Entgeltrahmentarifvertrag (ERA)

Hier finden Sie eine kurze Darstellung der wesentlichen Informationen über das Entgeltrahmenabkommen (ERA) für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg.

Warum ERA?

Mit dem ERA-Tarifvertrag wollten die Tarifvertragsparteien ein modernes und gerechtes Vergütungssystem schaffen, das die teilweise überholten Regelungen der bisherigen Lohn- und Gehaltstarifverträge vereinheitlicht.

1. Grundentgelt

Die unterschiedlich geregelte Vergütung für Arbeiter und Angestellte war nicht mehr zeitgemäß. Gleiche Arbeit muss gleich entlohnt werden. Zudem erforderten der technologische Wandel und moderne Organisationsformen in den Betrieben zunehmend durchgängige Entgeltsysteme.

2. Leistungsentgelt

Die bisherigen tariflichen Leistungsentgeltregelungen behinderten zum Teil moderne, leistungsfördernde und stärker ergebnisorientierte Vergütungssysteme. Zielvereinbarungen waren zumeist nicht innerhalb des Tarifentgelts realisierbar. Gleiches galt bei kennzahlenorientierten Entgeltsystemen für Angestellte.

3. Belastungsermittlung

Die tariflichen Bestimmungen zur Vergütung von Belastungen im Grundentgelt entsprachen nicht mehr den arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen und behinderten die Transparenz für Investitionsentscheidungen.

Wesentliche Inhalte des ERA-Tarifvertrages

1. Grundentgelt

Auf Basis der vom Arbeitgeber festgelegten Arbeitsorganisation werden die unterschiedlichen Arbeitsaufgaben im Betrieb eingestuft. Dabei wird ermittelt, welche Anforderungen die Arbeitsaufgaben den Beschäftigten stellen. Es gibt insgesamt fünf tarifliche Anforderungsmerkmale – Wissen und Können, Denken, Handlungsspielraum, Kommunikation, Mitarbeiterführung –, die verschiedene Punktwerte enthalten. Die Summe der Punktwerte für eine Arbeitsaufgabe führt nach einer Tabelle zur Entgeltgruppe.

Die Tarifpartner haben 17 Entgeltgruppen festgelegt, nach denen die Arbeitsaufgaben vergütet werden. Die bisherigen fünf Entgeltlinien – gewerblich Analytik, gewerblich Summarik, Meister, technische und kaufmännische Angestellte – werden also vereinheitlicht. Außerdem werden qualifizierte gewerblich-technische Tätigkeiten gegenüber einfachen Angestelltentätigkeiten aufgewertet.

Das tarifliche ERA-Grundentgelt in der M+E-Industrie Baden-Württemberg beginnt bei 2.398,00 Euro für die Entgeltgruppe 1 (gültig ab 01.04.2018) und reicht bis 6.043,50 Euro für die Entgeltgruppe 17 (gültig ab 01.04.2018). Bei von der tariflichen Arbeitszeit (derzeit 35 Stunden pro Woche) abweichenden Arbeitszeiten wird dieses Grundentgelt entsprechend angepasst.

2. Leistungsentgelt

Jeder Beschäftigte erhält – spätestens nach einer sechsmonatigen Betriebszugehörigkeit – auf Basis seines Grundentgelts ein Leistungsentgelt. Das Leistungsentgelt wird jedem Beschäftigten nach seinem Leistungsergebnis oder dem Leistungsergebnis einer Beschäftigtengruppe gezahlt. Es kann durch Beurteilen, Kennzahlenvergleich oder nach Erfüllung von Zielvereinbarungen ermittelt werden.

Die Methoden müssen Arbeitgeber und Betriebsrat miteinander vereinbaren. Dabei soll das durchschnittliche betriebliche Leistungsentgeltvolumen 15 Prozent der Grundentgeltsumme ergeben. Das Leistungsentgelt des einzelnen Beschäftigten kann zwischen null und 30 Prozent liegen.

3. Belastungszulage

Höhere Belastungen der Muskeln, durch Reizarmut oder durch Umwelteinflüsse, die bei der Ausführung der Arbeit vorliegen, werden künftig als Zulage zusätzlich zum Grundentgelt vergütet – unabhängig davon, welchen Grundentgeltanspruch der Beschäftigte hat. Es gibt also ein gleiches Entgelt für gleiche Belastungen in allen Entgeltgruppen.

Die Belastungszulage kann zwischen 81,01 Euro (ein Belastungspunkt, gültig ab 01.04.2018) und 324,05 Euro (vier Belastungspunkte, gültig ab 01.04.2018) betragen.

Nutzen und Chancen für die Betriebe und die Beschäftigten

Die ERA-Einführung ist keine Korrektur der alten betrieblichen Entgeltsysteme, sondern ein durch die Tarifvertragsparteien beschlossener Neuanfang. Es war das Ziel der Tarifpartner, neue Maßstäbe und Methoden für das tarifliche Entgelt zu formulieren und Entgeltstrukturen zu verändern. ERA bietet ein umfangreiches tarifvertragliches Instrumentarium, die individuellen und die betrieblichen Anpassungen zu bewältigen.

ERA bringt:

  • Gerechtigkeit: Alle Beschäftigten werden nach gleichen Maßstäben vergütet. Nicht nur die Unterscheidung zwischen Angestellten und Arbeitern entfällt, sondern auch jene zwischen kaufmännischen und technischen Angestellten und Meistern.
  • Klarheit: Die Einstufung der Arbeitsaufgaben ist einfach und nachvollziehbar. Insgesamt 122 Tarifbeispiele erleichtern die Bewertung.
  • Objektivität: Für alle gelten die gleichen Maßstäbe – unabhängig von der formalen Ausbildung. Die Bezahlung nach Beschäftigungsjahren entfällt. Für gleiche Belastungen gibt es das gleiche Geld.
  • Modernität: Nicht nur die erforderlichen Kenntnisse für Arbeitsaufgaben sind entscheidend, auch Schlüsselqualifikationen wie Führung oder Kommunikation fließen in die Bewertung ein.
  • Flexibilität: Im Leistungsentgelt können die Betriebsparteien – je nach den betrieblichen Erfordernissen – eine Vielzahl von Vergütungssystemen vereinbaren. Tarifliche Entlohnungsgrundsätze entfallen.

Südwestmetall
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Datum: 23.5.2019

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