarifverhandlungen wurde hier nicht das „Ob“, sondern ausschließlich das „Wie“ verhandelt!

ERA - das Jahrhundertwerk

Eingriffe in die betriebliche Entgeltdifferenzierung und damit in das soziale Gefüge sind jedoch riskant. Deswegen konnte man sich erst nach zehn Jahren auf ein neues Reglement einigen – am 23. Juni 2003 in Baden-Württemberg. Weitere sechs Jahre kamen hinzu, bis die Unternehmen flächendeckend das ERA-System betrieblich eingeführt und etabliert hatten.

Doch die Mühen haben sich gelohnt: Der Entgeltrahmentarifvertrag (ERA TV) steht für ein modernes und gerechtes Vergütungssystem, an dem sich sowohl Unternehmen als auch Arbeitnehmer bis heute orientieren.

ERA - Entgeltaufbau heute

Heute gibt es drei typische ERA-Entgeltbausteine:

Entgeltaufbau nach ERA

1. Grundentgelt

Hier wird ermittelt, welche Anforderungen die Arbeitsaufgabe an den Beschäftigten stellt. Es gibt insgesamt fünf tarifliche Anforderungsmerkmale mit einem dahinterliegenden Punktesystem. Die Summe aller Punktwerte ergibt die Entgeltgruppe.

2. Leistungsentgelt

Jeder Beschäftigte erhält spätestens nach einer sechsmonatigen Betriebszugehörigkeit zusätzlich zum Grundentgelt ein Leistungsentgelt. Dieses kann durch Beurteilen, Kennzahlenvergleich oder anhand von Zielvereinbarungen ermittelt werden.

3. Belastungszulage

Wenn ein Job höhere Belastungen der Muskeln, aufgrund von Reizarmut oder von Umgebungseinflüssen mit sich bringt, wird eine Zulage zusätzlich zum Grundentgelt vergütet. Und das einheitlich: Für gleiche Belastungen gibt es in allen Entgeltgruppen einen der Höhe nach identischen finanziellen Ausgleich.

Südwestmetall
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Datum: 19.9.2019

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